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Deutscher Innovationspreis 2021 Drohnen, Gold, dazu Automatisierung und mRNA

Die Gewinnerinnen und Gewinner des diesjährigen Innovationspreises. Quelle: Wagner

Die innovativsten Unternehmen Deutschlands im Jahr 2021 stehen fest und sie kommen aus ganz unterschiedlichen Technologiefeldern. Ingmar Hoerr, Entdecker der mRNA-Technik, erhält einen Sonderpreis. Wirtschaftsminister Peter Altmaier räumt im Gespräch Verbesserungspotenzial bei der Innovationsförderung ein.

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Am Abend hat die WirtschaftsWoche in einer halbvirtuellen Veranstaltung in Düsseldorf den Deutschen Innovationspreis 2021 verliehen. In der Kategorie Großunternehmen setzte sich Bosch Rexroth mit einer multifunktionalen Softwareplattform für die Automatisierung von Fabriken durch. Der Mittelständler WTB wurde für eine neuartige Technologie geehrt, mit der sich Audiostecker umweltschonend vergolden lassen. Und das junge Unternehmen HHLA Sky erhielt die Auszeichnung in der Kategorie Start-up – für ein vollautomatisches Industriedrohnensystem.

Ingmar Hoerr, Vater der Messenger-RNA-Technologie und Gründer des Tübinger Biotech-Unternehmens CureVac, ehrte die WirtschaftsWoche für seine Grundlagenforschung als „Innovator of the Year“. Seine Entdeckung der mRNA-Technologie hatte in den vergangenen Monaten zu mehreren Covid-19-Impfstoffen geführt, die nun einen Ausweg aus der Coronapandemie ermöglichen. SAP-Mitgründer Dietmar Hopp würdigte Hoerr in seiner Laudatio als „großes Talent“. Hopp kenne Hoerr seit 16 Jahren, sei sofort von ihm in den Bann gezogen gewesen.

Hoerr erzählte zudem in einem Interview, dass er an einem Sommerabend auf das gewaltige Potenzial der mRNA-Technologie gestoßen ist. Anfangs habe er es nicht glauben können – vermutete einen Fehler. Als er am nächsten Tag sein Experiment wiederholte, bestätigten sich aber die Ergebnisse. „Da wusste ich, dass es etwas Großes ist“, sagte Hoerr. Er habe am selben Abend noch seine Professoren zuhause angerufen.

„Und da wusste ich, dass es etwas Großes ist“

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) begrüßte im Gespräch mit WirtschaftsWoche-Chefredakteur Beat Balzli die Wahl von Ingmar Hoerr zum „Innovator of the Year“. Weil sie deutlich mache, dass Deutschland bei der Grundlagenforschung weltweit führend ist. Klar sei aber auch, dass das Land die PS oft nicht auf die Straße bringe. So würden mRNA-Impfstoffe in vielen Fällen von Unternehmen in anderen Ländern produziert. Deutschland müsse wieder die Apotheke der Welt werden. Nicht bei Massenwirkstoffen, sondern bei den hochtechnologisch zukunftsweisenden Behandlungs- und Therapiemethoden.

Wirtschaftsminister räumt Probleme ein

Altmaier räumte jedoch auch ein, dass es hierzulande in Sachen Innovationsförderung noch Raum für Verbesserung gibt. Das gelte insbesondere für die von Rafael Laguna geführte Agentur für Sprunginnovationen, die immer wieder auf Hürden stoße. „Wir stellen fest, dass mit den Mitteln des öffentlichen Haushaltsrechts, den Beschränkungen des Beamtenrechts und den vielen bürokratischen Anforderungen manche Initiative zu lange braucht, bis sie zustande kommt. Und deshalb müssen wir in dem Bereich besser werden“, sagte der Minister. Er zeigte sich aber optimistisch, die Probleme noch in dieser Legislaturperiode lösen zu können. WirtschaftsWoche-Chefredakteur Balzli hatte zuvor in seiner Eröffnungsrede auf die Wichtigkeit von Innovationen hingewiesen, vor allem mit Blick auf die zunehmende Rivalität zwischen China, Europa und den USA.

Altmaier machte aber auch deutlich, dass der Bund in manchen Innovationsfeldern nicht kleckert, sondern klotzt. So fördere man etwa die Batteriezellproduktion mit Milliardensummen, damit die zurück nach Deutschland komme. Das schaffe zehntausende Jobs. Ähnlich sei es bei privatwirtschaftlichen Wasserstoffprojekten, für die die Regierung gerade acht Milliarden Euro beschlossen habe, so Altmaier. So wolle man sicher stellen, dass sie auch in Europa realisiert werden, nicht nur in Asien.

Der Finanzchef des deutschen Vorzeige-Start-ups Teamviewer, Stefan Gaiser, sagte in einer Videoschalte, dass er an den Standort Deutschland und seine Talente glaube. Es brauche aber mehr Drang zum Unternehmertum, mehr Menschen, die sich entscheiden, selbständig zu arbeiten. Junge Leute müssten dafür begeistert werden. Doch Gymnasien böten kaum Wirtschaftskunde als Fach an. Von der Politik forderte er, das Image des Unternehmers in der Gesellschaft zu verbessern.

Die Preisträger nahmen ihre Auszeichnungen im Düsseldorfer Verlagshaus der Handelsblatt Media Group persönlich entgegen, nachdem die Finalisten und ihre Innovationen vorgestellt wurden. Darunter der Autobauer BMW, das Unternehmen Caphenia, das etwa mithilfe von Klärschlamm synthetischen Sprit macht, oder das Unternehmen Ingpuls, das sogenannte Formgedächtnislegierungen herstellt, die immer wieder in ihre Ursprungsform zurückfinden. 



Frank Riemensperger, Deutschlandchef des Beratungsunternehmens Accenture, übergab Bosch-Rexroth-Automatisierungschef Philipp Guth die Auszeichnung. EnBW-Chef Frank Mastiaux verkündete den Gewinner der Mittelstands-Trophäe: das Essener Unternehmen WBT - Industrie Elektromechanische Produkte. Und Medizintechnik-Managerin Mariola Söhngen, die mehr als 30 Jahre junge Unternehmen gegründet und geführt hat, zeichnete schließlich das Team des Start-ups HHLA Sky auf der Bühne aus.

Mehr zum Thema: Innovationen treiben Wirtschaft und Wissenschaft an. Sie lassen neue Unternehmen entstehen und stellen mitunter ganze Branchen auf den Kopf. Hier können Sie sich nochmals die Verleihung des Deutschen Innovationspreises ansehen.

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