Digitalisierung erfolgreich meistern "Das Denken auf den Kopf stellen"

Die Digitalisierung ist eine der größten Herausforderungen für Unternehmen. In einem Gastbeitrag empfiehlt Telekom-Manager Hagen Rickmann Mittelständlern eine Strategie in sechs Schritten.

Mittelständische Unternehmen sollten so viele Prozesse digitalisieren wie möglich Quelle: dpa

Reichen acht Bar bei 40 Tonnen Ladung? Für Spediteure eine wertvolle Frage. Denn je präziser der Reifendruck, desto niedriger der Spritverbrauch. Sparpotenzial: mehrere 10.000 Euro, pro Jahr. Kunden des Anhänger-Herstellers Schmitz Cargobull finden die Antwort auf ihrem Smartphone – dank Trailer Connect. Das Telematik-System misst Daten wie Reifendruck, Bremsenverschleiß oder Feuchtigkeit im Laderaum. Und berechnet, wann die Ladung am Ziel ist. Damit verhilft der Mittelständler seinen Kunden zu mehr Wirtschaftlichkeit, steigert seinen Umsatz und sichert sich Europas Marktführerschaft. Warum? Weil er sein fast 125 Jahre altes Kerngeschäft weiterentwickelt hat – vom Anhänger-Hersteller zum digital basierten Dienstleister. Also verstanden hat, welche Richtung Unternehmer einschlagen müssen, um heute erfolgreich zu sein: Mit Mut voran gehen und die Digitalisierung als Chance für Wachstum ergreifen.

Traditionelles Geschäft digital weiterdenken

So wie Schmitz Cargobull agieren viele deutsche Mittelständler: etwa die Hotelkette B&B mit europaweit mehr als 80 Filialen, die über eine Cloud-Lösung digitales Ein- und Auschecken ermöglicht und die Basis für die eigene Expansion absichert. Auch die Metzgerei Böbel aus Franken, die per Online-Shop Leberwurst bis nach Jamaica vertreibt. Oder der niedersächsische Logistiker BAS, der sich nach 40 Jahren vom Hersteller mobiler Baustellen-Sicherungsschilder zum Anbieter digitaler Verkehrsmanagementsysteme entwickelt hat. Was diese Unternehmen eint?  Sie haben traditionelle Geschäftsmodelle erfolgreich digital weitergedacht. Wie? Indem sie ihr Denken auf den Kopf gestellt haben und nicht eigene Bedürfnisse ins Zentrum stellen – sondern die ihrer Kunden.

Zur Person

Zweite Halbzeit der Digitalisierung

Beispiele wie diese sind es, die mich überzeugen: Unternehmen, die auf Digitalisierung setzen und Kunden zuhören, steht die Tür zu profitablem Wachstum weit offen. Genau zum richtigen Zeitpunkt, denn die zweite Halbzeit der Digitalisierung startet jetzt – im Spielfeld der Geschäftskunden. Eine große Chance für Europa und den Wirtschaftsstandort Deutschland mit seinem starken industriellen Kern. Damit Unternehmen 2016 viele digitale Treffer gelingen, kommt es auf sechs Dinge an:

1. Digitalisierung als Wachstumschance begreifen

Tun Sie Digitalisierung nicht länger als akademische Fingerübung ab oder verteufeln sie gar als Darwinsche Drohkulisse. Sondern begreifen Sie den digitalen Wandel als reale Chance für Weiterentwicklung und Wachstum.

2. Mutig voran gehen

Unternehmer sollten auch im digitalen Zeitalter das tun, was sie immer ausgezeichnet hat: Mutig voran gehen, ihr traditionelles Geschäft aus neuer Perspektive betrachten, daraus neue Marktchancen ableiten. Und digitale Technologien als zeitgemäße Katalysatoren für diesen Schritt nutzen. So wie es jeder zweite deutsche Mittelständler bereits tut, für die laut einer aktuellen Befragung der Wirtschaftsprüfung EY digitale Technologien bei der Entwicklung ihres Geschäftsmodells eine „mittelgroße bis sehr große Rolle“ spielen.

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