Berater-Check: Wirtschaftsprüfer und Steuerberater mit dem höchsten Ansehen
Ein gutes Team: Reeder Bertram Rickmers (vorn) holte sich Unterstützung von KPMG-Berater Michael Axhausen
Foto: Anna Mutter für WirtschaftsWocheAuf den Weltmeeren schippern zu viele Containerschiffe, die traditionelle Schiffsfinanzierung über Banken und Fondsanleger ist tot, und viele andere Reeder können wegen der mickrigen Charterraten derzeit nicht mal mehr den laufenden Betrieb ihrer Schiffe decken: Für Reeder wie Bertram Rickmers gab es schon entspanntere Situationen als die derzeitige Schifffahrtskrise.
Doch den 60-jährigen Spross der norddeutschen Reederfamilie Rickmers, im Geschäft seit 1834, ficht das nicht an. Die Krise tobt im fünften Jahr – doch Rickmers weltweit tätiger Schifffahrtskonzern mit 2680 Seeleuten und 500 Mitarbeitern an Land macht bei einem Umsatz von 618 Millionen Euro nach wie vor Gewinn.
„Wir schwimmen gegen den Strom, um an die Quelle zu gelangen“, beschreibt der hanseatische Reeder blumig das Erfolgsrezept seines internen Umstrukturierungsprojekts Eagle. „Wir wollen mit den Adlern fliegen und nicht mit den Hühnern am Boden bleiben.“
Deshalb holte sich der Hanseat 2010 die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG an Bord, die seiner unternehmergeführten Kommanditgesellschaft die Führungs-Reportingstrukturen einer Aktiengesellschaft verpasst hat. Anderthalb Jahre lang tüftelten die Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Unternehmensberater um KPMG-Partner Michael Axhausen gemeinsam mit Rickmers an der finanziellen, strategischen, organisatorischen und gesellschaftsrechtlichen Neustrukturierung, konzentrierten das Unternehmen auf drei Sparten: erstens Dienstleistungen rund um Bau, Finanzierung, Kauf und Verkauf von Handelsschiffen. Zweitens das Management eigener und fremder Schiffe inklusive der Besatzung. Und drittens der hauseigene Liniendienst Rickmers Linie, der 14-tägig auf festen Routen 40 Häfen weltweit anfährt.
Die Zusammenarbeit mit KPMG hat sich für Rickmers ausgezahlt: Die Reederei gewann 2012 den US-Hedgefonds Oaktree als Finanzierer für acht neue Schiffe, sammelte über eine Mittelstandsanleihe 175 Millionen Euro ein und gründete mit der US-Private-Eqity-Gesellschaft Apollo vor Kurzem ein Joint Venture, das für 500 Millionen Dollar gebrauchte Containerschiffe erwerben soll. „Michael Axhausen und KPMG waren mir von mehreren Geschäftspartner empfohlen worden“, sagt Rickmers: „Ihre strukturierte Arbeitsweise hat überzeugt.“
Die Beratungsgesellschaft Lünendonk hat die 25 umsatzstärksten deutschen Wirtschafts- und Steuerprüfungsgesellschaften unter die Lupe genommen. Sie erreichten im Geschäftsjahr 2012 ein Umsatzwachstum von 5,6 Prozent, die Big Four wuchsen um 6,3 Prozent. Wer in Deutschland die Nase vorn hat:
Platz 10: RBS RoeverBroennerSusat
Das Beratungsunternehmen RBS RoeverBroennerSusat erwirtschaftete im Jahr 2012 nur noch einen Umsatz von 68 Millionen Euro. 2011 lag dieser noch bei 75,8 Millionen. Auch die Mitarbeiterzahl in Deutschland nahm von 651 auf 631 ab.
Quelle: Lünendonk-Liste "Führende Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungs-Gesellschaften in Deutschland"; Zahlen teilweise geschätzt
Foto: ScreenshotPlatz 9: Warth & Klein Grant Thornton Gruppe, Düsseldorf
Im vergangenen Jahr machten die Wirtschaftsprüfer von Warth & Klein Grant Thornton Gruppe, Düsseldorf 87 Millionen Euro Umsatz. Im Jahr 2011 waren es noch 75,8 Millionen Euro. Die Mitarbeiterzahl liegt aktuell bei 823.
Foto: ScreenshotPlatz 8: Rölfs RP AG, Düsseldorf
Rölfs RP setzte im vergangenen Jahr in Deutschland 93 Millionen Euro um, 2011waren es knapp 92 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter ist im Vergleich zum Jahre 2011 von 647 auf 655 gestiegen.
Foto: ScreenshotPlatz 7: Ebner Stolz Mönning Bachem Partnerschaft
Die Stuttgarter Wirtschaftsprüfer von Ebner Stolz Mönning & Bachem setzten im vergangenen Jahr 138 Millionen Euro um. 2011 lag der Umsatz noch bei 121,7 Millionen Euro. Die Mitarbeiterzahl hat sich von 820 auf 910 erhöht.
Foto: PressebildPlatz 6: Rödl & Partner
In Deutschland machten die Nürnberger im Geschäftsjahr 2012 einen Umsatz von knapp 154 Millionen Euro. Ein Drittel davon erwirtschaftete die Gesellschaft mit Wirtschaftsprüfungen.* Weltweit setzten Rödl & Partner 281,3 Millionen Euro um - und damit rund 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Zum Gewinn macht das Unternehmen keine Angaben. 3.500 Menschen sind bei Rödl & Partner beschäftigt.
* Rest der Umsätze: Steuer-, Rechts- und Unternehmensberatung
Foto: PressePlatz 5: BDO AG
Die Hamburger Wirtschaftsprüfer von BDO haben im vergangenen Jahr 192 Millionen Euro Umsatz gemacht. 2011 lag dieser bei 189,2 Millionen. Die Mitarbeiterzahl sank gering: Von 1775 Angestellten im Geschäftsjahr 2011 auf 1773 Mitarbeiter im Geschäftsjahr 2012.
Foto: ScreenshotPlatz vier: Deloitte GmbH
Das Düsseldorfer Unternehmen Deloitte zählt dank eines Umsatzes von 658 Millionen Euro (621,7 Millionen im Jahr 2011) zu den Big Four der Wirtschaftsprüfer-Branche. 4.838 Menschen arbeiten für Deloitte.
Anmerkung: Das Rumpfgeschäftsjahr erstreckte sich vom 1.7. 2011 bis 31.5.2012, der Umsatz wurde auf einen 12-Monats-Zeitraum hochgerechnet.
Foto: ScreenshotPlatz 3: Ernst & Young GmbH
Die Bronzemedaille geht an Ernst & Young aus Stuttgart: Der in 2012 erwirtschaftete Umsatz betrug 1,2 Milliarden Euro. Gut 40 Prozent des Umsatzes wurden im vergangenen Jahr mit Wirtschaftsprüfung erwirtschaftet Deutschlandweit sind 7205 Menschen für Ernst & Young tätig, im Jahr 2011 waren es noch 6903, die Gesamtzahl der Mitarbeiter liegt bei 7389.
Foto: REUTERSPlatz 2: KPMG AG
Die Gesellschaft setzte 2012 mehr als 1,3 Milliarden Euro um. Das sind fast 9 Prozent mehr als im Vorjahr. Rund 46 Prozent erwirtschaftete KPMG mit Wirtschaftsprüfungen. Zum Gewinn macht das Unternehmen keine Angaben. Aktuell beschäftigt KPMG gut 8.600 Mitarbeiter. Zu den Kunden gehören unter anderem die Deutsche Bank.
Anmerkung: inkl. Rechtsberatung und Übernahme BrainNet 07/2012
Foto: APPlatz 1: PWC AG
PwC setzte 2012 rund 1,5 Milliarden Euro um und ist damit die größte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Deutschland. Knapp die Hälfte der Umsatzes kamen durch Wirtschaftsprüfungen zustande. PwC konnte den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um gut vier Prozent steigern. Derzeit beschäftigt das Unternehmen in Deutschland 9.300 Mitarbeiter.
Foto: dpa
Platz 6: Rödl & Partner
In Deutschland machten die Nürnberger im Geschäftsjahr 2012 einen Umsatz von knapp 154 Millionen Euro. Ein Drittel davon erwirtschaftete die Gesellschaft mit Wirtschaftsprüfungen.* Weltweit setzten Rödl & Partner 281,3 Millionen Euro um - und damit rund 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Zum Gewinn macht das Unternehmen keine Angaben. 3.500 Menschen sind bei Rödl & Partner beschäftigt.
* Rest der Umsätze: Steuer-, Rechts- und Unternehmensberatung
Foto: PressePlatz 5: BDO
Das Hamburger Unternehmen setzte 2012 in Deutschland fast 192 Millionen Euro um und liegt damit leicht über Vorjahresniveau. BDO beschäftigt 1600 Mitarbeiter.
Foto: ScreenshotPlatz 4: Deloitte
Mit einem Umsatz von 657 Millionen Euro im Jahr 2012 hat sich Deloitte gegenüber dem Vorjahr um fast 6 Prozent gesteigert. 37 Prozent des Umsatzes macht das Geschäft mit Wirtschaftsprüfungen aus. Im Geschäftsjahr 2011/2012 fuhr Deloitte einen Gewinn von 13,9 Millionen Euro ein (Vorjahr: 12,5). Für das Düsseldorfer Unternehmen arbeiten mehr als 4.800 Menschen.
Foto: WirtschaftsWochePlatz 3: Ernst & Young
Mit einem Umsatz von rund 1,2 Milliarden Euro schaffen es Ernst & Young auf den dritten Platz im Ranking. Gut 40 Prozent des Umsatzes wurden im vergangenen Jahr mit Wirtschaftsprüfung erwirtschaftet. Die GmbH beschäftigt in Deutschland mehr als 7.200 Mitarbeiter.
Foto: dapdPlatz 2: KPMG
Die Gesellschaft setzte 2012 mehr als 1,3 Milliarden Euro um. Das sind fast 9 Prozent mehr als im Vorjahr. Rund 46 Prozent erwirtschaftete KPMG mit Wirtschaftsprüfungen. Zum Gewinn macht das Unternehmen keine Angaben. Aktuell beschäftigt KPMG gut 8.600 Mitarbeiter. Zu den Kunden gehören unter anderem die Deutsche Bank.
Foto: APPlatz 1: PricewaterhouseCoopers
PwC setzte 2012 rund 1,5 Milliarden Euro um und ist damit die größte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Deutschland. Knapp die Hälfte der Umsatzes kamen durch Wirtschaftsprüfungen zustande. PwC konnte den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um gut vier Prozent steigern. Derzeit beschäftigt das Unternehmen in Deutschland 9.300 Mitarbeiter.
Foto: dpa
Strategisch relevante Lösungen finden und denken wie ein Unternehmer: Diese Kernkompetenzen erwarten deutsche Unternehmen heute von ihren Wirtschaftsprüfern – das bestätigt auch eine Exklusivumfrage des Hamburger Marktforschungsinstituts Faktenkontor, die im Auftrag der WirtschaftsWoche Deutschlands beste Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften eruiert hat. Ermittelt nicht über das Bauchgefühl einer willkürlich zusammengesetzten Jury, sondern anhand des Urteils derer, die die Qualität aufgrund ihrer Erfahrung in der täglichen Zusammenarbeit am besten beurteilen können: der beauftragenden Unternehmen. 156 Entscheider großer und mittelständischer Unternehmen aller Branchen wurden unter anderem gefragt, welche dieser Berater sie kennen, für renommiert halten, am häufigsten beauftragen und weiterempfehlen würden. Und auf welche Anforderungen sie bei der Auftragsvergabe besonderen Wert legen.
Das Ergebnis: Kunden erwarten von ihren Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern neben qualitativ hochwertiger Arbeit vor allem Branchen-Know-how und hohes Renommee.
Den besten Ruf in den Chefetagen deutscher Unternehmen genießen Ernst & Young, die seit 1. Juli weltweit als EY firmieren. „EY geht an Themen sehr pragmatisch heran und beschäftigt Mitarbeiter, deren fachliche Kompetenz führend ist“, sagt Stefan Wolf, Vorstandsvorsitzender des Automobilzulieferers Elring Klinger, der EY als Abschlussprüfer für den weltweit agierenden Konzern engagiert hat. „Sie bringen ein gutes Verständnis dafür mit, was aus Sicht des Mandanten wesentlich ist – und das bei Berücksichtigung aller rechtlichen Vorgaben.“
Hinter den Branchenriesen EY und KPMG aber drängen vermeintlich kleine Konkurrenten nach vorn: Mittelständler, die sich durch die hohe Qualität ihrer Dienstleistungen einen exzellenten Ruf im Kreis der Auftraggeber erarbeitet haben.
Mit mehr als 650 Mitarbeitern, darunter 200 Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Rechtsanwälte, zählt etwa RoeverBroennerSusat noch nicht zu den Dickschiffen der Branche, hat sich aber über mehrere Zusammenschlüsse in den vergangenen Jahren zu einer beachtlichen Branchengröße entwickelt. Auch RBS landete im Image-Ranking auf Platz zwei, genauso wie die mittelständische Beratung TPW Todt & Partner aus Hamburg. Die Kanzlei beschäftigt 270 Mitarbeiter und gilt als ausgewiesene Branchenspezialistin für die maritime Wirtschaft und kapitalmarktnahe Beratung bei geschlossenen Fonds. Auf der Kundenliste finden sich die größten Reedereien Deutschlands genauso wie börsennotierte Emissionshäuser und Baustoffhändler bis hin zum erfolgreichen Musikproduzenten und Sänger.
Welche Fähigkeiten Unternehmen bei ihren Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern vermissen, in Prozent (Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)
Foto: Faktenkontor
Bei den Auftraggebern punkten konnte auch die mittelständische Kanzlei DHPG. Vor mehr als 60 Jahren in Bonn als Einzelkanzlei gegründet, gehört das Haus mit mehr als 400 Mitarbeitern heute zu den 15 größten Prüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften hierzulande. Die DHPG berät ihre Mandanten im Rechnungswesen und in Steuerfragen, unterstützt bei Unternehmenskäufen und -verkäufen sowie in erb- und gesellschaftsrechtlichen Fragen.
„Unsere Kunden haben einen Ansprechpartner, der sich kümmert, und nicht 20 verschiedene Kontakte auf der Liste, die durchtelefoniert werden müssen“, sagt Norbert Neu, Sprecher der DHPG-Geschäftsführung.
Als Chairman des zehntgrößten internationalen Wirtschaftsprüfer- und Steuerberaternetzwerks Nexia steht er weltweit mit mehr als 20.000 Kollegen in mehr als 100 Ländern in Kontakt. Davon profitierte etwa Jochen Kienbaum. Der Chef der gleichnamigen Personal- und Managementberatung vertraut seit Jahrzehnten auf die inhabergeführte Kanzlei. „DHPG berät, denkt und handelt unternehmerisch“, sagt Kienbaum, „das gefällt mir.“
So genügte im Dezember 2012 ein Anruf, als Kienbaum auf die Schnelle sein neues Büro in Kalifornien gründete: „In Windeseile hatten wir Kontakt zu einem Kollegen aus dem Nexia-Netzwerk, der in Los Angeles binnen einer Woche unsere neue Gesellschaft an den Start brachte“, erinnert sich Volker Schröder, Finanzvorstand der Kienbaum Gruppe.
Auch Peter, 69, und Jan-Peter Albers, 37, aus Meldorf in Schleswig-Holstein setzten bewusst auf eine mittelständische Kanzlei, als es im letzten Jahr darum ging, im Zuge der Unternehmensnachfolge die Anteile am Mittelständler Aldra, der Fenster und Türen herstellt sowie Solarsysteme vertreibt, vom Senior auf die nächste Generation zu übertragen und das Vermögen der Unternehmerfamilie Schritt für Schritt umzuschichten. „Die Nachfolge zu regeln ist ein sehr emotionales und sensibles Thema“, sagt Jan-Peter Albers, der bereits seit 2007 als einer von drei Geschäftsführern die Geschicke des 230-Mann-Betriebs lenkt.
Jens Scharfenberg von der Hamburger Kanzlei MDS Möhrle hat offenbar Gespür genug für solche sensiblen Konstellationen. Wohl auch, weil 4 der 26 Partner der seit 1928 bestehenden Kanzlei mit ihren 260 Mitarbeitern Nachfahren der Kanzleigründer sind. „Hohe Mandantenorientierung, Verlässlichkeit, Nachhaltigkeit und die Offenheit, auch Fehler zuzulassen und dadurch gemeinsam beheben zu können, prägen unsere Firmenkultur bis heute“, sagt MDS-Möhrle-Partner Matthias Linnenkugel, der unter anderem Versandhändler Otto zu seinen Kunden zählt.
„MDS Möhrle hat den für uns passenden Weg herausgearbeitet“, bestätigen Vater und Sohn Albers. „Wir schätzen das Know-how der Kanzlei auch bei anderen Themen, die Zusammenarbeit ist vertrauensvoll und zuverlässig.“