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Einblick
Quelle: Fotolia

Schafft endlich den Bonus ab!

Kanzlerin Merkel wundert sich, dass die Vorstandsbezüge bei VW trotz Dieselkrise steigen. Kein Führungsinstrument richtet so viel Schaden an wie der individuelle Bonus. Es ist Zeit für sozialverträgliche Anreizsysteme.

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Das Klischee hat sich tief in die Köpfe der Deutschen eingebrannt. Investmentbanker stehen auf Koks, Champagner und Gel im Haar.

Sie sprechen Macho-Dialekt, spielen Golf und halten sich für die Masters of the Universe. Sie gehen die fahrlässigsten Finanzwetten ein, um am Ende des Jahres ihre variable Vergütung noch höher zu schrauben – egal, ob die Bank daran zwei Jahre später zugrunde geht. Hauptsache, der neue Lamborghini steht pünktlich in der Garage.

Branchenveteranen wie Deutsche-Bank-Chef John Cryan kennen dieses Klischee – und wissen auch, dass es ebenso plump wie wahr ist. Zumindest war es das bis vor zehn Jahren, als die Finanzkrise über die Welt hineinbrach. Bonusgesteuerte Zocker verkauften rund um den Globus hübsch verpackte US-Ramschhypotheken – bis die Blase platzte.

Es war der Moment, als das Wort Bonus zum Unwort mutierte. Für Systemkritiker zum Inbegriff eines ungezügelten Kapitalismus, der alle mit in den Abgrund reißt. Die Entfremdung zwischen Basis und Elite nahm ihren Lauf. In der Schweiz ging das so weit, dass die „Abzocker-Initiative“ wenige Jahre später vom Wähler angenommen wurde. Die Aktionärsrechte sollten gestärkt werden, um künftige Exzesse der Manager zu verhindern. Gebracht hat es wenig. Noch heute zahlen Schweizer Firmen mitunter astronomische Gehälter – so wie andere überall auf der Welt auch.

Das hat eine simple Ursache. Im Kartell der Großverdiener ist die Botschaft der Basis nicht so richtig angekommen. Aktionäre und Aufsichtsräte greifen selten durch, weil sie im Zweifel selbst von diesem System profitieren. Dabei soll selbstverständlich jeder Mensch, der viel kann und viel arbeitet, auch viel verdienen.

Das Leistungsprinzip ist frei nach Churchill die schlechteste Lösung, abgesehen von allen anderen. Doch Vergütung muss verhältnismäßig und nachvollziehbar sein, die richtigen Anreize setzen sowie Team- und Kundenzufriedenheit berücksichtigen. Oft sollten Boni aber ganz abgeschafft werden, weil sinnvolle Kriterien fehlen – oder es intelligentere Lösungen gibt. Andernfalls verstärken sich Marktverdrossenheit und Staatsgläubigkeit, was sich auch im Koalitionsvertrag der neuen GroKo widerspiegelt.

Wer nicht noch mehr Regulierung will, muss zeigen, dass er mit der wirtschaftlichen Freiheit umgehen kann. Wenn einer wie John Cryan nur unter Druck die Bonusparty für seinen Vorstand abbläst, beweist das leider das Gegenteil. Eine Belohnung für ein Verlustjahr – selbst wenn es Trumps Steuerreform geschuldet ist – lässt sich für Normalverdiener nun mal schwer nachvollziehen. Ähnliches gilt für die Millionenboni der Volkswagen-Spitze. Der Frust der Dieselfahrer war offensichtlich kein Kriterium.

Was so mancher Manager vergisst: Normalverdiener und Dieselfahrer sind auch Wähler in einer Demokratie, die die Grenzen des wirtschaftlichen Handelns bestimmt. Sind diese zu eng abgesteckt, gibt es irgendwann nichts mehr zu verdienen. Das kann ja keiner ernsthaft wollen. Ein bisschen Champagner darf ruhig fließen.

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