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Dammanns Jobtalk

Das Ringen um die Frauenquote

Angelika Dammann Strategische Beraterin, Coach

Trotz aller Bemühungen ist der Frauenanteil in den Topetagen deutscher börsennotierter Unternehmen auch 2011 nur geringfügig gestiegen. Am 8. März – dem Weltfrauentag – will EU-Gleichstellungskommissarin Viviane Reding jetzt Bilanz ziehen – und droht erneut mit einer gesetzlichen Frauenquote. Wie schaffen wir es endlich zu einer größeren Geschlechtervielfalt in Deutschlands Führungsetagen?

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Bis mehr Frauen an der Spitze stehen, bedarf es noch einiger gesellschaftlicher Anstrengungen Quelle: Nyul - Fotolia.com

Die „geifernden Granden aus der Headhunter-Branche“ waren empört, als er sich für mehr weibliche Führungskräfte einsetzte, verriet Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Deutschen Telekom, kürzlich dem Magazin „Der Spiegel“. Bis heute spüre er die „subtilen Spitzen“ aus den Chefetagen.

Sattelbergers Rückblick auf das Jahr 2010, in dem er medienwirksam dem 246.000 Mitarbeiter zählenden Konzern eine Frauenquote von 30 Prozent im Management bis 2015 verordnete, zeigen, dass es im 21. Jahrhundert in Deutschland selbst für einen überaus erfahrenen wie streitbaren Personalvorstand wie Thomas Sattelberger, kein Spaziergang ist, Frauen auf ihrem Weg in die Führungsetagen zu unterstützen.

Die Diskussion um die Frauenquote hat die Personalarbeit beflügelt

Selbst wer die Frauenquote für den falschen Weg hält, muss feststellen, dass allein schon die Diskussion um ihre Einführung in den vergangenen zwei Jahren wichtige Impulse gesetzt hat. Seit 2010 ist in der öffentlichen Debatte um die Frage, wie mehr Frauen in Führungspositionen gelangen können, Einiges in Bewegung gekommen, wirklich große Fortschritte sind allerdings noch nicht gemacht worden.

Laut einer Umfrage der WirtschaftsWoche unter den 160 Unternehmen aus Dax, MDax, TecDax und SDax lehnten noch im Frühjahr 2010 84 Prozent der Unternehmen eine Frauenquote rigoros ab, die restlichen Unternehmen hatten sich noch nicht entschieden. Nach dem Quoten-Gipfel im März 2011, zu dem Bundesfamilienministerin Kristina Schröder die Chefs der Dax-30-Konzerne nach Berlin zitierte, legten sich die Dax-Konzerne im Laufe des Jahres auf selbstgesetzte, wenn auch recht unterschiedlich ambitionierte Zielvorgaben mit konkreten Zeitleisten fest.

Wo Frauen in deutschen Konzernen stehen
European Commissioner for Justice, Fundamental Rights and Citizenship Viviane Reding Quelle: dapd
Die Beine von Deutsche Bank-Mitarbeiterinnen, aufgenommen auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Festhalle in Frankfurt am Main Quelle: dapd
Frau an einem Fax-Gerät Quelle: Fotolia
Männer und Frauen verschiedenen Alters Quelle: Fotolia
zwei Frauen und zwei Männer in einem Meeting Quelle: Fotolia
Business-Meeting Quelle: Fotolia
Frau schaut in den Himmel Quelle: Fotolia

Frauen aus Wirtschaft, Politik und Kultur fordern Veränderungen

Mitte Dezember 2011 folgte dann die Berliner Erklärung – parteiübergreifend forderten in der Vorweihnachtszeit Parlamentarier aller fünf Bundestagsfraktionen gemeinsam mit Prominenten aus Wirtschaft, Politik und Kultur eine verbindliche Frauen-Mindestquote von 30 Prozent zunächst für Aufsichtsräte börsennotierter und öffentlicher Unternehmen.

Neben Thomas Sattelberger, Alice Schwarzer, Senta Berger, Maria Furtwängler, Steffi Jones, Friede Springer, Hannelore Kraft und Katrin Göring-Eckhardt unterzeichneten bis heute rund 13.000 weitere Politikerinnen, Unternehmerinnen, Managerinnen und Prominente diese Petition.

Von 2010 auf 2011 stieg der Anteil weiblicher Vorstände lediglich von 3 auf 3,4 Prozent

Sattelbergers Andeutungen über Sticheleien aus dem Kollegenkreis geben jedoch auch einen Hinweis darauf, warum sich in der Praxis, zumindest was die Besetzung von Toppositionen in Aufsichtsräten und Vorständen deutscher börsennotierter Unternehmen angeht –  seit 2010 weniger getan hat, als die zahllosen Medienberichte zum Thema Topmanagerinnen vielleicht erwarten ließen.

Im Januar 2012 waren 12,8 Prozent der Aufsichtsräte und 3,4 Prozent der Vorstände der 160 Dax, MDax, SDax und TecDax notierten Unternehmen weiblich –  das sind nur 2,8 beziehungsweise 0,4 Prozentpunkte mehr als Anfang 2011. Das ergab der Woman on Board-Index 2012 der Organisation „Frauen in die Aufsichtsräte“ (FidAR).

Deutschland rangiert auf dem vorletzten Platz

Die mächtigsten Frauen Deutschlands
Simone Bagel-Trah Quelle: dpa
Nicola Leibinger-Kammüller Quelle: AP
Hannelore Kraft Quelle: dpa
Friede Springer Quelle: AP
Maria-Elisabeth Schaeffler Quelle: AP
Anke Schäferkordt Quelle: dpa
Beate Baumann Quelle: dpa

Und nach der kürzlich veröffentlichten Studie von Mercer rangiert Deutschland im europäischen Vergleich der Besetzung von Führungspositionen mit Frauen insgesamt nur auf dem vorletzten Platz. Schlechter sind nur noch die Niederlande. Vor dem Hintergrund, dass Frauen über die Hälfte der Weltbevölkerung ausmachen, in Europa die Mehrheit der Universitätsabsolventen stellen und in der Regel auch die besseren Schulabschlüsse haben, ist dieses Ergebnis beschämend.

EU-Gleichstellungskommissarin droht weiter mit Gesetzesvorstoß

EU-Gleichstellungskommissarin Viviane Reding erinnerte deshalb Anfang Februar diesen Jahres bei einem Besuch in Berlin daran, dass sie sich im März 2011 mit den Vorstandschefs einiger großer europäischer Unternehmen getroffen und diese aufgefordert habe, bis März 2012 freiwillig für mehr Frauen in Aufsichtsräten zu sorgen. Als Zielmarke wurde ein Zweistufen-Plan aufgestellt: Eine 30-Prozent-Quote bis 2015 und eine 40 Prozent-Quote bis 2020.

Am 8. März – dem Weltfrauentag – will Reding nun Bilanz ziehen und ließ bereits durchblicken, dass sie mit dem Erreichten nicht zufrieden sein kann. Jetzt droht Reding erneut mit einer gesetzlich verbindlichen Vorgabe in der EU.

Mangelnde Qualität wird als Argument missbraucht

Gleichzeitig legte Sattelberger vor wenigen Tagen in seiner Kritik am Schneckentempo in den Chefetagen der Konzerne nach: „Ich habe schon so viele Besetzungsentscheidungen von Männern erlebt, die von minderer Qualität geprägt waren“, ließ sich der Telekom-Personalmanager von der Berliner Zeitung zitieren. „Immer wieder höre ich, Qualität setze sich auf lange Sicht durch. Nur warum treten wir dann seit 15 Jahren auf der Stelle?“

Dass es einfach noch Zeit brauche, damit Frauen auf die Funktionen in der Chefetage besser vorbereitet werden könnten, tat Sattelberger als „heuchlerisches Killerargument“ ab. In Deutschland gäbe es ein großes Reservoir an hochtalentierten Frauen und man sei auf allen Führungsebenen noch gar nicht an der Knappheitsgrenze angelangt.

Ob tatsächlich der Gesetzgeber mit einer starren Quote für mehr Bewegung in der Sache sorgen sollte, darüber lässt sich streiten. Unstrittig jedoch ist, dass vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung und des Fach- und Führungskräftemangels die Unternehmen vor einer Herausforderung stehen, die ohne Frauen nicht mehr zu bewältigen sein wird.

2010 zählte das Statistische Bundesamt nur noch 781.000 Schulabgänger und damit fast 20 Prozent weniger als 2005. Heute schon fehlen in Deutschland 100.000 Ingenieure. Bei den Erwerbstätigen sinkt die Zahl der unter 50-Jährigen bis 2020 jedes Jahr um 1,1 Prozent, die der über 50-Jährigen steigt jährlich um 1,8 Prozent. Angesichts dieser Fakten tun Unternehmen und Behörden gut daran, sich rechtzeitig als Organisation zu positionieren, die echte Vielfalt schätzt und fördert.

Unsere Gesellschaft muss sich von veralteten Rollenbildern verabschieden

Soll das Ziel, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen und dort auch zu halten, erreicht werden, so gilt es, massive Umdenk- und Umbauprozesse in drei Bereichen gleichermaßen anzustoßen:

  1. Unsere Gesellschaft muss sich von veralteten Rollenbildern verabschieden

Mehr Beschäftigung von Frauen und Älteren macht Unternehmen wie Volkswirtschaften stark, nicht schwächer. Das zeigt das Beispiel der skandinavischen Länder Norwegen, Schweden und Dänemark. Diese Länder verfügen allesamt über höhere Geburtenraten als Deutschland und eine geringe Jugendarbeitslosigkeit, nicht obwohl, sondern gerade weil sie die längsten Erwerbstätigkeits- und die höchsten Frauenquoten in der Beschäftigung in Europa vorzuweisen haben. Auch im Europäischen Ländervergleich für Frauen in Vorstands- u. Aufsichtsratspositionen liegen die skandinavischen Länder klar an der Spitze.

Mit dem Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft sind auf dem Arbeitsmarkt mehr denn je qualifizierte und gut ausgebildete Arbeitskräfte gefragt, auf deren Innovationspotential Unternehmen angewiesen sind. Da dürfen Geschlecht, Alter oder Nationalität keine Rolle spielen. Qualifizierte Fach- und Führungskräfte tragen mit ihrer Arbeit zum Wirtschaftswachstum bei und ziehen die Schaffung weiterer Arbeitsplätze nach sich.

Einzelne Beschäftigtengruppen gegeneinander auszuspielen, schwächt deshalb Volkswirtschaften mehr als es sie stärkt. In Deutschland jedoch folgten Politik und Wirtschaft lange Zeit der These „Wenn mehr Frauen ins Berufsleben drängen, werden die Arbeitsplätze für Männer knapp“ sowie der These „Die Alten müssen Platz machen für die Jungen“.

Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklungen wird es für die deutsche Volkswirtschaft jedoch zu kostspielig werden, an diesen Denkmustern weiter festzuhalten. Schließlich werden immer weniger Beschäftigte für immer mehr Rentner sorgen müssen. Statt Frauen und Männer im Wettbewerb um immer knapper werdende Jobs zu sehen, ist es wichtig, das produktive Potential von Frauen wie Männern gleichermaßen auszuschöpfen.

Damit aber Frauen wie Männer Familie und Beruf besser unter einen Hut bringen, muss die Politik dafür sorgen, dass flächendeckend ganztägige Betreuungmöglichkeiten für Kinder aller Altersstufen geschaffen werden. Und auch eine stärkere Wertschätzung von Berufstätigen, die Tag für Tag ihr Leben straff durchorganisieren – oft als Alleinerziehende durchorganisieren müssen, um beides – Familie und Beruf – unter einen Hut zu bringen, ist dringend notwendig.

Unternehmen und Behörden müssen frauen- und familienfreundlicher werden

Frauen gegen die Quote
Machtwort von Merkel Quelle: dpa
Angelika Dammann Quelle: Deniz Saylan für WirtschaftsWoche
Entwicklungsvorstand bei Opel Rita Forst Quelle: Axel Wirdemann
Ikea-Deutschland-Chefin Petra Hesser Quelle: Markus Hildebrand
Mitglied der Geschäftsleistung Microsoft Deutschland Angelika Gifford Quelle: dpa
Hauptgeschäftsführerin Gesatmetall Gabriele Sons
Vorstand bei E.On Regine Stachelhaus Quelle: ap

Kasper Rorsted, Chef des Konsumgüterherstellers Henkel trägt genau dieser Erwartungshaltung Rechnung und kann daher auch bereits im unteren wie mittleren Management einen Frauenanteil von 30 Prozent aufweisen. „Tradierte Rollenvorstellungen sind für mich tatsächlich sehr befremdlich, und das mag auch daran liegen, dass ich Däne bin“, sagte Rorsted 2011 in einem Interview mit der WirtschaftsWoche zum Thema Diversity.

„In Skandinavien ist es selbstverständlich, dass auch Topmanager mal um 17.00 Uhr nach Hause gehen und sich dafür um 20.00 Uhr noch einmal an den Schreibtisch setzen. Es kommt bei der Arbeit nicht auf die Präsenz am Arbeitsplatz an, sondern auf Ergebnisse“. Den Hauptschlüssel für eine höhere Frauenbeschäftigung sieht Rorsted also auf Unternehmensseite in umfassenderen Angeboten zur Kinderbetreuung, zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf und in der Abkehr von der typisch deutschen Präsenzkultur in Unternehmen hin zu flexibleren  Arbeitszeiten.

Welche Frauen deutsche Konzerne kontrollieren
In deutschen Vorständen besetzen Männer 97 Prozent aller Posten. Bisher hat nur die Deutsche Telekom ein konkretes Förderprogramm für Frauen beschlossen, und auch die Politik hat sich nicht auf eine gesetzliche Quote einigen können. Nach wie vor haben es qualifizierte Frauen schwer, in die Schalt- und Machtstellen der deutschen Wirtschaft vorzustoßen. Dabei gibt es durchaus eine positive Tendenz hin zu mehr Frauen in Top-Positionen. Welche Topmanagerinnen in jüngster Zeit Deutschlands Aufsichtsräte erobert haben. Quelle: dpa
Sie spricht Deutsch, Englisch, Italienisch und Spanisch fließend, kann sich auf Französisch und teilweise auch auf Japanisch und Russisch verständigen. Die in Guatemala aufgewachsene Schweizer Wirtschaftswissenschaftlerin Beatrice Weder di Mauro zog im Januar 2010 in den Aufsichtsrat von ThyssenKrupp ein. Bereits im Jahr 2004 wurde sie Mitglied der "Fünf Weisen" im Sachverständigenrat - als Nachfolgerin von Axel Weber. Weder di Mauro war das jüngste berufene Mitglied, die erste Frau und Nichtdeutsche in dieser Position. Quelle: Reuters
Zu den bekannten Gesichtern unter den Neuzugängen in Deutschlands Aufsichtsräten zählt auch Doris Schröder-Köpf: Die Journalistin und Frau des Alt-Bundeskanzlers Gerhard Schröder ist zur Aufsichtsrätin von Karstadt bestellt worden. Die 47-Jährige übernimmt einen freiwerdenden Posten, wie das von Nicolas Berggruen geführte Unternehmen im Januar mitteilte. Quelle: dpa
Auch ausländische Top-Managerinnen erobern die deutschen Aufsichtsräte. So soll noch in diesem Jahr die schwedische Bankerin Annika Falkengren in die Aufsichtsräte von Volkswagen und Munich Re aufsteigen. Falkengren gilt als Paradebeispiel für eine erfolgreiche Managerin: Kurz bevor sie Vorstandsvorsitzende der SEB-Bank wurde, bekam "Europas härteste Bankerin" ihr erstes Kind. Quelle: Reuters
Sie zählt zu den einflussreichsten Frauen in der skandinavischen Wirtschaft und bringt Erfahrungen in den Bereichen Logistik und Finanzierung mit. Die Dänin Lone Fønss Schrøder wird in diesem Jahr in die Kontrollgremien der MDax-Konzerne Bilfinger Berger und Heidelberger Druckmaschinen einziehen. Die 50-Jährige ist Multiaufsichtsrätin. Zur Zeit ist sie in den Gremien der schwedischen Bank Handelsbanken, des Energieversorgers Vattenfall und des Pkw-Herstellers Volvo vertreten. Quelle: Pressebild
Auch der Aufsichtsrat der Deutschen Bank wird weiblicher: Mit Ablauf der Hauptversammlung am 26. Mai wird Katherine Garrett-Cox in den Aufsichtsrat des Institutes einziehen. Die 43-Jährige, die 2010 von der "Financial Times" in die Rangliste der "Top 50 Women in World Business" aufgenommen wurde, ist die siebte Frau von 20 Mitgliedern des Kontrollgremiums. Quelle: Pressebild
Aber auch deutsche Frauen sorgen für einen positiven Trend: RTL-Chefin Anke Schäferkordt darf sich in Bälde über einen Aufsichtsratsposten freuen. Die Fernsehmanagerin, die die Mediengruppe RTL Deutschland seit September 2005 leitet, zieht in das Kontrollmedium beim Chemieriesen BASF ein. Wie man Privatfernsehen profitabel führt, zeigt Schäferkordt seit ihrem Amtsantritt. Quelle: dpa

Diese familienfreundliche Personalstrategie wird seit Jahren bei Henkel verfolgt. Gleichzeitig wurden sukzessive weibliche Führungskräfte aufgebaut. Das dürfte sich tatsächlich in wenigen Jahren auch in der Vorstandsbesetzung widerspiegeln. 60 Prozent aller Beförderungen im Topmanagement bei Henkel betrafen 2010 Frauen. Mehr als 50 Prozent der Top-Talente sind weiblich.

Um wirkliche Fortschritte zu erzielen, bedarf es also eines CEO’s, der Vielfalt vorlebt und nachvollziehbar im Unternehmen umsetzt. Mit 28.5% Frauen in Führungspositionen führt Henkel übrigens die Riege der DAX 30-Unternehmen an. Getreu dem Motto: „Don’t fix the women – fix the organisation“, müssen Männer also an den entscheidenden Stellen im Unternehmen Einfluss nehmen, um nachhaltig Änderungen in der Unternehmenskultur zu erreichen.

Frauen müssen risikobereiter werden

Frauen im Management
Nicole Vollebregt, Adidas Quelle: PR
Elisabeth Corley, Allianz Quelle: PR
Margret Suckale, BASF Quelle: dpa
Sandra Peterson, Bayer Quelle: PR
Hildegard Wortmann, BMW Quelle: PR
Tanja Birkholz / Kerstin Scholz, Commerzbank Quelle: PR
Christine Hohmann-Dennhardt, Daimler Quelle: dpa

Neben den Veränderungen, die es in der Gesellschaft und auf Unternehmensebene bedarf, gibt es aber auch Handlungsbedarf im Umfeld der Frauen selbst. Dabei geht echte Unterstützung über den Bereich von Coaching- und Mentoring-Programmen hinaus. So sollten Frauen stärker ermuntert und herausgefordert werden, mehr Risiken zu übernehmen, einen klaren Entwicklungsplan einzufordern, aber auch mehr Marketing in eigener Sache zu betreiben.

Wenn es darum geht, sich für eine Führungsposition zu empfehlen, zögern Frauen häufig. Ihre Zurückhaltung in diesem Bereich zählt laut einer McKinsey-Umfrage unter Topmanagerinnen aus aller Welt neben der Doppelbelastung, Familie und Beruf gleichzeitig zu meistern und den gestiegenen Anforderungen an Manager, überall und allerorten volle Leistung, Flexibilität und Mobilität garantieren zu müssen, zu den wichtigsten Hürden auf dem Weg nach oben.

Wer als Topmanager arbeitet, braucht Durchhaltevermögen und muss einen hohen Einsatz bringen – auch zeitlich – das gilt unabhängig vom Geschlecht. Und: Wer den hohen Anforderungen des Berufs des Topmanagers gerecht werden will, benötigt ein Umfeld, das unterstützt. Der Partner muss also auch wollen. Das ist übrigens keine Altersfrage, sondern eine Frage der Einstellung.

Man mag es kaum glauben, aber auch im 21. Jahrhundert gibt es noch jüngere Männer in Deutschland, die sich nicht damit anfreunden können, dass ihre Partnerin erfolgreicher ist als sie selbst. So sollen nach einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung aus dem Jahre 2011 fast 50 Prozent der Männer unabhängig vom Alter das tradierte Rollenbild bevorzugen und fast jeder siebte Mann (15%) ist sogar der Ansicht, dass die Frau dem Mann ‚untertan‘ sein soll. Diese Zahlen machen das ganze Ausmaß der Herausforderung deutlich, vor der wir in Deutschland stehen.

Aber ob wir nun mit oder ohne Quote in die Zukunft gehen, klar ist:

1.     Wir brauchen mehr Frauen in Führungspositionen. Heterogen geführte Unternehmen sind einfach erfolgreicher. Vielfalt ist also gut fürs Geschäft. Das haben zahlreiche Studien bewiesen. Zudem gebieten es Demografie und Gleichbehandlung, dass wir in Deutschland endlich deutliche Fortschritte machen.

In Arbeit
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2.     Es gibt keine einfache Lösung. Die Ursachen für eine unzureichende Repräsentanz von Frauen in Führungspositionen sind vielschichtig. Es bedarf daher auch einer vielschichtigen Lösung auf den genannten drei Ebenen, um nachhaltig Änderungen zu erreichen. Gesellschaft, Unternehmen, Frauen und Männer müssen mitwirken, wenn es darum geht, die Entwicklung voranzutreiben. Alle haben ihren Beitrag zu leisten.

3. Am Beispiel Norwegen zeigt sich, dass es auch nach Verabschiedung einer gesetzlichen Quotenregelung noch Jahre dauert und massiver Sanktionen bedarf, um echte Fortschritte zu erzielen. Wir stehen also vor einer gewaltigen Herausforderung, die nur mit Hilfe einflussreicher (männlicher) Fürsprecher und Vorreiter gelingen kann.

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