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EntscheidungsMacher Wie sich Porsche-Chef Oliver Blume vom Diesel verabschiedete

Oliver Blume, Vorstandschef von Porsche. Quelle: imago

„Die Dieselkrise hat uns viel Ärger bereitet“, sagte Oliver Blume. Dann rief er seine Entscheidung aus: „Von Porsche wird es künftig keinen Diesel mehr geben“. Ein Wagnis.

Es waren fast schon prophetische Worte, die Wendelin Wiedeking 2005 sprach: „Aus meiner Sicht ist der Dieselantrieb nicht die Antwort auf die Fragen, die uns die Ökologie stellt“, warnte der damalige Chef des Sportwagenherstellers Porsche. Der Ausstoß toxischer Stickoxide sei kaum in den Griff zu bekommen. Ein Jahrzehnt vor dem Dieselskandal machte der Automanager auf die größte Schwäche des Diesel aufmerksam. Doch er fand in der Branche wenig Gehör.

Damals konnte kaum jemand ahnen, dass der Abgasskandal nicht nur die Stickoxidprobleme des Diesel offenbaren, sondern neben vielen anderen Automarken auch Porsche einen erheblichen Imageschaden zufügen würde. Nun, im Jahr vier des Skandals, vollführt der Autobauer die Rolle rückwärts: „Von Porsche wird es künftig keinen Diesel mehr geben“, sagte CEO Oliver Blume vor einigen Wochen. Grund genug, den Automanager für die Serie EntscheidungsMacher zu nominieren.

Der Ausstieg ist ein mächtiges Statement gegen den Selbstzünder und „ein Aufreger in der ganzen Branche“, sagt der Manager eines anderen Autokonzerns – nicht zuletzt wegen des Zeitpunkts: Die Entscheidung wurde einen Tag vor einem Dieselgipfel im Kanzleramt bekannt. Die Chefs von Volkswagen, BMW und Daimler versuchten, Bundeskanzlerin Angela Merkel Ende September nahezubringen, wie wichtig die Rettung des Diesel sei – und Blume machte per Zeitungsinterview klar: Es geht auch wunderbar ohne.

Über die Serie

Der erklärte Verzicht fällt Porsche leichter als Audi, BMW oder Mercedes, bei denen mehr als jedes zweite verkaufte Auto ein Diesel ist. Bei Porsche kamen die Modelle im vergangenen Jahr nur auf einen Anteil von zwölf Prozent. Außerdem baute Porsche die Dieselmotoren nie selbst, sondern ließ sich von Audi beliefern. So gelangte die Schummeltechnik aus Ingolstadt auch in verschiedene Porsche-Modelle und bescherte den Zuffenhausenern Ermittlungen von Staatsanwaltschaften und Rückrufe des Kraftfahrtbundesamts.

Dennoch ist Blumes Entscheidung nicht nur mutig. Sondern auch ein Wagnis. In einigen europäischen Ländern hat Porsche bei einzelnen Modellen mehr als 70 Prozent Dieselanteil. Deshalb wog Blume mehr als ein Jahr mit seinem Management das Für und Wider ab. Künftig will er seine Kunden mit teilelektrischen Hybriden oder reinen E-Autos überzeugen. Dafür baut Porsche die Produktion um, hat die Investitionen für E-Autos von drei auf sechs Milliarden Euro aufgestockt und stellt 1500 Mitarbeiter ein. Schon 2022 soll jedes Modell als Hybrid oder reines E-Auto erhältlich sein. Keine Marke im VW-Konzern sprintet so entschlossen in Richtung Elektromobilität wie Porsche.

Geht Blumes Kalkül vom radikalen Ausstieg aus dem Diesel und dem rasanten Einstieg ins elektrische Zeitalter auf, könnte er das erreichen, was auch Dieselkritiker Wendelin Wiedeking immer erreichen wollte: die Spitze des VW-Konzerns.

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