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Digitalisierung Wer bremst eigentlich beim digitalen Wandel?

Finanzabteilungen sollen digitale Projekte bezahlen, deren Erfolg niemand garantieren kann. Return on Investment? Vielleicht. Doch Finanzvorständen zufolge ist es etwa anderes, was der Digitalisierung im Weg steht.

Schuld am Stillstand sind immer die anderen. Quelle: Fotolia

Wer sein Unternehmen fit für die digitale Zukunft machen will, muss vor allem mutig sein und auch mal etwas ausprobieren, sagen sämtliche Experten. Die Kosten für diese Experimente können sich amortisieren, müssen es aber nicht. Ausprobieren heißt schließlich auch, dass etwas schief gehen kann. Das teure Projekt, an dem gerade ein Großteil der Belegschaft tüftelt und das erste Priorität hat, kann sich in ein paar Wochen als Fehlgriff erweisen. Entsprechend gute Nerven und viel Geduld brauchen die Finanzvorstände (CFOs), die die Etats für diese Zukunftsexperimente freigeben (müssen).

"CFOs besetzen eine Schlüsselrolle im Unternehmen und übernehmen immer mehr Verantwortung. Als Zahlenspezialisten haben sie die strategischen Schaltstellen mit der voranschreitenden Digitalisierung zunehmend besser im Blick", sagt Sven Hennige, Senior Managing Director bei dem Personaldienstleister Robert Half.

Sein Unternehmen hat 200 Finanzleiter in Deutschland befragt, wie sie die Digitalisierung in ihrem Unternehmen wahrnehmen, welche Herausforderungen und Hürden sie wahrnehmen und welche Rolle die Finanzabteilungen bei der digitalen Transformation spielen.

Um die Finanzabteilung für die künftigen strategischen Herausforderungen im Unternehmen optimal aufstellen zu können, wünschen sich die CFOs vor allem mehr Veränderungsbereitschaft (34 Prozent). Und das ist das Spannende daran. Diese fehlende Veränderungsbereitschaft beklagen nämlich alle, die zum Thema Digitalisierung befragt werden. Die Führungskräfte beschuldigen die Mitarbeiter, sich nicht umstellen zu wollen und umgekehrt, die IT-Abteilung kritisiert die knauserige Finanzabteilung und die wiederum die analoge Geschäftsführung - die sich ja verändern würde, wenn alle anderen nur nicht so stur wären. Egal wen man fragt - es sind immer die anderen.

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Bei einer Befragung der Digitalberatung etventure unter den 2000 Großunternehmen in Deutschland, deren Jahresumsatz 250 Millionen Euro oder mehr betrug, gaben 65 Prozent der Befragten an, dass die hauseigene Digitalisierung an der Borniertheit der anderen scheitere. 65 Prozent sagten: "Verteidigung bestehender Strukturen verhindert Veränderungen".

Zum gleichen Ergebnis kamen zig Befragungen. Es liegt an Grabenkämpfen, irgendeine Abteilung im Unternehmen bremst anscheinend immer. Wenn man davon ausgehen kann, dass eine solch grundlegende Veränderung des gesamten Unternehmens Chefsache ist, ist das schon erstaunlich. Außerdem würde es bedeuten, dass die Mitarbeitermitbestimmung soweit gediehen ist. dass jede Abteilung in der Lage ist, durch ihren Unmut zu Veränderungen die komplette Unternehmensentwicklung zu stoppen.

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Eine solche Blockadehaltung ist nicht nur schwer vorstellbar - vermutlich dürften sich die Bremser auch nach einem neuen Arbeitsplatz umsehen. Dass es aber ausgerechnet bei der digitalen Transformation von Unternehmen so sein soll, dass der CEO die Digitalisierung anordnet, der Vorstoß aber daran scheitert, dass beispielsweise der Vertrieb keine Lust auf einen Online-Shop oder ein mobiles Angebot hat, klingt doch sehr unwahrscheinlich.

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