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Berühmte letzte Worte

Die Einsamkeit des Privatpatienten

Niemals hätte ich auf mein Einzelzimmer verzichtet, hätte man mich nicht vor die Wahl zwischen einem Buffet und meinen ÄrztInnen gestellt.

Raus aus der Comfort-Zone Quelle: dpa

Nachdem ich spätabends auf der Krebsstation meine behandelnden ÄrztInnen kennengelernt hatte, eröffnete man mir, ich käme am nächsten Morgen rüber auf die Privatstation. Da gäbe es u.a. Buffet-Verpflegung.

Ich antwortete trocken und endgültig: "Sorry Freunde, ich bin nicht wegen des Buffets hier!". Ohne Worte.
Ich blieb bei meinem ÄrztInnenteam und lernte u.a. Sergiy kennen, der später an seinem Krebs starb.

Monate später, im April 2013, schrieb ich die folgenden Zeilen (für diese Kolumne komplett überarbeitet) als Antwort auf die Frage eines Pflegers, warum ich nicht wie die anderen Manager auf der Privatstation läge:

Die Krebsstation ist eine wundervolle Melange unterschiedlichster Menschen und Schichten, gefangen für einen schier unendlichen Moment an der Schnittstelle zwischen Leben und Tod.

Doch selbst dort, am vorläufigen Ende unseres bisherigen Lebens, wehren wir uns, Kontakt aufzunehmen mit dem Ungewohnten, Fremden, Unbekannten. Auch mit dem Fremden (ja, doppeldeutig) und Unbekannten in uns selbst.

Wehren uns, den Schritt hinaus zu wagen aus unserer Comfort Zone des vermeintlich guten Geschmackes, der antiseptischen Katalog-, Reader's-Digest-, AD-Kultur, die uns Sicherheit geben soll, und doch nur unsere unendliche Unsicherheit kaschiert.

Scheuen uns, statt die Chance zu nutzen, unseren Horizont zu erweitern, Menschen jenseits unserer Schicht, Einkommensklasse, Interessen kennenzulernen. Uns einzulassen auf die Vielfalt des Lebens, der Möglichkeiten und Persönlichkeiten um uns herum.

Verweigern uns, statt den simplen Schritt vom Ein- in das Zweibettzimmer zu wagen. Uns zu öffnen dem Zufall, dem Donner und den Blitzen der Nähe des Anderen, seinen Eigenarten, seinem Charakter, seinem immensen, mentalen Wohlstand, den er unserem Leben hinzuaddieren kann - und wir seinem. So wir beides denn zulassen. Vice versa.

Eine verdammt nochmal aus den falschen Gründen kulturell anerzogene Scheu ist es wohl, die uns keine Empathie (mehr) empfinden lässt, keine Nächstenliebe und nicht diesen innersten Wunsch zu helfen. Eine Gleichgültigkeit, die uns einfach unser kleines, besch***, isoliertes, über alle Maßen überschätztes Leben leben lässt. Unreflektiert und materiell argumentiert von denen, die uns dies in Erziehung, Schule, Studium als Karriere, Erfolg, Lebensziel definierten.

Was den neuen Manager ausmacht

Die besten Manager der Welt
Facebook-Chef Mark Zuckerberg ist einer von acht CEOs, die es neu auf die Liste geschafft haben. Zuckerberg hat einen Social-Media-Riesen geschaffen, der unlängst die Marke von einer Milliarde Nutzer knackte. Verschiedene Werbeformate sollen Facebook nun zur Gewinnmaschine machen. Der Marktwert des Unternehmens nähert sich 200 Milliarden Dollar. Quelle: WSJ Quelle: REUTERS
Lenovos CEO Yang Yuanqing machte die Firma zum größten PC-Hersteller der Welt. Der Konzern verbucht Umsätze um die 37 Milliarden Dollar. Lenovo kaufte vor kurzem die Server-Sparte von IBM und die Motorola-Sparte von Google. So will Lenovo künftig auf dem heiß umkämpften Smartphone-Markt angreifen. Quelle: REUTERS
Howard Schultz ist der CEO von Starbucks. Die Kaffeekette leitet er seit 1985, seitdem expandierte er massiv. Das Unternehmen hat mittlerweile weltweit rund 20.000 Filialen, die jährlich insgesamt etwa 15 Milliarden Dollar umsetzen. Quelle: REUTERS
Google-CEO Larry Page gründete den IT-Giganten einst zusammen mit Sergey Brin. Der Konzern kann jährlich ein Wachstum von Werbeeinnahmen und Gewinnen im zweistelligen Prozentbereich vorweisen. Quelle: REUTERS
Michael O'Leary ist der Chef des Billigfliegers Ryanair. Die Fluggesellschaft ist gemessen an Passagierzahlen die größte Europas. Umsatz und Gewinn stiegen 2013 so um jeweils 13 Prozent. Quelle: dpa
TJX Companies wird von Carol Meyrowitz geleitet. Seit sie an der Spitze des Handelskonzerns steht, konnten die Umsätze um 60 Prozent auf rund 27 Milliarden Dollar gesteigert werden. Quelle: Getty Images
Platz 6: John C. Martin, Gilead Sciences

Was nur haben wir falsch gemacht. In den letzten 68 Jahren - und seit '68. Was nur muss geschehen, damit wir uns nicht länger alleine besser fühlen als mit Un/Gleichgesinnten, die unser Leben, unsere Hirne und Horizonte verunordnen (im positivsten Sinne) könnten.

Was nur muss geschehen, damit wir endlich begreifen, dass wir gar nicht das Maß aller Dinge sind.

Was nur muss geschehen, damit wir keine Angst mehr haben vor einem 35-jährigen Turmspringer mit 5.000 Büchern. Einem Metzger mit angeschlossenem Feinkostfachgeschäft, der seine zu schlachtenden Kühe noch selbst beim Bauern auswählt. Einem Heilpraktiker. Einem AIDS-kranken Fortuna-Fan, der endlich seine Hartz-IV-Vergangenheit hinter sich lassen will. Einem Photographen. Einem Rentner, der nach der Therapie zu seinen Kindern zieht. Einer Putzhilfe der Klinik, die weiß, dass erst in der Krankheit sich der wahre Charakter des Menschen zeigt.

Was nur muss geschehen, damit wir wieder auf unsere Nächsten zugehen. Mit ihnen teilen. Den Schwächeren helfen, statt sie zur bloßen Statistik zu degradieren.

Was nur muss geschehen, damit wir endlich wieder ein Leben MIT unseren Nächsten und nicht GEGEN sie leben.

Was nur muss geschehen, damit wir verstehen, dass geheuchelte Freundschaft keine ist, wie ich in meiner ersten 'Berühmte letzte Worte'-Kolumne schrieb.

Was nur muss geschehen, damit wir verstehen, dass wir als Menschen und als Manager nur wirklich erfolgreich sein können, wenn wir den Menschen wieder in den Mittelpunkt stellen. Das Individuum. Seine Träume, Ängste, Sehnsüchte.

Warum leben wir nicht einfach 24/7, was den neuen Manager ausmacht: Offenheit, Toleranz, Empathie, Respekt, Gemeinschaft, statt Gefolgschaft. Saugen Menschen, Gedanken, Universen, Sprachen, Bräuche und Kulturen wissbegierig auf.

Woher sonst sollen sie kommen die Ideen, die Innovationen, wenn nicht aus dem Mitmenschen selbst, der Kommunikation und Interaktion mit ihm.

Woher sonst soll er kommen, der Initialfunke des Neuen, wenn nicht aus der Reibung an und mit dem Nachbarn, Mitreisenden, Mitleidenden.

In Arbeit
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Das letzte Abenteuer, die letzte Herausforderung, die wahre Grenzerfahrung ist das Zusammenleben mit einem Unbekannten gleichen Schicksals auf engstem Raum.

Vielleicht auch unsere letzte Chance. Wieder Mensch zu werden. Ganz so wie wir es in der Kindheit waren.

In der Kindheit, in der wir uns noch nicht um Farben, Formen, Länder und Schichten scherten, sondern nur den spannenden Menschen im Gegenüber sehen. Als Neugier und der Wunsch zu lernen, Grenzen hinauszuschieben und zu wachsen unser Leben bestimmte und tagtäglich zum Bersten erfüllte.

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