Dammanns Jobtalk

Dringend gesucht: Ein Chef, der begeistert

Angelika Dammann Strategische Beraterin, Coach

Unternehmen brauchen Mitarbeiter, die für die Sache brennen. Sie haben im Gegenzug aber auch die Pflicht dafür zu sorgen, dass ihre Leute vor lauter Engagement nicht ausbrennen.

Adidas-Chef Herbert Hainer Quelle: dpa

Regelmäßig steht Adidas-Chef Herbert Hainer in Herzogenaurach auf dem Fußballplatz. Ein Azubi im Tor, links außen ein Marketingmanager, im Sturm ein Mitarbeiter aus dem Controlling. Und anschließend geht es gemeinsam unter die Dusche. Hainer teilt mit seinen 42.000 Mitarbeitern weltweit nicht nur ein- und dieselbe Leidenschaft: die Liebe zum Sport. Dem 57-jährigen Dax-Konzernlenker geht es beim Bolzen auch um das Gemeinschaftsgefühl. Seine 2.900 Adidas-Kollegen am Stammsitz in Franken sollen spüren, dass bei Adidas Inspiration und Partizipation gefragt sind statt Hierarchie und Ansage. Dass auch die Vorgesetzen Menschen aus Fleisch und Blut sind. Und dass ihr Arbeitgeber zwar die Rendite im Sinn hat, aber eben nicht nur. Adidas ist weltweiter Trendsetter bei Sportartikeln wie Sportmode. Und wer Trendsetter bleiben will, braucht vor allem eins: Menschen, die für die gemeinsame Sache brennen.

Was Manager tun können, um Begeisterung zu entfachen


Doch die Flamme der Leidenschaft bei Mitarbeitern zu entfachen und nachhaltig am Brennen zu halten, gelingt scheinbar immer weniger in Deutschland. Nur 13 Prozent der von dem Beratungsunternehmen Gallup 2010 befragten Arbeitnehmer hierzulande gaben an, eine hohe emotionale Bindung zu ihrem Unternehmen zu empfinden. Bei 66 Prozent reichte die geringe emotionale Bindung nur noch dafür aus, Dienst nach Vorschrift zu leisten. Und 21 Prozent gaben frank und frei zu, bereits innerlich gekündigt zu haben.

Vielen Mitarbeitern ist das Band der Loyalität abhanden gekommen

Was aber können Unternehmen tun, deren Mitarbeiterschaft das Band der Loyalität abhanden gekommen ist? Wer verstanden hat, dass mit dem Übergang vom Industrie- zum Wissenszeitalter nicht mehr Maschinen, sondern die Mitarbeiter, ihre Ideen und ihr Innovationspotenzial, zum zentralen Erfolgsfaktor aufgerückt sind, wird die Menschen auch viel stärker in den Mittelpunkt der Unternehmensstrategie stellen. Dazu gehört, ihre individuellen Talente und Präferenzen kennenzulernen und sie entsprechend einzusetzen. Nur so lässt sich eine stärkere Identifikation mit dem Unternehmen erreichen und echte Begeisterung entfachen. Um andere zu begeistern, muss ich als Führungskraft aber auch selbst von meiner Aufgabe begeistert sein. Hand aufs Herz: Wie viele Vorgesetzte strahlen wirklich echte Begeisterung aus? „Ich liebte, was ich tat – und das ist das einzig Wichtige“, gab Apple-Gründer Steve Jobs 2005 den Absolventen der Stanford Universität mit auf den Weg. „Ihr müsst die eine Sache finden, die Ihr liebt – sowohl im Job als auch im Privatleben“.

Führungskräfte, die wie Steve Jobs und Herbert Hainer, in der Lage sind, als Leitfigur Mitarbeiter für eine gemeinsame Sache zu gewinnen, zu überzeugen und mitzunehmen, sind selbst mit Leidenschaft unterwegs. In Zeiten, in denen keiner mehr vorhersagen kann, wie lange ein Geschäftsmodell erfolgreich funktioniert, gewinnt die Fähigkeit einzelner Manager an Bedeutung, als Person zu überzeugen und für ein echtes Gemeinschaftsgefühl im Unternehmen zu sorgen. „Wir sind soziale Wesen, die sich ohne ein übergeordnetes Sozialgefüge nicht effektiv entfalten können. Das ist mit dem Begriff Gemeinschaft gemeint: der soziale Kitt, der uns zum Wohle des Ganzen zusammenhält“, sagt der Managementforscher Henry Mintzberg.

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