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Der Jargon der Wirtschaft "Die meisten Manager reden erschreckend einfallslos"

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Großes Bedürfnis nach Sicherheit

Aber warum kann sich dieser Jargon ausbreiten, sodass in Unternehmen bis in die unteren Kader „aufgegleist“ wird?

Allgemein: weil Sprache etwas Infektiöses hat, weil man sie durch Nachahmung lernt. Im Besonderen: weil offensichtlich innerhalb eines Unternehmens das Bedürfnis nach Sicherheit so groß ist, dass man es über Floskeln befriedigen kann, welche die Welt als eine zeigen, die sich einfach handhaben lässt. Die Botschaft lautet: Es muss nichts schiefgehen, solange man sich nur an wenige schlichte Regeln hält.

Was ist daran schlecht?

Ich bin kein Stilkritiker. Aber ich glaube, empfindsam zu sein für die Vorstellungen vom Leben und der Welt, die sich in unseren Wörtern zeigen. Und die wir mit diesen Wörtern, oft unwillkürlich, vermitteln. In der Art, wie wir reden, öffnen wir Räume, schaffen Atmosphären oder vergiften sie. In der Sprache der Mechanik ist die vorherrschende Idee die der Kontrolle.

Deutschlands beste Unternehmensberater
So sah der Preis aus, den die Preisträger am Montagabend in Empfang nehmen konnten. Es war die Rückkehr der Platzhirsche: Nachdem die Boston Consulting Group (BCG) im vergangenem Jahr die Spitzenposition an Porsche Consulting verloren hatte, konnte sich das Beratungshaus nun wieder als Gesamtsieger behaupten. Aber nicht nur das – auch in der Kategorie Markenstärke steht das Unternehmen wieder ganz oben auf dem Treppchen. Über den Preis für die beste Wertsteigerung freute sich die Konkurrenz von PwC. Bewertet wurde sowohl der Ruf als auch die Leistung der Berater – und zwar aus Kundensicht. Die beiden Branchenexperten Frank Höselbarth von der auf Unternehmensberatungen spezialisierten People und Brand Agentur und der Frankfurter BWL-Professor Lars Wellejus ermittelten in einem dreiteiligen Verfahren die Markenstärke und die Fähigkeit zur Wertsteigerung. Als Grundlage diente ihnen eine Erhebung, für die 1500 deutsche Unternehmen nach ihrer Meinung zu 40 großen und mittleren Beratungshäusern befragt wurden. Zusätzlich konnten sich die Beratungen auch mit einzelnen Leuchtturmprojekten bewerben, die anschließend von einem Fachbeirat und einer Jury bewertet wurden. Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche
Ein Blick über den Saal im Hyatt-Hotel. Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche
Miriam Meckel, Chefredakteurin der WirtschaftsWoche. Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche
Gewinner Kategorie Wettbewerbsstrategie: Porsche Consulting - Eberhard Weiblen und Manfred Engeser (WirtschaftsWoche) Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche
Gewinner Business Excellence: Martin Scholich (PwC), Manfred Engeser (WirtschaftsWoche) und Frank Höselbarth von der People + Brand Agency
Gewinner Kategorie IT-Management - it-economics: Karoline Rohweder (Kunde/E.ON), Torsten Klein (it-economics), Hardi Probst, Bernhard Kern, Dominik Haug, Matthias Merz (E.ON), Julian Lipinksi (E.ON), Stefan Sonderfeld (E.ON Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche
Gewinner Kategorie IT-Management - Torsten Klein (it-economics) Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche

Und deswegen ist sie so verführerisch?

Genau, selbst das Vertrauen, also das Gegenteil des Überprüfbaren, wird funktionalisiert: Es soll wieder hergestellt werden können, als handele es sich um ein defektes Standardbauteil. Das klappt freilich nicht. Vertrauen lässt sich nicht herstellen. Es stellt sich allenfalls ein.

Manchmal hat man den Eindruck, die Sprache der Wirtschaft solle Tatsachen beschönigen, vor allem wenn es um unangenehme Wahrheiten geht.

Wenn Manager davon reden, dass sie „strukturelle Anpassungen“ im Unternehmen vornehmen müssen, ist das allerdings kaum noch ein Geheimcode. Jeder weiß, was die Stunde geschlagen hat. Geradezu begeistert klingt das „Freisetzen“ von Mitarbeitern. Als hätten hier Wesen jahrelang eingesperrt gehaust in einer wenig artgerechten Umgebung und dürften nun endlich hinaus ins lockende Freie. Das erinnert an das Huhn, das bisher in der Legebatterie täglich sein Ei produzieren musste und jetzt auf dem Hof wieder nach Gutdünken Körner picken darf.

Blanker Zynismus?

Struktureller Zynismus. Da unterstelle ich keinem persönliche Absichten. Wer so redet, verrät unwillkürlich, wie wirklichkeitsfremd er agiert. Oder hilflos. Nehmen Sie die pompöse Rede vom „Strategiewechsel“, der in Unternehmen erstaunlich häufig stattfindet – eigentlich verwunderlich, da Strategien sich dadurch auszeichnen, dass sie langfristig angesetzte Szenarien abbilden. Nur weil die Geduld, auf ein gutes Ergebnis zu warten, schnell aufgebraucht ist, wird ein großes Wort genommen, das etwas ganz Kleines bezeichnet: Willkür. Dann hilft es auch nicht, wenn man „proaktiv“, gemeint ist wohl: von sich aus miteinander spricht, weil ohnehin keiner genau weiß, wo es langgeht. Statt zu sagen: Es war falsch, heißt es: Wir wechseln die Strategie. Mit der Folge, dass Mitarbeiter verwirrt sind.

Was Gesten über Sie verraten
Ein Mann verschränkt die Hände hinter dem Kopf Quelle: Fotolia.com
Vermutlich Angela Merkel mit verschränkten Händen Quelle: dpa
Eine Frau mit verschränkten Armen Quelle: Fotolia.com
Eine Frau fasst sich an den Hals Quelle: Fotolia.com
Eine Hand berührt den Ärmel am Anzug der anderen Hand Quelle: Fotolia.com
Eine Frau zeigt mit "zur Pistole" geformten Fingern auf den Betrachter Quelle: Fotolia.com
Eine Frau fasst sich an die Nase Quelle: Fotolia.com

Heißt das, die Sprache der Wirtschaft sei der Wirklichkeit nicht gewachsen?

Will sie ihr denn überhaupt entsprechen? Meine Vermutung ist, dass Wirklichkeitsnähe eine untergeordnete Rolle spielt. Wichtiger ist der Anschein, man könne das Projekt jederzeit sicher und genau steuern. In Wahrheit ist diese Sprache angstbesetzt.

Angst wovor?

Angst vor Risiko, vor Macht- und Kontrollverlust, vor Fehlern. Um es zuzuspitzen: vor dem, was Menschen menschlich sein lässt. Letztlich ist es die Angst davor, zur Verantwortung gezogen zu werden. All die Controlling-Routinen, die endlosen Dokumentationspflichten, Performance-Messungen, Feedback-Runden, Projektanträge, all diese mühseligen Aufgaben, die uns abhalten von dem, was beim Arbeiten Freude bereiten kann, dienen einem Zweck: der Absicherung. Alles ist zu rechtfertigen, manchmal sogar, bevor man weiß, was dabei herauskommt. So wächst eine Atmosphäre gegenseitigen Misstrauens.

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