Die Fluch-Formel der Manager In Rezessionen schimpfen CEOs häufiger

Michael O'Leary von Ryanair ist für seine verbalen Ausfälle ebenso bekannt wie ehemalige Yahoo-Chefin Carol Bartz. Eine Studie hat sich die Schimpftiraden einmal genauer angesehen.

Die berühmten Sprüche des Ryanair-Chefs
„Wenn ich abtrete wird sicher unser Marketing-Etat wachsen, weil wir ohne meine Sprüche weniger Aufmerksamkeit bekommen - aber das sparen wir dann an Gerichtskosten, weil uns dann weniger Leute wegen meiner Sprüche verklagen.“ Quelle: REUTERS
„Heute müssen Unternehmen-Chefs sagen, Unsere Beschäftigten sind unser wichtigstes Asset. Was ein Schwachsinn. Die Beschäftigten sind unser größter Kostenblock und viele sind so faul, dass wir sie ständig in den Hintern treten müssen. Das denkt eigentlich jeder Chef, aber keiner will es zugeben.“ Quelle: dpa
„40 Euro wenn wie eine Bordkarte neu ausdrucken, weil jemand sein vergessen oder verloren hat sind nicht zu viel. Eigentlich müssten wir für so viel Blödheit mindestens 60 Euro verlangen.“ Quelle: dpa

"Wir machen keine Erstattungen für ungenutzte Tickets, also verpisst Euch. Wir wollen Eure Heulgeschichten nicht hören." So wütete einst Michael O'Leary, Chef der Billiglinie Ryanair. Und David Farr, Chef der auf Klimaanlagen spezialisierten Emerson Electric Company, erzählte potenziellen Investoren im vergangenen Jahr: "Wir können nicht nur ein Produkt. Wenn ich das noch ein gottverdammtes Mal lesen muss, reiße ich sie auseinander. Wir haben Erfolg in China, Gott verdammt, wir können verdammt nochmal mehr! Entschuldigen Sie, dass ich fluche, aber es pisst mich an, wenn ich das lesen muss." Danach dürfte es erst einmal still gewesen sein.

O'Leary und Farr sind nicht die einzigen Manager, denen in der Öffentlichkeit das Temperament durchgeht. Aber sie gehören sie zu den drei Führungskräften, die das böse F-Wort am häufigsten benutzen. John Busby, Vizepräsident des amerikanischen Marchex Instituts, hat sich im Auftrag von Bloomberg News Tausende von Interviews und öffentliche Vorträge von CEOs zwischen 2004 und 2014 angehört - und dabei einige verblüffende Entdeckungen gemacht.

Demnach gebrauchten CEOs in den vergangenen zehn Jahren 254 Mal Schimpfworte - am häufigsten gebräuchlich ist das Schimpfwort, das mit "S" beginnt. Es fiel 197 Mal. Darauf folgen "Gott verdammt" (34 Mal), das in Amerika besonders beliebte "Fuck" (17 mal) in all seinen Varianten sowie der beliebte Ausspruch "Kiss my a..." (sechs Mal).

Zudem besteht offenbar ein Zusammenhang zwischen der wirtschaftlichen Situation und der Ausdrucksweise: Nach der Rezession im Jahr 2009 stieg die Zahl der Flüche und Kraftausdrücke spürbar an. Je höher die Arbeitslosigkeit und je niedriger das Bruttoinlandsprodukt, desto mehr wird geflucht.

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Dass wir schimpfen ist ganz normal, sagt Timothy Jay, Psychologieprofessor vom Massachusetts College of Liberal Arts. Ab einem Alter von acht Jahren legen Menschen damit richtig los, hat er beobachtet. Zunächst nutzen wir am liebsten das S-Wort, mit zunehmenden Alter gewinnen Kinder das F-Wort lieb.

Ziehen aber prominente Menschen in der Öffentlichkeit vom Leder, wirft das kein gutes Bild auf sie. Da gilt für Manager: Im Zweifel lieber schweigen.

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