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Der Rat der Weisen Hilfe, mein Chef ist ein Narzisst – was kann ich tun?

Quelle: PR

Wenn der Chef Narzisst ist, kann die Arbeit zur Qual werden. Warum der gängige Rat „Love it, change it, or leave it“ hier nur bedingt funktioniert und Coach Nico Rose stattdessen für eine drastischere Maßnahme plädiert.

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Auf der Arbeit verbringen wir einen Großteil unserer Zeit. Wenn im Team eine gute Stimmung herrscht, verfliegt die Zeit im Nu, man selbst ist motivierter und produktiver – erst Recht, wenn auch das Verhältnis zum Chef stimmt. Doch was ist, wenn dieser ein Narzisst ist, oder zumindest einige typisch narzisstische Züge zeigt? Wenn der Chef jegliche Art von Kritik abkanzelt, die Mitarbeiter respektlos und abwertend behandelt? Was kann ich tun?, fragte uns daher ein Leser.

Antwort: Als Psychologe darf ich zunächst anmerken: Echte Narzissten, im klinischen Sinne, sind selten. Narzissmus ist eine Eigenschaft, die uns alle betrifft, den einen etwas mehr, den anderen weniger. Wenn Sie aber tatsächlich an einen Vorgesetzten mit ausgeprägt narzisstischen Zügen geraten sind, ist äußerste Vorsicht geboten.

Ein gängiger Rat für Menschen mit Problemen lautet: „Love it, change it, or leave it.“ Die Herausforderung: Zwei dieser Optionen fallen bei Narzissten im Grunde weg. Sie neigen dazu, andere respektlos und abwertend zu behandeln. Sich eine solche Situation schönzureden, halte ich für ungesund. Menschen mit stark narzisstischen Zügen ändern zu wollen, ist ebenso risikobehaftet. Ein Kennzeichen von Narzissmus ist gerade, unempfänglich für Kritik zu sein. Wenn Sie es doch mit ganz viel Umsicht versuchen wollen, könnte die VW-Regel helfen: Verwandeln Sie Ihren Vorwurf in einen Wunsch.

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Statt also ein Verhalten des Vorgesetzten zu bemängeln, formulieren Sie in der Ich-Form, was Sie sich stattdessen wünschen. Das ist weniger bedrohlich für das lädierte Ego des Narzissten. Verknüpfen Sie Ihren Wunsch idealerweise mit einem übergreifenden Ziel, das auf die persönliche Agenda des Vorgesetzten einzahlt. Wer sich regelmäßig als nützlich erweist, läuft weniger Risiko, in Ungnade zu fallen.

Nüchtern betrachtet lautet mein Rat jedoch: Suchen Sie das Weite! Das Leid, das Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit erfahren, lässt sich auch durch ein stattliches Gehalt nur unzureichend aufwiegen. Ergänzend empfehle ich: Protokollieren Sie im Wortlaut und mit Datum verbale Entgleisungen oder Ähnliches, die bei Narzissten durchaus oft vorkommen können. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass Sie irgendwann gefeuert werden, weil Sie doch in Ungnade gefallen sind (oder auch selbst die Nase voll haben und kündigen wollen). Wenn es dann beispielsweise wegen einer Abfindung vors Arbeitsgericht geht, haben Sie mit einer genauen Dokumentation der dysfunktionalen Führung deutlich bessere Karten.

Nico Rose ist Experte für Positive Psychologie und Professor für Wirtschaftspsychologie an der International School of Management (ISM) in Dortmund.

Wenn Sie eine Frage zu Gehalt, Miteinander im Büro, Führung, Karriereplanung, Etikette, Lifestyle oder Work-Life-Balance haben, senden Sie uns diese bitte an erfolg@wiwo.de oder via FacebookInstagram und LinkedIn. Schildern Sie uns dabei auch gerne, warum Sie diese Frage beschäftigt.

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