Eine Verteidigungsministerin unter Druck Fünf Tipps, wie Ursula von der Leyen diese Krise übersteht

Die Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen kann es aus einer ihrer schwersten Krisen schaffen – wenn sie den richtigen Weg wählt.

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen Quelle: dpa

„Bei uns geht es ums Weiterkommen“, heißt es in einer Werbekampagne der Bundeswehr, „nicht nur ums Stillstehen.“ Derzeit sieht es allerdings eher nach Stillstand aus. Schlimmer noch: In Einzelfällen wird sogar in eine völlig abwegige Richtung marschiert. Darauf weisen die jüngsten Skandale hin. Mal geht es um den Betrug in Flüchtlingsheimen, mal um rechtsextreme Strömungen und rechtskriminelle Taten innerhalb der Truppe, mal um krasse Entgleisungen von einzelnen Führungskräften und Beschäftigten. Die Bundeswehr soll ein Spiegel der Gesellschaft sein. Das nimmt die Truppe derzeit anscheinend wörtlich: Manches gesellschaftliche Problem verdichtet sich bei ihr aktuell wie unter einem Brennglas.

Um es bildlich auszudrücken: Eine kulturelle Transformation ist keine schnelle, gerade, leicht befahrbare Straße mit viel Rückenwind. Sondern ein steiniger, mitunter hügeliger und langer Weg.

Aber wie kann die Bundeswehr diesen Weg gehen? Was muss die Verteidigungsministerin tun? Und wie muss ein gesellschaftliches Umfeld agieren, um diese Transformation erfolgreich zu gestalten?

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Ursula von der Leyen kann es aus einer ihrer schwersten Krisen schaffen – wenn sie diese fünf Tipps beachtet.

1. Geduld haben

Der kulturelle Wandel der Bundeswehr ist keine Aufgabe für eine Legislaturperiode. Kultur kann man nicht verordnen, Kultur ist einfach da. Momentan entsteht in der öffentlichen Debatte der Eindruck, als fehle es der Bundeswehr an einer Organisationskultur.

Das ist falsch.

Die Bundeswehr hat wie jede andere Organisation und wie jedes Unternehmen eine Kultur. Sie ein gewachsenes Konglomerat von Werten und Haltungen, von Tradition und Praxis. Sie lässt sich nicht auf einen einfachen Begriff bringen und besteht eher unausgesprochen. Sie ist nicht transparent, aber vorhanden.

Die Baustellen der Verteidigungsministerin
Die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen steht wegen der Affäre um den rechtsextremen Offizier Franco A. unter Druck. Während sie von Seiten der Opposition und der SPD harte Kritik einstecken muss, sichert ihr die Kanzlerin
Bundeswehr-Personal Quelle: dpa
Skandale Quelle: dpa
Ausrüstung Quelle: dpa
Mängel Quelle: REUTERS
Das größte Sorgenkind ist das Transportflugzeug „A400M“ - rund neun Jahre ist dessen Auslieferung verzögert. Bislang besitzt die Bundeswehr acht von insgesamt 53 beim Hersteller Airbus bestellte Maschinen. Doch ist selbst deren Einsatz nicht uneingeschränkt möglich. Quelle: dpa
Einsätze Quelle: dpa

Diese Kultur zu erkennen und dann zu verändern ist eine Aufgabe, mit der sich die Verteidigungsministerin und ihre eventuellen Nachfolger nicht nur in der nächsten, sondern auch den darauf folgenden Legislaturperioden beschäftigen müssen.

Kultureller Wandel braucht Zeit, da sich die Kultur einer Organisation stark über die Haltung, die Werte und Einstellung ihrer Führungskräfte und Beschäftigten entwickelt und daran orientiert. Diese zu verändern, wird Jahre dauern.

Es wäre unsinnig, Ursula von der Leyen an den Erfolgen der kulturellen Transformation in den nächsten Monaten zu messen. Vielmehr muss sie sich daran messen lassen, wie sie das Projekt „Kulturelle Transformation“ aufsetzt, steuert und ihm Verbindlichkeit über Amtszeiten hinaus gibt.

2. Mitarbeiter berücksichtigen

Der Wandel geht nur mit und nicht gegen die Bundeswehr. Natürlich erwartet die Öffentlichkeit eine angemessene Reaktion auf akute Störfälle in der Bundeswehr. Genauso wie die Mitarbeiter der Bundeswehr selbst auch.

Ein kultureller Wandel wird jedoch nur dann gelingen, wenn es ein gemeinsames Projekt der obersten Führung und allen Beschäftigten wird. „Führung aus der Mitte“: Was Frau von der Leyen für Deutschlands Rolle in der Welt empfiehlt, muss sie jetzt auch in der Bundeswehr praktizieren.

Dazu gehört neben einer direkten, also nicht medial übermittelten, Kommunikation auch eine differenzierte Betrachtung der Bundeswehr und ihrer Beschäftigten. Die empörte Reaktion der Bundeswehr und ihrer Interessenvertretung auf die deutliche Kritik von der Leyens war vorhersehbar. Trotzdem kann sie der Ausgangspunkt für einen gemeinsamen Weg sein.

Von der Leyen muss anders kommunizieren. Sie muss direkter und wertschätzender werden. Hauptadressat der Kommunikation darf nicht die Öffentlichkeit sein, auch nicht die einzelnen toxischen Personen mit kruden Vorstellungen oder betrügerischem Verhalten. Hauptadressat müssen vielmehr die zehntausend Beschäftigten sein, die ein großes Interesse an der Weiterentwicklung der Bundeswehr haben.

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