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Azubi-Recruiting Trends 2017 So vergraulen Unternehmen Lehrlinge

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Fehler Nr. 2: Anforderungsprofile sind keine Wunschzettel


So sagen mehr als 60 Prozent der befragten Ausbildungsleiter, dass sie eine lange Liste mit gewünschten Qualifikationen ins Anforderungsprofil schreiben. Dass ein Bewerber diese auch alle erfüllt, erwarten sie jedoch nicht. „Wir können davon ausgehen, dass mit der derzeitigen Praxis nicht „die Falschen“ aussortiert werden, sondern vor allem solche Bewerber, die genauer hinschauen und sich selbst kritisch prüfen“, heißt es dazu in der Studie. Die Aussagen der befragten Schüler bestätigen das: 19,1 Prozent der Jugendlichen bewerben sich nur, wenn sie alle Bedingungen erfüllen. 29,7 Prozent nur dann, wenn sie vier von fünf Anforderungen erfüllen.
Heißt: Mehr als die Hälfte der befragten Ausbildungsleiter verschreckt rund die Hälfte der potenziellen Bewerber. Weil sie nicht unterscheiden zwischen notwendigen Qualifikationen, die ein Bewerber mitbringen muss und Eigenschaften, die irgendwie schon ganz nett wären.

Das Phänomen ist nicht auf den Azubimarkt beschränkt – auch bei ausgebildeten Fachkräften liest sich das Anforderungsprofil für den Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung genauso wie das für die Industriekauffrau. Nur sind die Adressaten dieser Anzeigen in der Regel älter als 16 und wissen, wie es beim Bewerbungs-Bullshitbingo zugeht.

Wer Azubis von sich überzeugen will – und so rum läuft der Hase nun mal mittlerweile – sollte nicht von ihnen verlangen, kreativer Ordnungsfanatiker oder sprachbegabtes Mathegenie zu sein. Vielmehr geht es darum, Interesse für einen Beruf zu wecken – und dann zu überzeugen, dass es keinen besseren Ausbildungsbetrieb gibt, als den eigenen.

Fehler Nr. 3: Praktika und Probearbeiten bieten nur wenige Betriebe an

Das funktioniert für die befragten Azubis übrigens am besten analog: bei den besagten Schnupperpraktika, beim Probearbeitstag oder einem Tag der offenen Tür. Das sagt jedenfalls die digitale Generation und trifft damit auf Unverständnis bei den Ausbildungsbetrieben.

Während 74,5 Prozent der Azubis zum Beispiel Praktika als „wichtig“ oder „sehr wichtig“ empfinden, setzen nur 50,8 Prozent der Ausbildungsbetriebe diese „sehr häufig“ oder „häufig´“ ein. Bei den Probearbeiten sind die Unterschiede noch auffälliger: 71,1 Prozent der Azubis wünschen sie sich, nur und 30,8 Prozent der Ausbildungsbetriebe bieten sie an. Da sollten sich die Unternehmen bewegen: ein Youtube-Video und eine Karrierewebsite verdeutlichen den Jugendlichen nicht, ob sie Spaß an einem Beruf haben oder dafür geeignet sein könnten. Das funktioniert nur über Ausprobieren.

Diese Ausbildungsbetriebe begeistern deutsche Azubis

Fehler Nr. 4: Betriebe reagieren zu langsam auf Bewerbungen

Wenn sich ein Schulabgänger dennoch bei einem potenziellen Ausbildungsunternehmen bewirbt, braucht er vor allem eines: Geduld. Zwar geben die meisten der befragten Ausbilder an, nach ein bis zwei Tagen auf eine Bewerbung zu antworten. Die angehenden Azubis erleben das jedoch anders. Nur ein Drittel bekam tatsächlich eine schnelle Rückmeldung, gut ein Viertel musste deutlich länger warten. Und 45,4 Prozent der Azubi-Bewerber warten immer noch auf ihre Absage. Und wer dieses Jahr zum Oktober eine Lehre beginnen möchte, hat sich bereits vergangenen Oktober beworben. Denn 44,7 Prozent der Ausbildungsbetriebe starten die Bewerbungsfrist neun bis zwölf Monate vor Ausbildungsbeginn, weitere 10,1 Prozent noch früher. Rund die Hälfte der Azubis findet das auch gut so, einige würden sich auch noch früher bewerben.
Wer einem Kandidaten, der sich im September 2016 beworben hat, erst im Juni eine Antwort gibt, braucht sich auch nicht wundern, wenn der nicht zum Vorstellungsgespräch auftaucht – was auf gut ein Viertel der Azubi-Bewerber zutreffe, wie die Ausbilder sagen. Den Schuh müssen sich die Unternehmen jedoch selbst anziehen. Hier beruht die Unzuverlässigkeit der Azubis auf Gegenseitigkeit.

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