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Betriebliches Gesundheitsmanagement Gesundheitsmanagement ist mehr als nur die Grippe-Impfung

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Gutes Gesundheitsmanagement bindet Fachkräfte

Weil es vielen Mitarbeitern schwer fällt, mit ihren Vorgesetzten über ihre Sorgen zu sprechen – nicht nur, wenn der Vorgesetzte selbst die Ursache der Sorgen ist –, engagieren größere Unternehmen externe Dienstleister. Die BTC AG, ein IT-Dienstleister aus Oldenburg mit 1600 Mitarbeitern, hat das Fürstenberg-Institut in Hamburg beauftragt. Das Institut hat eine kostenfreie Rufnummer geschaltet, wo sich BTC-Mitarbeiter unbegrenzt und kostenlos beraten lassen können, alle Kosten übernimmt BTC. Die Beratung ist streng anonym, der Vorgesetzte des Hilfesuchenden erfährt nichts von dem Anruf.

Die Themen, die in den Beratungen des Fürstenberg-Instituts zur Sprache kommen, drehen sich größtenteils um diese drei Themenfelder: Arbeitsplatz (Belastung, Teamkonflikte, Führungskonflikte), Psychische Gesundheit (Erschöpfung, Depression, Suizidgedanken), Familie (Trennung, finanzielle Probleme, Pflege). Marco Stender, Regionalleiter Nord beim Fürstenberg-Institut, rechnet damit, dass diese Themen auch in zehn Jahren wichtig bleiben – mit einer Zunahme von Suchterkrankungen wie der Smartphone-Sucht insbesondere bei jungen Mitarbeitern.

Diese Berufe machen krank
Ein Dozent der juristischen Fakultät begrüßt im Auditorium Maximum der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Erstsemester-Studenten Quelle: dpa/dpaweb
Ein Platzwart des FC St. Pauli bereitet den Rasen im Millerntor Stadion in Hamburg für das erste Heimspiel vor. Quelle: dpa
In der Papierfabrik der W. Hamburger AG überwacht ein Mitarbeiter das Abwickeln einer riesigen Papierrolle. Quelle: dpa
Eine Mitarbeiterin geht auf der Messe "CallCenter World 2009" vor einer Abbildung von drei in einem Callcenter arbeitende Figuren vorbei Quelle: dapd
In der Peene Stahl GmbH wird an einer Plasma-Autogen-Brenn-Schneidanlage gearbeitet. Quelle: ZB
Mulin Lin (l), Pflegeassistentin aus China, misst den Blutdruck der Rentnerin Margot Krüger im Seniorenzentrum der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Quelle: dpa
Ein CNC-Fräser prüft eine Aluminiumbaugruppe Quelle: dpa

Ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement ist für Stender der Schlüssel zur Bewältigung des demographischen Wandels. „Gesundheitsmanagement produziert keine Fachkräfte. Aber es hilft, Fachkräfte länger ans Unternehmen zu binden.“ Auch wenn die Fehlzeiten von Älteren höher seien als von Jungen, sei die Wertschätzung für Ältere gestiegen. Die Unternehmen hätten begriffen, dass sie sich das Wissen möglichst lange sichern und kontinuierlich auf die Jungen übertragen müssten. Damit ist Gesundheitsmanagement ein wichtiger Aspekt einer Unternehmensstrategie. Und es ist eine Führungsaufgabe, auf die Führungskräfte leider kaum vorbereitet sind.

Führungskräfte müssen beim Gesundheitsmanagement mitwirken

Das möchte beispielweise die Schott AG ändern. Glänzte der Mainzer Glashersteller vor fünf Jahren vor allem mit Erfolgen durch geringere Fehlzeiten von Schichtarbeitern oder bei der Suchtprävention insbesondere bei Mitarbeitern in der Produktion, hat das Gesundheitsmanagement in den letzten Jahren zunehmend auch die Führungskräfte unter seine Fittiche genommen. Ein Schulungstag zu „Führung und Gesundheit“ ist Pflicht. Nach anfänglicher Skepsis in der Zielgruppe werden die Folgeworkshops etwa zu psychischen Erkrankungen nun sehr gut angenommen. Die Führungskräfte lernen dort, Warnsignale bei Mitarbeitern zu erkennen, auch Ursachen, die aus dem privaten Umfeld kommen. Denn Probleme etwa durch den Tod eines Angehörigen oder eine Trennung legt ein Mitarbeiter nicht am Werkstor ab, sondern trägt sie als unsichtbare Bürde durch den Arbeitsalltag.

Führungskräfte dürfen und sollen sich aktiv um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter kümmern – und natürlich um ihre eigene, denn Burnout ist bei Managern auch bei Schott kein unbekanntes Thema. Ganzheitliches Gesundheitsmanagement, nennt das Margit Emmerich, seit 2003 Leiterin des betriebsärztlichen Dienstes sowie des Betrieblichen Gesundheitsmanagements bei Schott. Sie hat die Leadership-Trainings mit Gesundheitsbezug mit entwickelt.

Management



Eine weitere Initiative von Unternehmen und Betriebsrat ist der Arbeitskreis Demographie, der u.a. Maßnahmen zur Gesunderhaltung bis ins Rentenalter entwickeln soll. Emmerichs klare Botschaft: „Gesundheit im Alter fängt in jungen Jahren an.“ Ob ein Schichtarbeiter in 20 Jahren mit 67 in Rente gehen kann, entscheidet er durch sein Verhalten bereits heute, sogar in der Ausbildung der Lehrlinge ist Gesundheit schon ein Thema. Für die White-Collar-Angestellten gibt es nun ebenfalls Präventionsangebote zur Reduzierung von Belastung. Die Arbeitszeitentgrenzung durch die ständige digitale Erreichbarkeit oder das Arbeiten von Teams über mehrere Zeitzonen hinweg ist realistischerweise unumkehrbar. Neue Rezepte müssen also her, eines ist der Aufbau von Resilienz. Statt die Ursachen von Belastung zu beseitigen, hilft Resilienz, mit Belastungen besser umzugehen und mental gesund zu bleiben.

Für die Zukunft ist Margit Emmerich von Schott optimistisch. Bewerber würden nicht nur vermehrt nach Kitaplätzen und Vereinbarkeit von Familie und Beruf fragen: „Die Jüngeren haben das Thema Gesundheit zunehmend auf dem Schirm.“

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