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CEO des Jahres Die Erfolgsrezepte von Deutschlands besten Chefs

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Rang 1: Rupert Stadler

Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der Audi AG Quelle: dpa

„Die deutschen Unternehmen stehen seit der Wiedervereinigung unter einem enormen Produktivitätsdruck und haben seit der Finanzkrise ihre Hausaufgaben gemacht. Dafür ernten sie nun die Früchte“, sagt Obermatt-Chef Stern. „Gerade die exportorientierten Unternehmen waren in Deutschland im vergangenen Jahr sehr stark. Sie alle haben im Vergleich zu ihrer internationalen Konkurrenz hervorragend abgeschlossen.“

Das galt insbesondere für den diesjährigen Sieger Audi: Der Konzern mit den vier Ringen war 2011 in mehr als 100 Ländern weltweit aktiv. Besonders beliebt war die Flotte aus Ingolstadt im Reich der Mitte. Knapp 314.000 Autos verkaufte das Unternehmen in China. Das bedeutete nicht nur Rekord vor Ort, sondern auch eine historische Zäsur: Erstmals war nicht mehr die deutsche Heimat wichtigster Absatzmarkt für Audi, sondern China. Ein Grund für den Erfolg in Fernost: Während Audi früher vor allem als Lieferant von Staatskarossen bekannt war, leisten sich mittlerweile viele wohlhabende Privatkunden einen Audi.

Bauhaus auf vier Rädern

Die freuen sich einerseits über Spezifikationen wie Massagesitze im Fond oder eine Fernbedienung in der Mittelkonsole, mit denen Audi Wünschen chinesischer Kunden entgegenkommt. Andererseits gilt: „Wer einen Audi kauft, will auch unser typisches Design“, sagt Audi-Designchef Wolfgang Egger, mit 210 Mitarbeitern Hüter des Audi-Gestaltungskodex. Als „Bauhaus auf vier Rädern“ fasst er das Audi-Designprinzip zusammen. Soll heißen: Angelehnt an die berühmte deutsche Designschule der Zwanzigerjahre, setzt der Autobauer bei der Gestaltung durchgehend auf klare, reduzierte Optik, die nicht auf ästhetische Spielereien abzielt, sondern stets im Dienste der Technik steht und so „Emotionen schüren“ soll.

Dass das ankommt, zeigen Auszeichnungen etwa für den neuen Q3, den die Leser der „ADAC Motorwelt“ zum beliebtesten Automobil 2011 wählten. Oder der Red Dot Designpreis 2012 für das Modell A6 – auch Ausweis eines immer hochwertigeren Modellmix: So stieg der Umsatzanteil der Ober- und Luxusklasse mit den Modellreihen A6, A7, A8 und Q7 zwischen 2009 und 2011 von 25 auf 38 Prozent. Gleichzeitig baute Audi die Modellpalette mit dem A1 seit dem vergangenen Jahr auch in den unteren Segmenten weiter aus.

Die besten Chefs der Welt
Peter Löscher Quelle: dpa
Norbert Reithofer Quelle: REUTERS
Platz 10: Lew Frankfort ist seit 1995 CEO von Coach, im Unternehmen ist er seit mehr als dreißig Jahren. Er brachte die Firma von einem kleinen Lederfabrikanten zur Nummer eins der Accessoire-Hersteller in Amerika. Frankfort machte sich auch um die internationale Präsenz des Unternehmens verdient.
Platz 9: Laurence "Larry" Fink, seit 1988 CEO von BlackRock und baute den größten Vermögensverwalter der Welt auf. BlackRock vertreibt auch im deutschsprachigen Raum Investmentfonds an Privatanleger. Der 59-Jährige begann seine Karriere als Hypotheken-Händler.
Oracle CEO Larry Ellison Quelle: dapd
Jamie Dimon Quelle: dapd
Ed Clark (rechts) posiert mit Frank McKenna Quelle: AP

Ein Erfolg auch der konzernweiten Plattformstrategie, die auf weitestmöglicher Vereinheitlichung verwendeter Bauteile und Arbeitsschritte in den Audi-Fabriken weltweit fußt. Und so die permanente Optimierung von Kosten und Prozessen begünstigt. Die Folge: Herstellungs-, Vertriebs- und Verwaltungskosten stiegen 2011 weniger als der Umsatz.

Geld allein reicht nicht aus

Das zahlte sich nicht nur für den Vorstandschef aus – Stadler steigerte sein Gehalt 2011 um 73 Prozent auf 7,7 Millionen Euro. Auch die Mitarbeiter spürten das Rekordjahr im Portemonnaie: 8251 Euro Erfolgsprämie zahlte Audi jedem Mitarbeiter, im Schnitt sind das zwei Monatslöhne – so viel wie nie.

Doch mit Geld allein, das weiß auch Stadler, motiviert man auf Dauer niemanden zu Höchstleistungen: „Dazu gehört eine gute Marke mit emotionalen, anfassbaren Produkten, die jeder Mitarbeiter mit Begeisterung auch seiner Familie vorführen kann.“

Oder im Fernsehen bewundern: Viele Millionen Euro steckte Audi 2011 ins Marketing, unter anderem in einen Werbespot mit Vampiren, die den taghellen LED-Scheinwerfer zum Opfer fallen („So long, Vampires“). Damit will Audi Amerikaner für die Modelle mit den vier Ringen begeistern.

Vor allem aber ist der Premiumhersteller aus Ingolstadt in und um Deutschland aktiv – als Sponsor der Salzburger wie Bayreuther Festspiele, als Werbepartner bei spektakulären Abfahrtsrennen, Autorennen und Segelregatten. Und als Sponsor des FC Bayern München, dessen Fußballstars seit 2002 in den Limousinen und Sportflitzern des Ingolstädter Premiumherstellers öffentlich unterwegs sind. Damit die auch das richtige Image transportieren, achtet ein Audi-Mitarbeiter eigens darauf, dass die Wagen der Spieler auch immer tipptopp gepflegt sind. Und fordert Weltstars wie Franck Ribéry schon mal auf, doch die Bananenschale aus dem Fußraum zu entfernen oder mal wieder in die Waschanlage zu fahren.

Um Begehrlichkeiten des Erzrivalen BMW, der immer mal wieder beim deutschen Fußballkrösus an die Tür geklopft hat, im Keim zu ersticken, hat sich Audi mit zehn Prozent an Bayern München beteiligt und ist nun neben Adidas zweiter Gastaktionär der Roten. „Bayern und Audi, das passt“, sagt Stadler. „Auf diesen Imagetransfer wollen wir auch künftig nicht verzichten.“

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