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Digitaler Wandel Unternehmen müssen von Startups lernen

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Ein digitaler Vordenker allein kann nicht richten

„Die Position des Digitalvorstands wird in Unternehmen zukünftig häufiger besetzt werden“, sagt Katharina Wolff, Gründerin der Personalberatung Premium Consultants, die sich auf die Digitalwirtschaft spezialisiert hat. „Im Gegensatz zum Chief Information Officer kümmert er sich nicht um die Technik, sondern gibt dem Unternehmen eine digitale Strategie und identifiziert Zukunftsmärkte.“

Weil Rewe-Chef Caparros weiß, dass es ein digitaler Vordenker alleine nicht richten kann, baut van Oosten eine eigene Einheit mit 50 Mitarbeitern auf – Rewe Digital. Den Sprung aus der Analog-Mannschaft in van Oostens Team haben nur wenige geschafft, ein Großteil seiner Mitstreiter ist unter 35 Jahre und neu bei Rewe, ihre Qualifikationen reichen vom Suchmaschinenoptimierer über den Entwickler bis hin zum Experten für digitales Marketing. Bislang mussten auf dem Weg in die digitale Zukunft noch keine Stellen gestrichen werden, der stationäre Handel bleibt zentrale Säule.

Mit diesen zehn Sätzen punkten Sie beim Arbeitgeber
Persönliche Motivation"Ich suche nach einer Herausforderung, bei der ich mich in ähnlicher Weise engagieren kann wie bei dem Unternehmen xyz. Außerdem wünsche ich mir ein Umfeld, in dem ich mich selbst weiterentwickeln kann." Quelle: Fotolia
Qualifikation"Ich bin mir sicher, dass ich auf einer Position mit einer solchen Entwicklungsperspektive langfristig sehr viel positiv bewegen und somit zum Unternehmenserfolg beitragen kann." Quelle: Fotolia
Beispiele für Fähigkeiten geben"Bei der Firma xyz konnte ich beweisen, dass ich Mitarbeiter gut motivieren kann. Der Krankenstand in meinem Team ist gesunken und die Fluktuation hat sich bei x Prozent eingependelt." Quelle: Fotolia
Was die Stärken dem Unternehmen bringen"Ich begegne Kunden fachlich auf Augenhöhe und erziele überdurchschnittliche Geschäftsabschlüsse, was sich für meinen Arbeitgeber in barer Münze bemerkbar macht." Quelle: Fotolia
Einzel- oder Teamplayer"Es ist wie im Sport: Manches geht nur mit einem guten Team, während es auch Disziplinen gibt, in denen nur der Einzelne gewinnen kann. Es kommt auf die gesteckten Ziele an, welcher Weg der bessere ist." Quelle: dapd
Neue Projekte umsetzen"Ich spiele mit Kollegen und Vorgesetzten gemeinsam einige Ansätze durch, dadurch lassen sich Ideen oft in eine praxisnähere Form bringen." Quelle: Fotolia
Schwächen zugeben und daran arbeiten"Ich kann sehr direkt sein und bringe die Dinge gern auf den Punkt. Ich habe mir aber angewöhnt, mehr zu hinterfragen und anderen mehr Zeit zu geben." Quelle: Fotolia

Arvato-Chef Berg beförderte mit seinem Logistikchef Frank Schirrmeister gerade ein Urgestein der Belegschaft in den Vorstand – der 49-Jährige arbeitet seit 20 Jahren im Unternehmen, hat sich über Jahre im E-Commerce Meriten erworben, zuletzt die digitale Auslieferung des Microsoft-Betriebssystems Windows 8 erfolgreich verantwortet. „Wer mitzieht, wird belohnt“, lautet Bergs Botschaft an die Belegschaft. Und wer sich dem Wandel verweigert, muss schon mal gehen – so wie der bisherige Leiter des Bereichs elektronische Kundenkarten, von dem sich Arvato gerade getrennt hat. „Auf einen Schlag das komplette Führungsteam auszutauschen ist falsch. Das destabilisiert das Unternehmen“, bestätigt auch Personalberaterin Wolff. „Aber ohne personelle Einschnitte geht es selten.“ Denn nicht alle sind zu einem Wandel bereit. Der Vorstandsvorsitzende des Fachverbandes Change Management, Hans-Werner Bormann, geht davon aus, dass 15 Prozent der Mitarbeiter sich dem Wandel verweigern, wiederum 15 Prozent sind Veränderungen extrem aufgeschlossen. Die restlichen 70 Prozent gelten als Zaunsitzer, die erst einmal abwarten und beobachten. „Die gilt es zu überzeugen“, sagt Bormann. „Wenn ein Unternehmen es schafft, 25 bis 30 Prozent der Zaunsitzer auf die veränderungsbereite Seite zu ziehen, dann folgt meistens auch der Rest.“

Know-How durch Start-Ups

Ob einer zu den Verweigerern zählt, sei aber keine Frage des Alters, sagt Willms Buhse, Autor des Buchs „Management by Internet“. Er erinnert sich an eine Veranstaltung eines großen Fotostudios vor gut zwei Jahren. „Wir haben die Mitarbeiter auf die Bühne gestellt, die schon länger digital fotografierten“, sagt Buhse. „Sie zeigten der restlichen Mannschaft, was mittlerweile alles möglich ist. Das bringt mehr, als wenn der Chef den notwendigen Wandel predigt.“ Unter den Digitalfans waren alle Altersklassen vertreten. „Es kommt nur darauf an, wie flexibel man im Kopf ist.“

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