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Der wissenschaftliche Weg Was uns wirklich glücklich macht

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Wir sind nicht dazu gemacht, permanent glücklich zu sein

Die eigenen Stärken kennen und einsetzen

Die Idee geht zurück auf Martin Seligman, einen der Vorreiter der positiven Psychologie. Wer das tut, was er persönlich sehr gut kann und wo seine charakterlichen Stärken liegen, empfindet dabei größere Zufriedenheit. Dazu muss man natürlich zunächst wissen, was die eigenen Stärken genau sind. Dabei hilft die Homepage von Seligman an der University of Pennsylvania.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Wer seine Stärken im Job nutzt, ist zufriedener und produktiver. Außerdem fällt es denen, die das tun, was ihren Charakterstärken entspricht, leichter, mit Stress im Job umzugehen.

Sich mit glücklichen Menschen umgeben

So viel vorab: Man sollte sich seine Freunde nicht danach aussuchen, wie viel sie lachen. Aber James Fowler von der Universität von Kalifornien in San Diego und Nicholas Christakis von der Harvard Medical School konnten im Jahr 2008 zeigen, dass Glücksgefühle ansteckend sind.

Dazu schauten sich die Forscher über einen Zeitraum von 20 Jahren die Glückszustände von fast 5000 Menschen an. Dabei fanden sie erstaunliche Netzwerkeffekte. Sie stellten fest, dass wenn ein Individuum glücklich wurde, erfuhr ein befreundetes Individuum, dass maximal eine Meile entfernt lebte, eine um 25 Prozent höhere Chance hat, sich ebenfalls glücklich zu fühlen. Bei den Nachbarn erhöhte sich die Chance sogar um 34 Prozent. 

Dieser Effekt funktioniert auch indirekt. Wird ein Mensch glücklicher, erhöht das zunächst die Wahrscheinlichkeit seiner Freunde, glücklicher zu werden, in einem nächsten Schritt erhöht es aber auch die Wahrscheinlichkeit von Freunden von Freunden, glücklicher zu werden um zehn Prozent. Sogar Freunde von Freunden von Freunden haben eine um fast sechs Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, glücklicher zu werden.

Bedeutung suchen

Wer sich länger mit den Begriffen Erfolg, Glück und Zufriedenheit, droht schnell ins Esoterische abzurutschen. Emily Esfahani-Smith hat sich deshalb eingehend mit der psychologischen Forschung auseinandergesetzt, um ihre Antwort auf die große Frage nach dem guten Leben auf ein solides Fundament zu stellen. Ihre Einsichten hat sie in ihrem aktuellen Buch “The Power of Meaning” aufgeschrieben.

“Menschen sind bedeutungssuchende Wesen”, sagt die Autorin, “Wir wurden nicht auf diese Welt gesetzt, um uns durchgehend glücklich zu fühlen.” Wie genau sieht für sie ein Leben voller Bedeutung aus? “Man fühlt sich als wichtiger Teil eines größeren Ganzen, sieht einen Sinn in seinem Leben und hat eine Aufgabe oder Bestimmung”, sagt Esfahani-Smith.

Drei Tipps auf dem Weg zum Glück

Eine Studie von Veronika Huta von der Universität von Ottawa und Richard Ryan von der Universität von Rochester aus dem Jahr 2010 macht das konkreter. Die Psychologen rekrutierten zwei Gruppen von Studenten und verpflichteten sie entweder dazu, ihr Leben zehn Tage lang der Suche nach Bedeutung oder nach Glück zu widmen.

Die Glückssucher nannten nach der Studie schlafen, spielen, einkaufen oder Süßigkeiten essen als ihre Aktivitäten. Die Bedeutungssucher dagegen lernten, munterten andere Menschen auf, überdachten ihre Werte oder verziehen einem Freund. Die erste Gruppe fühlte sich zwar unmittelbar nach der Studie besser, als die zweite. Drei Monate später war der Glückseffekt aber verpufft, während sich diejenigen die nach Bedeutung gesucht hatten, über weniger negative Gefühlen freuen konnten.

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