Entscheidungsfreude Singles sind die erfolgreicheren Manager

Wer Familie hat, stellt die Verantwortung für Kinder und Partner über Abenteuer und Nervenkitzel. Dieses Phänomen lässt sich auch bei Managern beobachten: Ledige treffen andere Entscheidungen - und haben mehr Erfolg.

Der ehemalige Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen gehört zu den erfolgreichen Solo-CEOs. Quelle: dpa

Es ist ein bekanntes Phänomen aus der Biologie: Junge Männchen, egal welcher Spezies, sind draufgängerischer und aggressiver als das Rudeloberhaupt mit Familienanhang. Das lässt sich auch bei Menschen gut beobachten. Während junge Menschen bereit sind, viele Risiken einzugehen, lassen es ältere Semester eher ruhiger angehen. Und auch der Familienstand entscheidet darüber, wie wir uns verhalten: "Ob wir verheiratet sind oder nicht, beeinflusst unsere persönlichen Präferenzen", schreibt der Assistenzprofessor Nikolai Roussanov von der Universität Pennsylvania im Vorwort zu seiner Studie "Marriage and Managers’ Attitudes to Risk".

Das kann jeder, der Partner und Kinder hat, bestätigen. Wer für eine Familie verantwortlich ist, geht in der Regel eher Fußball spielen, als zum Bungee-Jumping und kauft vielleicht eher mal ein Lottolos als sein Geld im Kasino zu verzocken. Schließlich haben Ehepartner einander gegenüber eine gewisse Verantwortung. Für Eltern gilt das Verantwortungsprinzip erst Recht.

Der beste Rat meines Lebens
Guter Rat ist teuer Quelle: WirtschaftsWoche Online
Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: In andrer Glück sein eignes findenIch war noch ein Junge, als mir mein Vater das Gedicht von Christoph Martin Wieland aufschrieb: „In andrer Glück sein eignes finden, ist dieses Lebens Seligkeit. Und andrer Menschen Wohlfahrt gründen, Schafft göttliche Zufriedenheit.“ Seine tiefe Weisheit hab ich erst in der Finanzkrise vollständig erfasst. Unternehmen haben eine gesellschaftliche Aufgabe: sozialen Mehrwert zu schaffen. Die erste Aufgabe von Managern ist es, Gewinn zu erwirtschaften. Aber nicht des Gewinnes selbst wegen, der ist nur Mittel zum Zweck, damit das Unternehmen wachsen und neue Produkte entwickeln, Arbeitsplätze schaffen und Steuern zahlen – kurz Wohlfahrt gründen – kann. Quelle: dpa
Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner: Wenn du es eilig hast, nimm einen UmwegAls ich darüber grübelte, was wohl das richtige Studium wäre, um ein berühmter Journalist zu werden und mir mein gesamter Bekanntenkreis und alle Profis rieten, Publizistik zu studieren, fragte ich zur Sicherheit noch Artur Joseph, Journalist und väterlicher Freund meiner Mutter. Er sagte: „Es ist egal, was du studierst, nur ein Fach auf keinen Fall: Publizistik“. Ich war verwirrt: „Aber das ist doch der direkte Weg?“ „Und deshalb ist es falsch. Wenn du es eilig hast, mach einen Umweg“. Er fragte mich, worüber ich am liebsten schreibe. Ich studierte Musik, Literatur und Theater. Zwei Jahre später war ich freier Musikkritiker bei der FAZ. 20 Jahre später CEO von Axel Springer. Quelle: dpa
Henkel-Chef Kasper Rorsted: Mach es richtigMein Vater sagte mir schon als Teenager: Man kann als Schüler kein gutes Abitur machen, wenn man zehn Jahre in der Schule schläft, und auch an der Universität keinen guten Abschluss erzielen, wenn man erst kurz vor den Prüfungen anfängt, ernsthaft zu arbeiten. So ist es auch im Geschäftsleben. Es wird kein erfolgreiches Geschäftsjahr geben, wenn schon die ersten zwei Quartale schlecht gelaufen sind. Wenn man sich entschieden hat, etwas zu tun, dann natürlich auch richtig. Quelle: dpa
Allianz-Chef Michael Diekmann: Eine kleine Lüge wird immer größer„Eine kleine Lüge wird immer größer“, das war der beste Rat, den ich bekommen habe. Immer wieder habe ich erlebt, dass Unwahrheiten ihren Schöpfer einholen und womöglich übermannen. Deshalb rate ich zur Aufrichtigkeit. Nicht nur privat; beruflich erst recht. Ich finde es künstlich, die zwei Bereiche unter diesem Aspekt zu unterscheiden. Wenn ich beruflich handle, tue ich dies als Person. Quelle: dpa
UBS-Chef Sergio Ermotti: Der beste Rat ist der, den man sich holtFragen Sie andere um Rat, wenn Sie nicht weiterwissen. Das ist kein Zeichen von Schwäche, im Gegenteil. Aber wählen Sie Ihre Berater sorgfältig aus. Und messen Sie die Qualität der Ratschläge stets daran, ob und wie gut diese auf Ihre eigenen Bedürfnisse und Ziele zugeschnitten sind. Dies zu beurteilen kann Ihnen kein Berater abnehmen. Quelle: REUTERS
Unternehmer Reinhold Würth: Von der Pike auf lernenDer beste Rat meines Lebens war die Entscheidung meines Vaters, mich nach den acht Pflichtschuljahren von der Schule zu nehmen und mich als ersten Lehrling in seinem Unternehmen zu beschäftigen. Noch heute, 64 Jahre später, bin ich meinem Vater dafür dankbar, denn über die Lehrzeit hinaus konnte ich noch zwei weitere Jahre bis zu seinem Tod mit ihm zusammen arbeiten. Dadurch war ich wohlgerüstet, die kleine, solide Schraubengroßhandlung mit zwei Mitarbeitern weiterführen zu können und wachsen zu sehen bis zu einer Unternehmensgruppe mit zehn Milliarden Euro Umsatz. Quelle: dpa

Dieses Verhalten macht natürlich auch vor dem Job nicht Halt: Wer Alleinstehend ist, geigt dem Chef vielleicht eher die Meinung (und riskiert damit eine Kündigung) als der Familienvater mit kleinen Kindern. Roussanov und sein Kollege Pavel Savor haben deshalb untersucht, inwieweit sich der Familienstand von Unternehmenslenkern auf deren Managementstrategie auswirkt. Und das Ergebnis ist erstaunlich: Die Unternehmen der alleinstehenden Manager sind "kleiner, jünger und wachsen schneller", so das Ergebnis von Roussanov und Savor. Für ihre Studie haben die beiden Finanz-Experten 1500 Vorstandsvorsitzende zu ihrem Führungsstil befragt. 84 Prozent davon sind verheiratet. Zu den 16 Prozent der Singles gehörten unter anderen der deutsch-amerikanische Investor Nicolas Berggruen, Inhaber der Berggruen Holdings und ehemaliger Karstadt-Retter, Hilary Mason, Chef-Wissenschaftlerin des Kurz-URL-Diensts Bitly, oder der indische Manager Ratan Tata, der unter anderem Chief Executive Officer der Tata-Gruppe gewesen ist.

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Unverheiratete Manager "treffen weit reichende Entscheidungen" und lassen sich weder von Wettbewerbern noch anderen Dingen bremsen, so Roussanov. "Wenn es riskant wird, scheinen Verheiratete ihre Investitionen herunter zu fahren, während Singles das nicht tun", hat er beobachtet. Allgemein seien verheiratete Unternehmer vorsichtiger bei ihren Entscheidungen. Und das macht sich in der Bilanz bemerkbar. "Unternehmen, die von Singles geführt werden, haben eine drei Prozent höhere Aktienrendite, verfolgen eine aggressivere Investitionsstrategie und lassen sich nicht so leicht beirren." Was die Studienautoren allerdings nicht untersucht haben, ist, ob in den Firmen der Single-CEOs mehr oder weniger Leute entlassen werden, oder wie hoch die Gehälter dort sind. Auch über die Risikoneigung geschiedener Chefs haben Roussanov und Savor keine Erkenntnisse gewonnen. Was sie aber feststellen konnten, ist, dass offenbar auch im Berufsleben gilt: Gleich und gleich gesellt sich gern. So suchen Firmen, die ein eher riskantes Geschäftsmodell haben oder mehr Risiken eingehen, auch eher nach alleinstehenden Managern, die bereit sind, sich bei riskanten Projekten zu engagieren.

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