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Bettina Röhl direkt

Ja, Managergehälter sind zu hoch!

Bettina Röhl Publizistin

Es herrscht das System der Managerführung, und dies herrscht relativ brutal. Wie aber ist die Leistung der Manager tatsächlich zu bewerten?

Manager verdienen zu viel. Quelle: dpa

Auf Bundeskanzler kann man nicht studieren. Auf Deutsche Bank- oder Daimler Benz-Chef kann man auch nicht studieren. "Macho Macho kannst net lernen, Macho Macho musst halt sein". Top-Manager muss man halt sein. So wie es für die Weltklassegouvernante Eliteausbildungsveranstaltungen gibt, gibt es zwar auch für Manager alle möglichen Kaderschmieden, aber deren Bedeutung hält sich durchaus in Grenzen. Die Dauerfrage der Gesellschaft, ob Top-Manager zu viel verdienen, gemeint ist, zu viel im Vergleich zu jenen, die sie "bemanagen", ist naturgemäß nicht leicht zu beantworten. Und es ist auch eine Frage des persönlichen sozialen Standortes wie man an die Bewertung der Angemessenheit von Managergehältern heran geht.

Früher war die Welt bekanntlich noch in Ordnung. Da gab es noch den berühmten Antagonismus zwischen Kapital und Arbeit. Heute sind die Bedeutung des Kapitals und der Arbeit zwar nicht geringer geworden, aber sowohl das Kapital als auch die Seite der Arbeit werden immer mehr und immer häufiger durch gedungene Manager vertreten. Unter dem Stichwort "Professionalisierung" findet eine Vermanagerung der Wirtschaft und der Gesellschaft statt. Ähnlich wie die Kaste der Juristen eine Inflationierung ihrer Gattung in der Wirtschaft ausgelöst hat, gilt dies auch für die Manager.  

So viel verdienten die Dax-Vorstände im Jahr 2013
Anshu Jain und Jürgen FitschenDas Beratungsunternehmen Towers-Watson hat für die Studie „Vorstandsvergütung im Dax 2013“ die Geschäftsberichte von drei Vierteln aller Dax-Unternehmen analysiert. Sie zeigt, wie das Einkommen deutscher Top-Manager im internationalen Vergleich einzuordnen ist. Nicht dabei ist unter anderem die Deutsche Bank, die ihren Bericht erst am 20. März 2014 vorlegte: Dem Führungsduo Anshu Jain/Jürgen Fitschen wurde das erste volle Geschäftsjahr an der Konzernspitze mit einem deutlichen Gehaltsplus auf jeweils rund 7,5 Millionen Euro versüßt. Quelle: dpa
Martin BlessingGanz anders als bei Jain und Fitschen sieht es bei Martin Blessing aus. Durch seinen Bonusverzicht kommt der Commerzbank-Vorstand lediglich auf ein Fixgehalt, welches bei 1,3 Millionen Euro im Jahr liegt. Damit ist Blessing der Geringverdiener im Dax. Quelle: dpa
Christoph FranzDer Vorstandsvorsitzende der Lufthansa AG, Christoph Franz, bekam 1,8 Millionen Euro an Direktvergütungen und ist damit der Geringverdiener im Dax. Im Schnitt verdienen die Vorstände der Dax 30 nämlich 5,3 Millionen Euro im Jahr. Quelle: dpa
Reinhard PlossDirekt darauf folgt mit 1,9 Millionen Euro der Vorstandsvorsitzender des Chipherstellers Infineon. "Der DAX setzt sich aus Unternehmen mit ganz unterschiedlichen Geschäftsmodellen, Branchen und Größen zusammen. Zu den größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland zählen etliche Firmen, die auch im internationalen Vergleich als ‚Schwergewichte‘ gelten können. Daher sind die teils großen Differenzen bei der Vorstandsvergütung nicht überraschend", erklärt Olaf Lang, Leiter des Beratungsbereichs „Talent & Rewards“ bei Towers Watson, das Ergebnis. Quelle: dpa
Norbert SteinerTrotz des schwierigen Jahres, das hinter K+S liegt, bekam der Vorstandsvorsitzende des Rohstoffkonzerns, Norbert Steiner, im vergangenen Jahr noch 2,1 Millionen Euro an Direktvergütungen. Der milde Winter hat dem Dünger- und Salzproduzenten im ersten Quartal einen kräftigen Umsatz- und Gewinnrückgang beschert. Quelle: dpa
Rice PowellFresenius hat das abgelaufene Geschäftsjahr mit dem höchsten Konzernergebnis der Unternehmensgeschichte abgeschlossen. Der Überschuss stieg um zwölf Prozent auf 1,05 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis von Fresenius Medical Care betrug rund 1,7 Milliarden Euro. Vorstandsvorsitzender Powell konnte sich deshalb über 2,3 Millionen Euro in der Lohntüte freuen. Quelle: dpa
Reto Francioni1,2 Millionen Euro mehr, nämlich insgesamt 3,5 Millionen Euro verdiente der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse, Reto Francioni, im letzten Jahr. Das EBIT der Deutschen Börse betrug 739 Millionen. Quelle: dpa

Wenn sich früher zwei Kaufleute, die in ihren Betrieben das Kapital, das Management und der erste Arbeitnehmer in einer Person waren, stritten, dann haben sie im Idealfall Streitigkeiten besprochen und diese irgendwie beigelegt. Als der erste Kaufmann zum Anwalt ging und sich beraten ließ, konnte der andere Kaufmann nicht mehr lange zögern. Auch er musste zum Anwalt gehen. Bald stellten die Kaufleute eigene Juristen ein, eigens zum Zwecke der Aufrüstung für den Fall streitiger Auseinandersetzungen mit Geschäftspartnern, die ihrerseits nachrüsteten. Heute ist eine Verrechtlichung und eine aufgeblasene Streitunkultur in der Wirtschaft Normal Null. Dies ist kein Plädoyer gegen Juristen, aber die kritische Feststellung, dass die Realität in der Wirtschaft so aussieht, dass neben dem operativen Geschäft längst eigentlich artfremde Produktionsbereiche in den Betrieben entstanden sind, die unerlässlich geworden sind, ohne dass es eigentlich eine Effizienzsteigerung gegeben hätte.

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