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Beste Fabrik Die Werkstätten werden sauberer und schlauer

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2. Platz Rohde: & Schwarz

Werksleiter Johann Kraus (Mitte) hat mit seinem Team und Unterstützung aus der Konzernzentrale die Durchlaufzeiten drastisch reduziert Quelle: Christoph Busse für WirtschaftsWoche

Gute Jury-Bewertungen erhielt auch die Rohde & Schwarz-Niederlassung im niederbayrischen Teisnach. Das Familienunternehmen mit Hauptsitz in München produziert vor allem Rundfunksendetechnik sowie Messgeräte, mit denen Handyhersteller ihre Produkte vor der Auslieferung überprüfen. Funken die Handys fehlerfrei? Stören sie sich gegenseitig oder im Vorbeilaufen das Radio? Die Fabrik in der 3000-Seelen-Gemeinde, nur 30 Kilometer von der tschechischen Grenze entfernt, hat Werksleiter Johann Kraus komplett umgebaut. In den vergangenen vier Jahren wurden 90 Prozent aller Maschinen neu angeschafft oder an einen anderen Ort innerhalb der Hallen versetzt. Der Grund für diesen radikalen Umbau: Effizienz.

Das Zeugnis der Jury für Rohde & Schwarz

Bislang ging in Teisnach viel Zeit verloren, weil Staplerfahrer Teile zur Weiterverarbeitung über verschiedene Stockwerke hinweg transportieren mussten. Die Produktion der Rundfunksender war sogar über drei Hallen verstreut. Bei der Umgestaltung passten Kraus und sein Team die Anordnung der Maschinen dem Materialfluss an, um unnötige Transportwege zu vermeiden. Und siehe da, in den vergangenen fünf Jahren konnte die Rohde & Schwarz-Niederlassung in der bayrischen Provinz die durchschnittliche Durchlaufzeit der Produkte um mindestens 50 Prozent senken.

Und das, obwohl am Standort jährlich 30.000 verschiedene Teile produziert werden. Vom Gehäuse der Messgeräte über Leiterplatten bis hin zu Kleinstteilen aus Aluminium und Messing, die im µ-Bereich gefräst werden – Rohde & Schwarz ist sein eigener Zulieferer. „So können wir schneller reagieren, als wenn wir 100 Zulieferer koordinieren müssten“, sagt Werksleiter Kraus. Gerade auf dem sich rasant ändernden Mobilfunkmarkt ist eine solche Flexibilität ein deutlicher Wettbewerbsvorteil. Innovationen verbreiten sich dort im Monatstakt. Auch deshalb investiert Rohde & Schwarz 16 Prozent seines Umsatzes in die Erforschung und Entwicklung neuer Technik.

Doch Innovationen alleine reichen nicht aus. Gerade in ländlichen Gegenden wie dem Bayerischen Wald sind Fachkräfte bald schon Mangelware. Die Arbeitslosenquote im Landkreis Regen rund um Teisnach liegt aktuell bei 3,6 Prozent – und damit weit unter dem Bundesdurchschnitt.

Management



Doch auch diese Herausforderung kann Rohde & Schwarz bislang erfolgreich meistern. „Den Nachwuchs ziehen wir uns selbst heran“, sagt Werksleiter Kraus. Das Unternehmen übernehme praktisch alle Lehrlinge. Im vergangenen Geschäftsjahr investierte die Werksleitung eine Million Euro in die Weiterbildung der Mitarbeiter. Ein Jahr zuvor waren es noch deutlich weniger – nämlich 680.000 Euro. Wer Techniker oder gar Meister werden will, wird unterstützt. Auch Huchzermeier von der WHU bestätigt das positive Arbeitgeberimage von Rohde & Schwarz. „Vor allem das duale Studium kommt bei den jungen Menschen aus der Region gut an.“ Mittlerweile gibt es am Standort in Teisnach 18 angehende Ingenieure, die Kraus mit attraktiven Angeboten wie Kinderbetreuung und Lebensarbeitszeitkonten natürlich halten möchte.

Er selbst ist Rohde & Schwarz bislang treu geblieben. Der 47-Jährige hat schon seine Ausbildung zum Feinmechaniker im Werk in Teisnach absolviert. Das war vor 31 Jahren.

Auch BMW Leipzig will in den kommenden fünf Jahren für Führungskräfte aus der Region noch attraktiver werden und möglichst viele Frauen engagieren. Durch altersgerechte Fertigungsprozesse trägt BMW der demografischen Entwicklung Rechnung. Und hört auch hierbei auf die Mitarbeiter.

„Wir wollen hungrig bleiben“, sagt Werksleiter Erlacher, „und uns in Demut weiterentwickeln.“

Die nächsten Früchte dieser Einstellung werden Montagemeister Müller und seine Kollegen wohl schon im Laufe des Sommers ernten: Ein am Materialwagen befestigter Chip soll mit einem schon heute serienmäßig an der Karosserie angebrachten Sensor korrespondieren – und so automatisch die Mischung der Gummistopfen anzeigen, mit der die Arbeiter aus dem Team von Meister Jan Müller die Karosserie abdichten. „Das macht die Arbeit für die Kollegen noch einfacher“, sagt Meister Müller. „Und unsere Autos noch besser.“

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