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Business-Englisch Warum viele sich mit Englisch schwertun – und was dabei herauskommt

Selbst, wer gut Englisch spricht, macht im Englischen oft Fehler Quelle: imago images

Das Verhältnis deutscher Muttersprachler zum Englischen ist nicht ganz komplikationsfrei. Viele machen Anfängerfehler beim Kontakt mit Geschäftspartnern. Gleichzeitig ver-denglischen sie ihre eigene Sprache.

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Eine Auswertung zeigte kürzlich, dass Deutsch-Muttersprachler häufig Probleme mit Business Englisch haben – selbst Standardkonstruktionen der Fremdsprache beherrschen sie nicht. Stehen Deutsche mit dem Englischen auf Kriegsfuß? Man könnte sagen: Ja, und nicht nur das. Auch ihre eigene Sprache beherrschen sie nicht immer fehlerfrei. Daran könnte ironischerweise das Englische eine Mitschuld haben.

„I am doing home office“ versteht kein Engländer auf Anhieb – außer, er hat öfter mit deutschen Geschäftspartnern zu tun. Gleichzeitig sagen Deutsche mittlerweile Sätze wie: „Ich bin fein damit“ (I’m fine with that) oder „das macht nicht wirklich Sinn“ (it doesn’t really make sense) oder „in 2019“. Das alles sind wortwörtlich übernommene und eingedeutschte Englisch-Redewendungen. Noch vor einigen Jahren hätte man wohl gesagt: „Das ist mir recht“, „das ergibt eigentlich keinen Sinn“ und „in diesem Jahr“ beziehungsweise „im Jahr 2019“.

Nun kann man sagen, Sprache lebt und entwickelt sich – und das ist auch gut so. Ob Meeting oder Besprechung, das englische Wort ist auch in den deutschen Wortschatz fest übergegangen. Andere Wendungen (siehe oben) bleiben – zumindest für Ohren im Jahr 2019 – noch gewöhnungsbedürftig. Maren Pauli, Sprachwissenschaftlerin der Sprachlern-App Babbel, hat eine einfache Erklärung für das sprachliche Kuddelmuddel: „Die Tendenz, Wörter und Wortwendungen zu übernehmen, ist vor allem in den multilingualen Kontexten vieler Unternehmen zu beobachten. In einigen ist die Geschäftssprache inzwischen Englisch, gleichzeitig arbeiten viele Deutsch-Muttersprachler dort. Da bleibt es nicht aus, dass man vom Deutschen etwas ins Englische überträgt, was andere aufgreifen – manchmal sogar die Englisch-Muttersprachler selbst.“

Beispiele hierfür gibt es zuhauf, die bekanntesten sind die sogenannten falschen Freunde: Handy, Beamer und Homeoffice klingen zwar englisch, haben im Englischen jedoch ganz andere Bezeichnungen, nämlich smartphone/mobile (phone), projector und working from home. Handy bedeutet im Englischen als Adjektiv einfach nur „handlich“, ein beamer meint für Briten gewöhnlich einen BMW, das home office ist eine Bezeichnung für das Innenministerium. „Homeoffice wird aber tatsächlich auch von Muttersprachlern schon benutzt“, sagt Pauli. Die deutschen Kollegen haben es ihnen beigebracht. „Über die Richtigkeit gibt es in dem Fall aber leidenschaftliche Diskussionen.“

„Interesting“ heißt nicht immer, dass etwas interessant ist

Die Kenntnis der richtigen Vokabeln schützt trotzdem nicht immer vor Missverständnissen. Wie bei jeder Sprache spielt auch noch eine kulturelle Komponente eine Rolle und wo die Wortwahl einheitlich ist, muss es die Interpretation noch lange nicht sein. „Viel Misskommunikation zwischen Deutschen und Englisch-Muttersprachlern geschieht als Folge der deutschen Direktheit“, sagt Maren Pauli. Soll heißen: Wir meinen was wir sagen in der Regel wörtlich – und gehen auch beim Gegenüber davon aus. Doch Vorsicht: Wenn ein Brite oder US-Amerikaner etwas interesting findet, drückt das weniger Begeisterung aus als Irritation. „Wenn der Geschäftspartner sagt: ‚Oh, that’s interesting‘, und der Deutsche freut sich: ‚Hey, der findet das interessant!‘ – aber eigentlich wollte der andere ausdrücken, dass er die Idee nicht so toll findet, dass sie es nicht wert ist, weiter verfolgt zu werden – dann entstehen häufig große Missverständnisse“, erklärt Pauli.

Englisch-Versager sind die Deutschen dennoch nicht. Ihr Problem ist eher die sprachliche Nähe zum Englischen, die das Erkennen von Fehlern manchmal verhindert. Mancher Fehler klingt für den Deutschen immer noch Englisch genug. „Viele grammatikalische Konstruktionen sind sehr ähnlich, viele Wörter fast gleich. Das macht es auf den ersten Blick sehr einfach, diese Sprache zu lernen. Aber gerade, wenn es dann Unterschiede gibt, sind Deutsch-Muttersprachler geneigt, sich so auszudrücken, wie sie es im Deutschen tun würden.“ Häufig passierten Fehler bei den Zeitformen. „Ich arbeite seit fünf Jahren bei xy“ oder „ich arbeite seit 2014 bei xy“ ist im Deutschen gleich gebildet. „Im Englischen gibt es since und for. Das geht bei Deutsch-Muttersprachlern leicht unter; sie müssen auf diesen Unterschied erst aufmerksam gemacht werden.“

Im Vorteil sind die, die mit einer Fremdsprache häufig in Kontakt kommen, auch außerhalb der Arbeit. Die Skandinavier etwa gelten als sehr gute Englischsprecher. „Das liegt daran, dass Filme in diesen Ländern nicht synchronisiert werden und dazu Untertitel zeigen.“ Dieser Sprachkontakt und das beiläufige Lernen fehlt den meisten Deutschen. „Viele Kinder in Deutschland haben erst in der dritten oder fünften Klasse Kontakt mit Englisch, während Kinder in Nachbarländern von klein auf englische Filme und Serien mitbekommen.“ Pauli sieht hier aber eine mögliche Trendwende auf uns zukommen: Auch bei jüngeren Leuten ist inzwischen üblicher und schick, Serien im Original zu schauen. Das könnte tatsächlich einen langfristigen Effekt haben.

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