Der wissenschaftliche Weg Was uns wirklich glücklich macht

Wie findet man Glück und Erfüllung im Leben? Wissenschaftler haben da ein paar gute Ratschläge – zum Beispiel: Einfach mal nicht arbeiten.

Wie werde ich glücklich? Wissenschaftler haben da ein paar Ratschläge. Quelle: Getty Images

Das gute Leben ist im Netz meistens nur ein paar Klicks entfernt. Etliche Online-Portale buhlen mit Zeilen wie "Zehn einfache Schritte zu einem glücklichen Leben" oder "Fünf wertvolle Wege zum Erfolg" um Klicks. 

Unzählige Lifecoaches und Karriereberater geben in ihren Blogs gut gemeinte Ratschläge. Und bei Facebook lässt einen zuweilen der erweiterte Bekanntenkreis an den eigenen Erfolgsrezepten teilhaben. 

All das mag seine Berechtigung haben - ob es funktioniert, ist aber mindestens unklar. Ein stetig wachsender Forschungszweig bietet aber Erkenntnisse, die zumindest mit wissenschaftlicher Strenge überzeugen können. Ein kurzer Einblick in die Glücksforschung.

Welche Berufe glücklich machen
die glücklichsten Menschen arbeiten in Hamburg Quelle: dpa
Die Jobsuchmaschine Indeed hat sich der Zufriedenheit deutscher Arbeitnehmer angenommen und nachgefragt, wer mit seinem Job besonders zufrieden ist. Die glücklichsten Berufe in Deutschland sind demnach eine bunte Mischung aus allen Ausbildungswegen und Hierarchiestufen. So gehören zu den Top 20 der zufriedensten Berufe viele traditionelle Handwerksberufe wie Maurer, Tischler oder Elektriker. Zufrieden sind allerdings auch - entgegen aller Klischees - Lehrer und Krankenschwestern. An der Spitze der Liste stehen Trainer, studentische Hilfskräfte und, wenig überraschend, Geschäftsführer. Laut dem Meinungsforschungsinstituts YouGov sind allgemein nur sieben Prozent der Deutschen wirklich unzufrieden mit ihrem Job, 75 Prozent der Arbeitnehmer macht ihre Arbeit mehrheitlich Spaß. Damit sie sich im Beruf wohl fühlen, brauchen 27 Prozent der Beschäftigten neue Herausforderungen, für 18 Prozent ist ein abwechslungsreicher Arbeitsalltag wichtig, für 15 Prozent bessere Gehaltsaussichten. Immerhin 14 Prozent wollen „etwas Sinnvolles“ für die Gesellschaft tun. Die folgenden Berufe erfüllen diese Kriterien - und machen glücklich. Quelle: Fotolia
Gärtner und Floristen sind zu 87 Prozent glücklich. "Ich arbeite in einer Umgebung, die ich mag, und tue etwas lohnendes und sinnvolles", gaben sogar 89 Prozent von ihnen an. Quelle: Fotolia
Jemand frisiert einen Puppenkopf Quelle: dpa
Männer arbeiten an Toiletten. Quelle: AP
Die ersten Nicht-Handwerker in der Glücksrangliste sind ausgerechnet Marketing- und PR-Leute (75 Prozent). Die Wahrheit steht offenbar nicht in direktem Zusammenhang mit dem Glück. Quelle: Fotolia
Jemand hält einen Glaskolben mit einer Flüssigkeit darin. Quelle: AP
Arbeiten, wo andere Urlaub machen: Die Angestellten der Tourismus- und Freizeitwirtschaft sind zu 67 Prozent glücklich. Quelle: Fotolia
Mann mit Arbeitsgerät und Helm Quelle: dpa
Ein Stethoskop hängt um den Hals einer Person Quelle: dpa
Anwältin Symbolbild Quelle: obs
Jemand hilft einer alten Dame Quelle: AP
Auch die meisten Architekten, jenseits der Stars, verdienen verglichen mit anderen Akademikern eher bescheiden. Häuser zu bauen macht 62 Prozent von ihnen dennoch glücklich. Quelle: Fotolia
Kindergärtnerin Quelle: dpa
Lehrer vor einer Schulklasse Symbolbild Quelle: dpa
Trotz Ärmelschoner-Image und Zahlenkolonnen sind immerhin 58 Prozent der Buchhalter glücklich mit ihrem Los. Quelle: Fotolia
Ein Mann mit ein großen Schraubenschlüssel. Quelle: dpa
Wenn man eine gewischt bekommen kann, macht die Schrauberei schon weniger Spaß. Elektriker sind nur zu 55 Prozent glücklich. Quelle: Fotolia
Ein Koch Quelle: dpa
Die Branche wird immer wichtiger und besser bezahlt. Aber ihr Glück finden in IT und Telekommunikation nur 48 Prozent der Beschäftigten. Quelle: Fotolia

Gute Gene

Es heißt zwar bekanntermaßen, dass jeder Mensch seines eigenen Glückes Schmied sei. Das Material, mit dem wir schmieden, ist aber zumindest zum Teil durch unsere Gene vorbestimmt. 

Das zeigten die Forscher Michael Minkov von der Varna Universität und Michael Harris Bond von der Hong Kong Polytechnic University in einer aktuellen Studie.

Dazu untersuchten sie ein bestimmtes Gen, dass für die Verarbeitung des Botenstoffs Serotonin verantwortlich ist. Frühere Studien konnten zeigen, dass einzelne Träger einer bestimmten Ausprägung dieses Gens weniger zu Angstzuständen neigten und demnach ein höheres Glücksniveau erreichten. 

Für ihre Studie setzten die Forscher dann die Häufigkeit dieser Form des Gens in einem Land mit dem dort erfassten Maß für subjektives Wohlbefinden in Verbindung.

Minkov und Bond fanden einen klaren Zusammenhang: War die Serotonin-freundliche Ausprägung des Gens in der Bevölkerung häufig vorhanden, lag auch das subjektive Wohlbefinden insgesamt besonders hoch. 

"Die genetische Herkunft verdammt bestimmte Länder aber nicht sofort zu einem bestimmten Glücks-Wert", so die Autoren. Es gebe darüber hinaus etliche situationsabhängige Faktoren, die das Wohlbefinden beeinflussen.

Auch mal nicht arbeiten

Die Tatsache, dass mittlerweile jeder Mensch ein Smartphone in der Tasche hat, haben sich Alex Bryson vom University College in London und George MacKerron von Universität von Sussex zunutze gemacht. Sie haben einen Datensatz ausgewertet, die ihre Studienteilnehmer über die App "Mappiness" seit 2010 regelmäßig füttern. Jeder App-Nutzer bekommt zufällige "Dings", also kleine Erinnerungen auf dem Handy, die sie darauf hinweisen, an einer sehr kurzen Umfrage teilzunehmen. Darin sollen die Teilnehmer angeben, wie glücklich, entspannt und wach sie sich gerade fühlen. Mehr als eine Million Datenpunkte von Zehntausenden von Nutzern sind so zusammengekommen.

Das für jeden Berufstätigen ernüchternde Ergebnis: Nirgendwo waren die Teilnehmer weniger glücklich als bei der Arbeit - außer, wenn sie krank im Bett lagen. Wer das ändern will, sollte sich stattdessen darauf einstellen, weniger zu arbeiten. Die größten Glücksbringer waren Intimität mit anderen Menschen, Kultur, Sport und soziale Kontakte.

Anderen Helfen

Adam Grant hat seine Forscherkarriere auf einer Erkenntnis aufgebaut: Wer selbst zufrieden sein will, dem hilft es, anderen zu helfen. In einer umfassenden Überblicksstudie schildert der Forscher der Wharton School der Universität Pennsylvania zusammen mit Mark Bolino vom Price College of Business der Universität von Oklahoma die vielen Vorteile von sozialem Verhalten im Beruf.

Eine seiner eigenen Studien zeigt aber auch, dass man nur so viel helfen soll, wie man kann. "Wer sich berufen fühlt zu helfen, kann sich unter Umständen auch zu viel aufbürden", schreiben die Forscher. Das könnte zu Überlastung, Stress und schlechter Leistung führen.

Wir sind nicht dazu gemacht, permanent glücklich zu sein

Die eigenen Stärken kennen und einsetzen

Die Idee geht zurück auf Martin Seligman, einen der Vorreiter der positiven Psychologie. Wer das tut, was er persönlich sehr gut kann und wo seine charakterlichen Stärken liegen, empfindet dabei größere Zufriedenheit. Dazu muss man natürlich zunächst wissen, was die eigenen Stärken genau sind. Dabei hilft die Homepage von Seligman an der University of Pennsylvania.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Wer seine Stärken im Job nutzt, ist zufriedener und produktiver. Außerdem fällt es denen, die das tun, was ihren Charakterstärken entspricht, leichter, mit Stress im Job umzugehen.

Sich mit glücklichen Menschen umgeben

So viel vorab: Man sollte sich seine Freunde nicht danach aussuchen, wie viel sie lachen. Aber James Fowler von der Universität von Kalifornien in San Diego und Nicholas Christakis von der Harvard Medical School konnten im Jahr 2008 zeigen, dass Glücksgefühle ansteckend sind.

Dazu schauten sich die Forscher über einen Zeitraum von 20 Jahren die Glückszustände von fast 5000 Menschen an. Dabei fanden sie erstaunliche Netzwerkeffekte. Sie stellten fest, dass wenn ein Individuum glücklich wurde, erfuhr ein befreundetes Individuum, dass maximal eine Meile entfernt lebte, eine um 25 Prozent höhere Chance hat, sich ebenfalls glücklich zu fühlen. Bei den Nachbarn erhöhte sich die Chance sogar um 34 Prozent. 

Dieser Effekt funktioniert auch indirekt. Wird ein Mensch glücklicher, erhöht das zunächst die Wahrscheinlichkeit seiner Freunde, glücklicher zu werden, in einem nächsten Schritt erhöht es aber auch die Wahrscheinlichkeit von Freunden von Freunden, glücklicher zu werden um zehn Prozent. Sogar Freunde von Freunden von Freunden haben eine um fast sechs Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, glücklicher zu werden.

Bedeutung suchen

Wer sich länger mit den Begriffen Erfolg, Glück und Zufriedenheit, droht schnell ins Esoterische abzurutschen. Emily Esfahani-Smith hat sich deshalb eingehend mit der psychologischen Forschung auseinandergesetzt, um ihre Antwort auf die große Frage nach dem guten Leben auf ein solides Fundament zu stellen. Ihre Einsichten hat sie in ihrem aktuellen Buch “The Power of Meaning” aufgeschrieben.

“Menschen sind bedeutungssuchende Wesen”, sagt die Autorin, “Wir wurden nicht auf diese Welt gesetzt, um uns durchgehend glücklich zu fühlen.” Wie genau sieht für sie ein Leben voller Bedeutung aus? “Man fühlt sich als wichtiger Teil eines größeren Ganzen, sieht einen Sinn in seinem Leben und hat eine Aufgabe oder Bestimmung”, sagt Esfahani-Smith.

Drei Tipps auf dem Weg zum Glück

Eine Studie von Veronika Huta von der Universität von Ottawa und Richard Ryan von der Universität von Rochester aus dem Jahr 2010 macht das konkreter. Die Psychologen rekrutierten zwei Gruppen von Studenten und verpflichteten sie entweder dazu, ihr Leben zehn Tage lang der Suche nach Bedeutung oder nach Glück zu widmen.

Die Glückssucher nannten nach der Studie schlafen, spielen, einkaufen oder Süßigkeiten essen als ihre Aktivitäten. Die Bedeutungssucher dagegen lernten, munterten andere Menschen auf, überdachten ihre Werte oder verziehen einem Freund. Die erste Gruppe fühlte sich zwar unmittelbar nach der Studie besser, als die zweite. Drei Monate später war der Glückseffekt aber verpufft, während sich diejenigen die nach Bedeutung gesucht hatten, über weniger negative Gefühlen freuen konnten.

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