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Die neue Form der Loyalität Wer seine Mitarbeiter behalten will, muss sie gehen lassen

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Neue Form der Loyalität

Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig, die Folgen, die daraus resultieren, dass Mitarbeiter unzufrieden sind, hingegen immer gleich: Die Beratungsgesellschaft Gallup veröffentlicht jedes Jahr einen Mitarbeiter-Engagement-Index, in dem sie 1400 zufällig ausgewählte Arbeitnehmer zu ihrem Arbeitsumfeld befragt.

Das Ergebnis: Deutsche Unternehmen verlieren jedes Jahr zweistellige Milliardenbeträge, weil ihre Angestellten nicht mit dem Herzen bei der Sache sind. 2016 zum Beispiel konnten die Gallup-Forscher nur bei 16 Prozent der Mitarbeiter eine hohe emotionale Bindung zum Arbeitgeber feststellen. Der Rest? Macht Dienst nach Vorschrift oder hat innerlich schon gekündigt. Wer es hingegen schafft, dass sich seine Mitarbeiter dem Unternehmen verbunden fühlen, profitiert auch wirtschaftlich.

Loyale Mitarbeiter = wertvolle Mitarbeiter

Loyale Angestellte fühlen sich dem Unternehmen emotional nahe, teilen Werte und Ziele, bleiben deshalb gerne dort und sprechen auch in der Öffentlichkeit gut über ihre Arbeitgeber. „Der wissenschaftliche Konsens ist daher, dass sich Loyalität positiv auf das Unternehmensergebnis auswirkt“, schrieben die Ökonominnen Olivia Guillon und Cécile Cezanne von der Pariser Sorbonne-Universität im Jahr 2014 in einer Studie. Und zwar messbar.

Sind die Mitarbeiter loyal, kündigen sie seltener. Unternehmen erspart das die hohen Kosten für die Nachfolgersuche und den Ersatz von verlorenem Wissen. Die Unternehmensberatung CEB pflegt seit Jahren eine Datenbank mit Tausenden von Firmenbefragungen.

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    Daraus hat sie sogar eine Formel destilliert, wie sich die Loyalität auf die Umsatzentwicklung auswirkt: Zehn Prozent mehr Engagement der Mitarbeiter führen demnach zu einem um neun Prozent höheren Willen, im Unternehmen zu bleiben, was wiederum den Umsatz um sechs Prozent erhöht. Unabhängig von den Zahlen: „Loyalität ist ein wichtiges Mittel, um die Leistung der Mitarbeiter zu steigern“, sagt André Fortange, Managing Director von CEB, „und sie im Unternehmen zu halten.“

    Doch diese Kalkulation widerspricht der Lebens- und Karriereplanung der Angestellten. Eine neue Unverbindlichkeit bestimmt private Beziehungen ebenso wie Arbeitsverhältnisse.Sind die Mitarbeiter deutscher Unternehmen deshalb ein Haufen treuloser Tomaten? Ist die Loyalität sogar tot, wie es einige pessimistische Autoren schon befürchten?

    Nein, sagt BWL-Professor Peter Eberl. Doch damit der Begriff in der flexiblen, schnellen, dynamischen Arbeitswelt relevant bleibt, müsse sich seine Bedeutung wandeln. „Es gilt, eine neue Form der Loyalität zu finden, die nicht verlangt, dass man ein Leben lang im Unternehmen bleibt, sondern die weiter besteht, auch wenn man nicht mehr dort arbeitet.“

    Doch wie kann man den Mitarbeitern diesen neuen Deal schmackhaft machen? Loyalität basiert auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit. Angestellte fragen sich zu Recht, was für sie dabei herausspringt, wenn sie während ihrer Zeit in einer Firma mit großer Hingabe arbeiten und auch noch nach einem Jobwechsel als Alumni, Informant und Markenbotschafter erhalten bleiben.

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