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Digitalisierung Der alte Führungstyp hat ausgedient

Der neue Chef ist nahbarer und kommunikativer als früher - und er gibt auch Führungsaufgaben aus der Hand. Quelle: Fotolia

67 Prozent aller Fachkräfte meinen, ihr Vorgesetzter sei nicht gut für die Zukunft gerüstet. Stehen Führungskräfte Innovationen im Weg? Fakt ist: Die Führungskraft von morgen benötigt mehr als nur Durchsetzungsvermögen.

Bei Diskussionen über die Digitalisierung gibt es zwei Thesen, die nahezu immer in den Raum gestellt werden. Die erste These lautet: Die Digitalisierung wird kommen. Die zweite: Die Digitalisierung wird vieles verändern. Beide Behauptungen haben eines gemeinsam: Sie sind falsch. Zum einen ist die Digitalisierung schon längst da. Zum anderen wird sie nicht vieles verändern – sie verändert fast alles.

Die sich wandelnden Märkte zwingen Unternehmen dazu, ihre Organisationsstrukturen neu zu denken. Vor allem Führungskräfte müssen sich neu aufstellen. Dieser Meinung sind auch ihre Mitarbeiter: Sechs von zehn Fachkräften glauben, dass das aktuelle Verhalten ihrer Vorgesetzten nicht geeignet sei, um schnell auf neue Marktdynamiken zu reagieren. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das StepStone Research Team zusammen mit Kienbaum durchgeführt hat.

Doch welche Skills müssen Führungskräfte im Zuge der Digitalisierung besitzen? Und welches neue Rollenverständnis ergibt sich dadurch für die Mitarbeiter? Eine Antwort darauf ist das Prinzip der geteilten Führung (Shared Leadership). Gemeint ist die Idee, Team-Mitgliedern einzelne Führungskompetenzen oder temporär gar die gesamte Führung eines Projekts zu übergeben. Hierarchien werden dadurch flacher, Autoritäten dezentralisiert.

Während Mitarbeiter eines Teams gemeinsam eigene Meilensteine definieren, wechseln Führungskräfte in die Rolle des Navigators. Sie sind dadurch zwar weiterhin fest in die Arbeitsprozesse des Teams integriert, verantworten aber in erster Linie die Zusammenstellung ihrer Teams und schaffen dadurch neue Organisationsstrukturen. Genau diese neuen Strukturen sind notwendig: Die Stepstone-Analyse zeigt, dass acht von zehn Fachkräften in einem selbstverantwortlichen Team arbeiten wollen und eine möglichst selbstbestimmte Arbeitsweise präferieren. Die Absicht, innerhalb einer stark hierarchisch geprägten Organisation möglichst schnell die Karriereleiter zu erklimmen, äußern heutzutage nur noch sehr wenige Fachkräfte. Stattdessen wünschen sie sich mehrheitlich mehr Entscheidungskompetenzen und Freiheiten bei der Arbeitsplatz- und Arbeitszeitgestaltung.

Für Vorgesetzte ergibt sich dadurch ein völlig neues Rollenverständnis. Die Führungskraft von morgen überzeugt weder mit Durchsetzungsvermögen noch mit Allwissenheit. Sie muss vielmehr die Fähigkeit besitzen, einzelne Kompetenzen der Mitarbeiter schnell zu erkennen und miteinander zu verknüpfen. Das Credo „Wissen ist Macht“ bleibt zwar bestehen. Aber da das Fachwissen nicht allein bei der Führungskraft, sondern bei den Projektteams liegt, kommt es zu einer Verteilung der Macht. Der Einfluss kumuliert nicht an der Spitze eines Teams, sondern wandert in sich ständig wechselnde Netzwerkknoten.

Digitalisierung heißt Beschleunigung – und zwar auf allen denkbaren Ebenen. Pläne, Aufgaben und Projekte, die bislang eher langfristig ausgelegt waren, erfordern nun immer häufiger eine kurzfristige Nachjustierung. Führungskräfte müssen die Fähigkeit besitzen, kurzfristige Änderungsprozesse ausreichend zu moderieren und kommunikativ stark aufzutreten. Ein permanenter Dialog mit Mitarbeitern wird unumgänglich, um sich ständig wechselnden Rahmenbedingungen anzupassen und schnelles Feedback zu erhalten. Gleichzeitig wird der Dialog künftig zur vielleicht größten Herausforderung für Führungskräfte. Denn mit der Digitalisierung werden auch die Möglichkeiten flexibler Arbeitsplätze zunehmen. Managern wird der unmittelbare Zugriff auf ihre Mitarbeiter dadurch erschwert.

Eine ganz klassische Fähigkeit guter Mitarbeiterführung wird jedoch auch in Zukunft bedeutend bleiben: die Empathie. Die Ergebnisse einer weiteren StepStone-Studie zeigen, dass neun von zehn Fachkräften ein guter Chef wichtig ist für die eigene Jobzufriedenheit. Mehr als die Hälfte aller Befragten haben sogar schon einmal den Job wegen einer Führungskraft gewechselt. Auf seine Mitarbeiter einzugehen, sie zu verstehen und ihnen Orientierung zu geben, können und werden Big Data sowie modernste Technologien nicht leisten. Man könnte auch sagen: Persönlichkeit lässt sich nicht digitalisieren.

Sebastian Dettmers ist Geschäftsführer der Online-Jobplattform Stepstone.

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