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EntscheidungsMacher „Mit 5G werden die Weichen für eine lange Zeit gestellt“

Ralph Dommermuth, Vorstandschef von United Internet. Quelle: Laif

Wie United-Internet-Chef Ralph Dommermuth sein Lebenswerk sichern will.

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Wenn es um Milliarden geht, guckt man schon mal genauer hin. Ralph Dommermuth ist da keine Ausnahme. Der Selfmademilliardär will eigentlich immer detailliert Bescheid wissen, bevor er sich auf ökonomische Abenteuer einlässt. Insofern ist die aktuelle Situation für Dommermuth ungewohnt. Denn Deutschlands erfolgreichster Internetunternehmer muss sich, mehr als ihm lieb ist, beim Einstieg ins 5G-Geschäft auf sein Gespür verlassen. Und die Tatsache, dass die Entscheidung sein Lebenswerk betrifft, macht es nicht gerade leichter.

Nach der Ausbildung zum Bankkaufmann arbeitete Dommermuth als freier Mitarbeiter im Computergeschäft eines Freundes. 1988 gründete er 1&1 Marketing, die Vorgängerfirma der heutigen United Internet AG, und verkaufte Werbekonzepte für kleine Softwarefirmen. Ab 1992 vermarktete sein Unternehmen für die Deutsche Telekom BTX-Netzverbindungen und später Internetzugänge von T-Online.

Breitbandinternet gab es damals noch nicht. Auch keine Smartphones. Aber Dommermuth zeichnet schon lange ein gutes Gespür für Trends aus, so was kann man nicht lernen. Deshalb baut er darauf, dass er auch dieses Mal richtig liegt. Und seine Intuition flüstert ihm zu, sich als vierter Mobilfunkbetreiber zu etablieren und die drei dominanten Konzerne Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica herauszufordern.

Über die Serie

Dafür nimmt Dommermuth auch in Kauf, Investoren zu verprellen. Als die WirtschaftsWoche vor einer Woche meldete, dass United Internet die ersten Vorverträge mit künftigen Partnern beim 5G-Netzausbau abgeschlossen hat, stießen einige Anteilseigner Aktien ab. Der Wert der United-Internet-Papiere verlor innerhalb weniger Minuten knapp sechs Prozent. Der Gründer, mit 40 Prozent immer noch größter Aktionär, verlor an diesem Tag mehr als 150 Millionen Euro.

Die Investmentbank Goldman Sachs gab Dommermuth sogar öffentlich den Ratschlag, sich nicht auf das 5G-Abenteuer einzulassen. Doch der lässt sich nicht beirren. Deshalb nominiert die WirtschaftsWoche ihn für die Serie EntscheidungsMacher (siehe Kasten).

Ein eigenes 5G-Netz würde Dommermuths größtes Problem lösen. Bis 2029 darf United Internet 30 Prozent aller Netzkapazitäten von Telefónica günstiger nutzen. Dann läuft der Vertrag aus, den die EU-Kommission vor fünf Jahren einforderte, bevor sie die Fusion von Telefónica und E-Plus genehmigte. Bis dahin muss das 5G-Netz stehen, sonst fliegt Dommermuth aus dem Mobilfunkgeschäft – und das dürfte ihm, als einem langfristig denkenden Strategen, missfallen.

Das Risiko, das sein Unternehmen ohne Zugang zu einem Mobilfunknetz zum Auslaufmodell ohne solide Geschäftsgrundlage wird, schätzt Dommermuth offenbar im Moment höher ein als all die Unwägbarkeiten, die mit dem Bau eines eigenen 5G-Netzes verbunden sind. Rein ins Risiko also. Statt raus dem Geschäft.

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