Berühmte letzte Worte

"Stay hungry"? - alles Blödsinn!

Letzte Woche jährte sich Steve Jobs' Todestag zum zweiten Mal. Sein "Stay hungry!" wird vom Management so oft missverstanden wie Darwins 'Survival of the Fittest'.

Steve Jobs' Aufruf

"Bleibe hungrig! Bleibe verrückt!", Steve Jobs Aufforderung an die Stanford-Studenten und ihre Karriere, kann man nur falsch verstehen, oder?

1. Warum sollte ich hungrig bleiben? Aller Ziel ist doch fett und satt zu werden. Und ich soll hungrig bleiben?

2. Und warum 'verrückt bleiben'? Ich bin doch nicht verrückt. Vielleicht blöd wie der Mediamarkt, aber doch nicht verrückt. Das habe ich mir doch gerade abgewöhnt, um Karriere zu machen.

3. Ich konzentriere mich lieber auf hungrig: Egal, wie satt ich bin, ich werde immer noch mehr wollen. Auf Kosten all der anderen. Koste es, was es wolle. Ich bin schließlich der Stärkere. Hunger ist der beste Koch. Nur hungrig macht man wahre Karriere. Die Hungrigen fressen die Satten! Darwins Sieg des Stärkeren! Das ist schließlich Gesetz. Das ist nur vernünftig.

Mitnichten! Schade, dass wir immer nur das verstehen, was wir verstehen wollen. Dass wir immer nur den Weg des geringsten Widerstandes gehen. Dass wir niemals unsere Comfort Zone verlassen. Dass wir uns selbst etwas vormachen. Dass uns Instant Gratification das Wichtigste ist.

Natürlich setzt sich in der heutigen Wirtschaft kurzfristig der Stärkere durch. Weil sie vollkommen krank ist und den falschen Götzen folgt. 

Aber wenn wir als Mensch, Unternehmen, Land wahrhaft erfolgreich sein wollen, können wir nicht allein dem Geld folgen, sondern müssen unserem Denken und Handeln, unseren Produkten und Services wieder Sinn, Relevanz  für den Einzelnen geben. Dann kommt der Profit - im besten Sinne des Wortes - fast von alleine und vor allem nachhaltiger.

Natürlich ist es einfacher, Effizienz auf Teufel komm raus und auf Kosten der Menschen zu maximieren. Das ist zwar schön für den Bonus und die vordergründige Karriere, aber auch der Anfang vom Ende der Marke bzw. des Unternehmens.

Erfolg nach Effektivität

Die Geschichte von Apple
24.02.1955Steve Jobs wird in San Francisco geboren und von seiner Mutter Joanne Simpson zur Adoption freigegeben. Paul und Clara Jobs adoptieren das Baby. Quelle: dpa
1972Steve Jobs entdeckt am liberalen Reed College in Portland seine Liebe zu Design. Quelle: reuters
1974Der 19jährige Jobs heuert bei der Computerfirma Atari an, um Geld für eine Reise nach Indien zu verdienen. Auf seiner späteren Reise wird er zum Buddhisten und Veganer. Quelle: dpa
1976Gemeinsam mit Steve Wozniak (rechts) und Ronald Wayne gründet Steve Jobs am 1. Apri 1976 Apple Computer. Erster Geldgeber ist der ehemalige Intel-Manager Mike Markkula. Wayne steigt nach ein paar Wochen aus, weil Jobs angeblich mit vollen Händen das Geld ausgibt. Quelle: dpa
1977Apple stellt auf einer Computermesse den Heimcomputer Apple II vor. Im ersten Jahr werden 2500 Stück verkauft, im Folgejahr schon 8000 und darauf über 30.000 Exemplare. Quelle: AP
1978 - 1980Im Jahre 1978 wird Steve Jobs Tochter Lisa Brennan Jobs geboren. Zwei Jahre später geht Apple mit einem Jahresumsatz von 118 Millionen US-Dollar an die Börse und macht den 25jährigen Jobs zum Multimillionär mit einem Vermögen von rund 200 Millionen US-Dollar. Quelle: AP
1982 - 19841982 holt Jobs den deutschen Designer Hartmut Esslinger und sein Team nach Kalifornien, um das Aussehen der Apple Computer neu zu definieren. Der Apple Macintosh von 1984 ist seitdem ein Stück Designgeschichte. Quelle: dpa

Effizienz im Extrem erstickt Effektivität, Relevanz. Ben Thompson beschreibt das in 'If Steve Ballmer ran Apple' bildhaft so: "... under Ballmer, everyone at Apple would be working so hard, and be making so much money, both for themselves and for Apple’s shareholders, that they would ensure that Apple never again reinvents consumer computing. ... Apple would make more money, but they would slowly but surely become irrelevant. Just like Microsoft".

Steve Jobs ging es immer um Relevanz. Dass Apple damit schlecht fährt, kann man man nicht wirklich behaupten, oder?

"Stay hungry!" ist qualitativ gemeint, hungry nach dem Neuen. Neugierig, nicht geldgierig. Wissbegierig, nicht bonusgierig. Innovativ, nicht adaptiv. Vielfältig, nicht einfältig. Gestaltend, nicht verwaltend.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Um 'Survival of the Fittest' richtig zu verstehen, muss man das Konzept Evolution verstanden haben. Um "Stay hungry!" richtig zu verstehen, das Konzept Steve Jobs.

Im Grunde kann man im Sinne Darwins nur überleben - oder gar wachsen -, wenn man hungrig im Sinne Steve Jobs ist. Hungrig, die Grenzen hinauszuschieben, den Horizont zu erweitern. Hungrig, die Zukunft vorwegzunehmen - und damit diese erst zu gestalten. Hungrig, über sich selbst hinauszuwachsen. Allen voranzugehen. Die Menschen zu inspirieren und zu begeistern. Mitarbeiter, Kollegen und Kunden.

"Stay hungry!" - richtig verstanden - ist die Suche nach der verlorenen Relevanz in der heutigen Zeit.

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