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Die Schwierigkeiten täglicher Entscheidungen Gute Führungskräfte sind Schiedsrichter der Firma

Der Wirtschaftsprofessor Jürgen Weigand erklärt, was Führungskräfte mit Schiedsrichtern gemeinsam haben und wann sie bei Entscheidungen dem Bauchgefühl trauen können.

Deutschlands beste CEOs
Platz 20: Brian Sullivan Quelle: dpa
Platz 19: Wolfgang Reitzle Quelle: dapd
Platz 18: Stefan Wolf
Platz 17: Martin Winterkorn Quelle: dpa
Platz 16: Ulrich Wallin Quelle: dapd
Platz 15: Reto Francioni Quelle: Reuters
Platz 14: Wolfgang Grenke Quelle: Pressebild

WirtschaftsWoche: Herr Weigand, Hartmut Mehdorn ist neuer Chef des Berliner Flughafens. Der Aufsichtsrat musste für diese Entscheidung schon viel Schelte einstecken. Ist eine schlechte Entscheidung besser als keine Entscheidung?

Jürgen Weigand: Ob es wirklich eine schlechte Entscheidung ist, Hartmut Mehdorn zu berufen, kann ich nicht beurteilen. Manager können Entscheidungen nicht ewig aufschieben. Das ist wie beim Fußball. Der Schiedsrichter muss Freistöße geben, Gelbe Karten verteilen und Abseits pfeifen. Seine Entscheidungen sind mit Blick auf die Zeitlupe nicht immer optimal, aber er musste sie treffen.

Der Stratege - Wirtschaftsprofessor Jürgen Weigand im Interview mit der WirtschaftsWoche (zum Vergrößern bitte Bild anklicken) Quelle: Presse

Ob der Hickhack um den Flughafen Berlin oder das Opel-Werk in Bochum: Warum dauert es gerade in Krisenzeiten oft so lange, bis Führungskräfte Entscheidungen treffen?

In guten Zeiten sind Fehlentscheidung nicht so dramatisch. Da kann man schon mal wie ThyssenKrupp Milliarden in Brasilien versenken. Die Konsequenzen werden erst in der Krise deutlich – und davor schrecken Manager zurück. Allerdings muss man ihnen auch zugestehen: Entscheidungen zu treffen wird immer schwieriger.

Bei welchen Entscheidungen Vorstände und Aufsichtsräte nicht für Unternehmensschäden haften müssen

Warum?

Die Komplexität der Wirtschaftswelt hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. Früher waren die Unternehmen an ihrem Heimatmarkt aktiv und kannten sich dort aus. Heute haben sie auf der ganzen Welt Produktionsstandorte und Konkurrenz. Die Manager können nicht mehr alle Zusammenhänge überblicken und sind somit auf Berater angewiesen.

Sind Manager denn dazu in der Lage, diesen Kompetenzverlust zu akzeptieren?

Leider nicht. Eigentlich müssten gute Führungskräfte merken, wenn es nötig ist, sich Hilfe zu holen, und erkennen, dass man auch Entscheidungen delegieren kann. Aber sie tun es häufig nicht.

Woher kommt diese Einstellung?

Das liegt an der Erziehung in unserem Kulturkreis – vor allem bei männlichen Führungskräften. Sich helfen zu lassen gilt als Zeichen von Schwäche und Autoritätsverlust.

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