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Berühmte letzte Worte

Microsoft, Bahn: Visionen? Ab zum Arzt!

Managementgeführte Konzerne wie Microsoft oder die Deutsche Bahn schicken Visionäre lieber zum Arzt, als sich den Horizont erweitern zu lassen. Ein gefährlicher Irrweg.

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Größenwahn statt großen Visionen. Die deutsche Bahn tritt uninspirierend und leidenschaftslos auf Quelle: dpa

Den Marktanteil einer Zahncreme um drei Prozent zu steigern, oder den Profit eines Energiekonzerns, ist keine Vision.
Wie aber soll man das einem Management klarmachen, das nichts anderes gelernt hat? Und sich auch für nichts anderes interessiert?

Vision in ihrer einfachsten Form bedeutet: 'Ich sehe'. 'Ich sehe eine bessere Zukunft, eine sauberere, gesündere, effektivere Energie, Mobilität, Ernährung, Medizin, Kommunikation'. Oder so ähnlich. 'Diese Vision will ich gemeinsam mit anderen verwirklichen. Deshalb wurde das Unternehmen gegründet'.

Menschen gehören in den Mittelpunkt des Unternehmens, nicht Profit oder Marktanteil. Letztere sind nur Mittel zum Zweck, den Menschen inspirierend voranzugehen und ihnen damit wahrhaft zu nutzen.

Die größten Pannen der Deutschen Bahn
Juli 2015Wegen der großen Hitze sind die Luftkühlungen mehrerer IC-Züge ausgefallen. Anders als im Sommer 2010 reagierte die Bahn diesmal schnell: Sie stellte für die besonders betroffene Linie Berlin-Amsterdam zwei Ersatzzüge bereit. Sie sollen eingesetzt werden, wenn die Luftkühlung in anderen IC auf der Strecke versagt, wie ein Sprecher mitteilte. Außerdem wurden in Osnabrück mehrere Busse stationiert. Dort mussten insgesamt mehrere Hundert Fahrgäste in nachfolgende Züge umsteigen, weil in ihren Zügen die Klimaanlage ausgefallen war. Es habe aber kein Fahrgast gesundheitliche Probleme bekommen, so der Sprecher. Bei etwa einem Dutzend älterer Intercitys auf der Linie Berlin-Amsterdam hatten die Klimaanlagen ihre Arbeit eingestellt. Quelle: dpa
Oktober 2014Ein Warnhinweis sorgt für Lacher, Spott und eine Entschuldigung der Deutschen Bahn: „Cannstatter Wasen: Es ist mit Verspätungen, überfüllten Zügen und verhaltensgestörten Personen zu rechnen“ ist am Samstag auf den Anzeigetafeln an mehreren Bahnhöfen in der Region Stuttgart zu lesen gewesen, wo das Volksfest an seinem letzten Wochenende in diesem Jahr wieder Tausende Besucher anlockte. „Wir entschuldigen uns dafür“, sagte eine Bahn-Sprecherin am Sonntag und bestätigte Online-Berichte der „Stuttgarter Nachrichten“ und der „Stuttgarter Zeitung“. Ein Mitarbeiter habe den Text entgegen aller Vorgaben verfasst. Er werde Anfang der Woche zum Rapport bestellt. Dann solle auch der gesamte Vorgang aufgeklärt werden. Quelle: dpa
August 2013Ein ungewöhnlich hoher Krankenstand in der Urlaubszeit sorgte im August 2013 für ein Fahrplanchaos am Mainzer Hauptbahnhof - und für massiven Ärger bei den Fahrgästen. Die Deutsche Bahn hat für das Chaos am Mainzer Hauptbahnhof wegen massiver Personalprobleme auf Facebook um Entschuldigung gebeten. „Für die derzeitigen Einschränkungen möchte ich mich entschuldigen“, antwortete ein Mitarbeiter in dem Sozialen Netzwerk auf Beschwerden einer Nutzerin. Die Situation sei „wahrlich nicht schön“. Quelle: dpa
August 2013Um dem Problem der häufig verstopften und verdreckten Zugtoiletten Herr zu werden, setzt die Bahn ab sofort neue Reinigungskräfte, sogenannte Unterwegsreiniger, in ICE-Zügen ein. Die Reinigungskolonne, die auf der Fahrt die Toiletten putzt, wird um 50 Beschäftigte auf 250 aufgestockt, wie der Vorstandsvorsitzende DB Fernverkehr, Berthold Huber, ankündigte. Die Mitarbeiter sollen zugleich stärker entsprechend der Zugauslastung eingesetzt werden. Damit würden die Toiletten in besonders gefragten Bahnen mindestens zweimal und damit doppelt so oft auf der Fahrt gereinigt wie bisher. Der Fahrgastverband Pro Bahn und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) lobten die Initiative, wiesen aber zugleich auf andere Probleme hin. „Neben den kaputten oder dreckigen Toiletten gibt es tagtägliche Kundenbeschwerden vor allem über die Klimaanlagen und Verspätungen“, sagte Pro-Bahn-Bundessprecher Gerd Aschoff. Und das sind nicht die einzigen Pannen der Deutschen Bahn... Quelle: dpa
November 2011Nach der persönlichen Anmeldung im neuen elektronischen Ticketsystem „Touch & Travel“ waren für nachfolgende Nutzer die Kundendaten sichtbar. Quelle: dpa
Juli 2010Am einem Wochenende fallen in mehreren ICE-Zügen die Klimaanlagen aus. Fahrgäste kollabierten, Schüler mussten dehydriert ins Krankenhaus eingeliefert werden. Im Zuge der Panne wurde bekannt, dass die Klimaanlagen der Bahn nur bis 32 Grad funktionieren. Damals fielen in Dutzenden Zügen die Klimaanlagen aus. Quelle: dpa
April 2010 - ICE verliert TürBei voller Fahrt verliert ein ICE auf dem Weg von Amsterdam nach Basel eine Tür. Das Stahlteil schlägt in einen entgegenkommenden ICE ein. Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Frankfurt und Köln werden sechs Menschen leicht verletzt. Ursache für den Unfall ist eine lose Stellmutter an der Verriegelung. Foto: dpa


Bahn: Größenwahn statt Vision
Nach dem Mainzer Bahnchaos dachte ich, dies rühre daher, dass weder Grube noch Vorgänger Mehdorn den Auftrag der Bahn wirklich verstanden haben.

Das Leitbild der Bahn bestätigt nun meinen Eindruck. Es "beschreibt die Mission, die Vision und die Werte des DB-Konzerns und gibt Antworten auf die zentralen Leitfragen":
"Wer sind wir?
Wir sind ein weltweit führendes Mobilitäts- und Logistikunternehmen.
Was ist unser Ziel?
Wir werden das weltweit führende Mobilitäts- und Logistikunternehmen."

Profane Größe als Identifikation? No way. Schlimmer noch: Profane Größe als Vision. Wie uninspirierend. Emotions- und leidenschaftslos.

Hätten Mehdorn und Grube visionäres Potential, hätten sie den Menschen in den Mittelpunkt gestellt. Hätten sie verstanden, das Personentransport eine individuelle Dienstleistung ist. Dann wären sie kein abgehobenes "weltweit führendes Mobilitäts- und Logistikunternehmen", sondern ein Dienstleister nah am Menschen. Dadurch würde sich alles ändern.

Der ganze Laden wäre auf den Kopf gestellt, hätte man Mittel und Zweck nicht verdreht. Denn heute sind die Menschen Mittel zum Zwecke der Bahn, die Größten zu werden: "Wie machen wir das?
... Wir stellen unsere Kunden und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt des Handelns, ..."

Umgekehrt wird ein Schuh draus. In einer relevanten Vision wäre die Problemlösung des Einzelnen das Ziel, nicht der Größenwahn des Vorstandes. Züge wären pünktlich. Die Preise unter denen der Airlines. Toiletten und Klimaanlagen funktionierten. Die Bahnhöfe wären sicher und sauber. Die Mitarbeiter zuvorkommend.


Microsoft: Number Crunching statt Vision

Die größten Idole der Manager
Rang 10: Welche Führungspersönlichkeiten am meisten bewundert werden, hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC insgesamt 1473 Firmenchefs in 68 Ländern gefragt. Der französische Kaiser Napoleon I. schafft es auf Rang 10 und wurde gleichhäufig angeführt wie ... Quelle: rtr
... der ehemalige US-Präsident Bill Clinton. Clinton amtierte von 1993 bis 2001 und schaffte es in einzelnen Jahren seiner Regierungszeit, einen Haushaltsüberschuss zu erzielen. Quelle: AP
Rang 9: Ein weiterer von insgesamt vier US-Präsidenten in der Auflistung ist John F. Kennedy. Der charismatische Regierungschefs war im Jahr 1963 in Dallas ermordet worden. In Erinnerung bleibt er unter anderem für seine Führung in der Kuba-Krise und die Förderung der US-Raumfahrtindustrie, die in der ersten Landung eines Menschen auf dem Mond gipfelte – wenn auch sechs Jahre nach seinem Tod erst. Quelle: AP
Rang 8: Mit seiner neoklassischen Wirtschaftspolitik („Reagonomics“) hatte der 40. Präsident der USA, Ronald Reagan (Bildmitte), das Land auf einen wirtschaftsliberalen Kurs gebracht. Das Vertrauen in die Kräfte des Marktes dürfte mit ein Grund dafür sein, dass er bei Managern gut gelitten ist. Quelle: dapd
Rang 7: Die britische Premierministerin Margaret Thatcher starb am 8. April 2013. Nach der Todesnachricht zeigte sich, wie gespalten die britische Bevölkerung immer noch zu ihrer radikalen Politik in den 1980er-Jahren steht. Ihre Führungskraft brachte ihr den Spitznamen „Eiserne Lady“ ein. Sie reformierte die Wirtschaft, was mit einem Niedergang der Stahlindustrie einherging, und liberalisierte die Finanzbranche. Quelle: rtr
Rang 6: Schauspieler Daniel Day-Lewis in der Rolle des Abraham Lincoln. Der ehemalige US-Präsident hatte das Land von 1861 bis 1865 geführt und nach der Abspaltung des Südens die Nordstaaten in den Bürgerkrieg geführt. Letztlich einigte er das Land wieder, auch wenn er die endgültige Kapitulation der Südstaaten Ende April 1865 nicht mehr erlebte. Lincoln wurde wenige Tage vorher ermordet. Quelle: dapd
Rang 5: „Neutron Jack“ schafft es in die Top 5 des Rankings. Der ehemalige Chef des Industriegiganten General Electric, Jack Welch, gilt als eherner Verfechter des „Shareholder Values“. Demnach muss eine Firma vor allem das Wohl der Aktionäre im Sinn haben und erreicht dann auch andere Ziele. Den Mischkonzern und Siemens-Rivalen baute er so auf, das ständig schwache Bereiche abgestoßen und wachstumsträchtige Konkurrenten hinzugekauft wurden. Quelle: rtr


In seiner Rücktrittsankündigung schreibt Steve Ballmer dieser Tage: "We have grown from $7.5 million to nearly $78 billion since I joined Microsoft, and we have grown from employing just over 30 people to almost 100,000."

Das klingt nach einem Erfolg, verschweigt jedoch, dass der Wert Microsofts von 600 Milliarden Dollar am ersten Tage Ballmers als CEO auf knapp 270 Milliarden am Tage vor seiner Rücktrittsankündigung eingebrochen ist.

In 14 Jahren den Wert des Unternehmens halbiert. Wie konnte das passieren? Kurzfristige Prioritäten und Visionslosigkeit:
"Ballmer’s good qualities, especially when it came to maximizing revenue and profits, were also his worst qualities, especially as the consumer market came to dominate computing. And, to Microsoft’s short-term benefit but long-term detriment, the incentives Microsoft gave its employees to achieve Ballmer’s aims choked out the sensitivity to truly understand what’s next."

Steve Jobs - eben Gründer und nicht nur Manager - formuliert dies 1996 so
"A lot of people in our industry haven’t had very diverse experiences. So they don’t have enough dots to connect, and they end up with very linear solutions without a broad perspective on the problem. The broader one’s understanding of the human experience, the better design we will have."

Was tun bei Visionslosigkeit?

Sollte also Ihr Unternehmen von einem Manager vom Schlage Grube oder Ballmer geführt werden, gehen Sie. Nicht zum Arzt, sondern in ein zukunftsfähiges, visionäres, ergo distinktives Unternehmen.

Oder machen Sie Ihrer Unzufriedenheit anders Luft und entwickeln Sie selbst die Vision. Tatsächlich benötigt man dazu allein Gesunden Menschenverstand:

1. Verstehen Sie den wahren Kern Ihres Unternehmens.
2. Stellen Sie Zahlen, Fakten, Forschung hintan.
3. Denken Sie ab jetzt primär langfristig.
4. Entwickeln Sie Ihre Intuition. Nicht allein für Ihre Branche, für die Welt.
5. Entwickeln Sie Empathie für die Menschen. 
6. Schulen Sie Ihre Mustererkennung. 'Connect the Dots'.
7. Keine Vision ohne individuellen Nutzen und Relevanz.

Übrigens: mit der richtigen Vision kommen Profite und Marktanteile und weltweite Dominanz (wenn es denn sein muss) ganz von allein!

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