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Digitaler Wandel Unternehmen müssen von Startups lernen

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Wer stehen bleibt, muss gehen

So rechnen 60 Prozent der Telekommunikationsunternehmen bis 2020 mit einer deutlichen Veränderung ihres Geschäftsmodells. Bei den Handelsbetrieben sind es 28 Prozent, im Energiesektor 50 Prozent – das ergab eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG (siehe Grafik). Wie schwer der Weg in die digitale Transformation sein kann, zeigte gerade der Vorschlag des „Spiegel“-Chefredakteurs Wolfgang Büchner: Alle Ressortleiter sollen künftig Print und Online zusammen verantworten, für diesen Umbau sollen innerhalb der nächsten zwei Jahre alle Chefposten neu ausgeschrieben werden. Die klare Botschaft: Wer sich der Veränderung widersetzt, muss gehen. Für die mächtige Mitarbeiter KG offenbar undenkbar – sie votierte gegen Büchners Pläne. Was also ist das richtige Maß zwischen radikalem, auch personellem Umbau und der Neubesetzung einzelner Schlüsselpositionen?

Mit diesen Events locken Unternehmen Studenten
Job Ad PartnerDie Berliner Agentur für Personalmarketing verteilt zum Valentinstag Eintrittskarten für ein Vorstellungsgespräch. Zwölf Stellen bietet das Unternehmen an. Wem die Mitarbeiter von Job Ad Partner auf der Straße eine Valentinskarte in die Hand drücken, kann diese entweder selbst ausfüllen oder sie weiterverschenken. Auf der Rückseite stehen sieben Stellenangebote zur Auswahl – vom Verkäufer über den Kundenberater bis hin zum Außendienstmitarbeiter. Nun können sich Interessierte unter dem Stichwort Valentinstag und Angabe der gewünschten Position bei der Agentur melden. Das Vorstellungsgespräch ist in diesem Fall garantiert. Quelle: Presse
Auf hohe See geht es seit September 2012 mit der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers. Auf bisher vier Segeltörns unter anderem in der Nordsee und im Atlantik konnten Studenten gemeinsam mit PwC-Mitarbeitern ein Abenteuer erleben und das Unternehmen kennen lernen. Ab September stehen drei weitere Törns im Mittelmeer an: Rund um Mallorca, Ibiza und Sardinien. Quelle: Presse
HenkelÜber Barcelona, Amsterdam und Warschau führten die bisherigen Stationen der "Henkel Innovation Challenge", bevor es dieses Jahr im März nach Shanghai ging. Schon zum sechsten Jahr in Folge sind beim Wettbewerb des Chemiekonzerns Henkel internationale Studenten mit Konzepten für fiktive Zukunftsprodukte gegeneinander angetreten. Zuletzt waren es in China Zweier-Teams aus 18 Ländern. Mit dem diesjährigen Sieg der deutschen Teilnehmer wird das internationale Finale 2014 in der Düsseldorfer Zentrale stattfinden. Ab Herbst können sich Interessierte hier bewerben. Quelle: PR
Peek&CloppenburgWährend der Beachvolleyball-Europameisterschaft im August 2013 am österreichischen Wörtehrsee, richtet das Modehaus Peek&Cloppenburg (P&C) eine " Karriere-lounge" auf einem Boot ein. Dabei können Studenten und Absolventen zwei Tage lang das Unternehmen und seine Mitarbeiter kennen lernen, sowie den Wörthersee und das Sportevent genießen. Außerdem hat P&C passend zum Anlass mit Nik Berger einen Beachvolleyball-Europameister von 2003 eingeladen, um einen Vortrag über Leistung und Herausforderungen im Sport zu halten. Quelle: dpa
McKinseyWie die Arbeit einer Unternehmensberatung aussieht, hat McKinsey Studenten und Doktoranden im August in Barcelona vermittelt. Dorthin lud die Beratungsgesellschaft für einen viertägigen Workshop ein. Die Teilnehmer sollten eine Strategie für eine Krankenkasse entwickeln, dazu Klienten- und Experteninterviews führen und am Ende eine Jury von ihren Lösungskonzepten überzeugen.
BoschSpeziell an Frauen richtet sich im Juli 2013 der Bewerbungsevent " Meet Bosch" im Residenzschloss Ludwigsburg. Hierbei geht nicht allein ums bloße Kennenlernen von Unternehmen und Studentin, sondern auch um ganz konkrete Stellen im Junior Managers Program von Bosch. Zwei Tage lang können die Teilnehmerinnen die Bosch-Personaler im Schloss von sich überzeugen. Quelle: dpa
Ernst & YoungAuf der Suche nach zukünftigen Steuerexperten ist die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young mit ihrem Studentenwettbewerb " Young Tax Professional of the year". Wer die Hürden der schriftlichen Bewerbung, des 100-minütigen Online-Tests und des nationalen Fallstudien-Wettstreits in Düsseldorf gemeistert hat, kann sich Ende August mit den besten Teilnehmern aus 26 Ländern in Kopenhagen messen. Wer dort die Fallstudien und Fachfragen einer Jury am besten löst, kann eine 30-tägige Weltreise mit Besuchen von Ernst & Young in London, Washington oder Hongkong antreten. Quelle: dapd

Siemens-Chef Joe Kaeser etwa kündigte im Mai an, 11.600 Stellen zu streichen. Der Konzern lege seinen Fokus jetzt auf die Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung. Unternehmensteile, die nicht zum Kerngeschäft gehören, sollen abgestoßen werden. Vermutlich inklusive diverser Führungskräfte: Zum 1. Oktober soll der bürokratische Überbau in Form der vier Sparten Energie, Medizintechnik, Industrie sowie Infrastruktur & Städte wegfallen und das Geschäft in 9 statt bisher 16 Divisionen gebündelt werden.

Und was nützt auf Dauer ein charismatischer Verkäufer an der Spitze, wenn er das Gespür für neue Märkte und Trends verloren hat? Der impulsive Microsoft-Chef Steve Ballmer etwa verkündigte seinen Abschied, nachdem er wichtige Entwicklungen bei Smartphones und Cloud unterschätzt hatte. Ihm folgte der zurückhaltende Computer-Nerd Satya Nadella auf den Chefsessel, der zuletzt das zukunftsträchtige Cloud-Geschäft verantwortete. „Vielleicht bin ich das Symbol einer alten Zeit, und ich muss mich weiterentwickeln“, begründete Ballmer im Gespräch mit dem „Wall Street Journal“ sein Ausscheiden. „Für Microsoft ist es das Beste, eine neue Ära zu beginnen. Und dafür braucht es einen neuen Kopf, der den Wandel beschleunigt.“

Die drei häufigsten Fehler bei Veränderungen

Ähnlich erging es dem Gründer des Spieleentwicklers Zynga: Mark Pincus setzte noch unverdrossen auf Facebook-Spiele, als der Trend schon längst in Richtung Smartphone zeigte. Heute ist der ehemalige Xbox-Manager Don Mattrick Chef des Unternehmens, das durch Spiele wie Farmville bekannt wurde. „Gerade in Schlüsselpositionen kommt es häufig vor, dass jemand gehen muss, weil ein anderer besser für diese Aufgabe qualifiziert oder aufgeschlossener ist“, sagt Personalberater Dwight Cribb, der sich auf die Besetzung von Führungskräften mit Digitalkompetenz spezialisiert hat.

„Bei solchen Veränderungen brauchen die Unternehmen dann Know-how von außen – das schaffen sie nicht durch Weiterbildung der Mitarbeiter“, sagt er. Bei Rewe soll es Jean-Jacques van Oosten richten. Im vergangenen Dezember holte ihn CEO Alain Caparros als Chief Digital Officer – seine Aufgabenliste ist umfangreich: Den Online-Handel soll er ausbauen, die stationären Märkte mit dem Internet verquicken, onlinebasierte Geschäftsmodelle für die Touristiksparte entwickeln, zu der unter anderem die Reisebürokette Dertour gehört. Kurz: das Kölner Unternehmen für seine digitale Zukunft auf Kurs bringen und richten, was andere verpasst haben. Defizite, die auch Rewe-Chef Caparros einräumt. „Uns als stationär geprägten Händlern fehlt die DNA für das E-Commerce-Geschäft“, sagte er 2013 in einem Interview mit der WirtschaftsWoche. Deshalb hat er den Experten van Oosten angeheuert, der 17 Jahre lang im IT- und E-Commerce-Bereich, unter anderem für die britische Handelskette Tesco, tätig war.

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