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Erfindergeist Die beste Idee meines Lebens

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Das Billy-Regal und der Textmarker

Eric Favre Quelle: PR

Ein schlichtes Bücherbord für jedermann

Mal war es eine Zeitung, mal kritzelte er auf einen Briefumschlag: Gillis Lundgren zeichnete seine Einfälle auf alles, was ihm unter den Bleistift kam. „Ideen sind flüchtig. Man muss sie schnell festhalten“, sagt der heute 84-Jährige.

1953 stieg Lundgren bei Ikea ein, als vierter Mitarbeiter. Seinen Vertrag vereinbarte der Schwede mündlich mit Firmengründer Ingvar Kamprad – der Beginn einer vertrauensvollen Zusammenarbeit. „Ingvar philosophierte, ich zeichnete“, sagt Ikeas erster Designmanager. „So sind viele gute Sachen entstanden.“ Seine genialste Idee sollte Lundgren haben, als er schon mehr als 20 Jahre im Konzern arbeitet: Diesmal war es eine Serviette, die er zur Hand hatte, als sein Chef laut über ein Regal nachdachte, in das möglichst viele Bücher hineinpassen, ohne dass sich die Zwischenbretter verbiegen. Günstig sollte es sein und in jedes Zimmer passen. Lundgrens Lösung: ein Bücherbord, das an Schlichtheit kaum zu überbieten ist. Sein Name: Billy. 1979 kam es auf den Markt, bis heute hat Ikea weltweit mehr als 60 Millionen verkauft. „Ich versuche herauszufinden, was die Bedürfnisse der Menschen sind“, erklärt Lundgren sein Erfolgsrezept. „Die Ideen sind Ergebnisse meiner Recherchen und nichts, was einfach vom Himmel fällt.“

Der Stift, der Texte zum leuchten bringt

Günter Schwanhäußer Quelle: PR

Blau, Grün, Gelb und Pink: Vier Textmarker liegen auf seinem Schreibtisch aus dunklem Mahagoni. Bis heute benutzt Günter Schwanhäußer seine Erfindung täglich. „Der Stabilo Boss“, sagt der 85-jährige jahrzehntelange Chef von Schwan Stabilo, „hat die Stifte-Sparte der Firma geprägt.“ Als der gelernte Landwirt 1950 in das Familienunternehmen einstieg, betrug der Umsatz nur wenige Millionen Mark. 1995, als Schwanhäußer in Rente geht, sind es 361 Millionen Mark – nicht zuletzt dank des Textmarkers: Zwei Milliarden Stück hat das fränkische Unternehmen bis heute verkauft. Die Idee seines Lebens kam Schwanhäußer 1970 während einer Geschäftsreise. Durch das Schaufenster eines Buchladens in Chicago beobachtete der damals 42-jährige Unternehmer Studenten dabei, wie sie ein Stück Holz, um das ein wenig Schaumstoff gewickelt war, in eine bräunliche Flüssigkeit tunkten und auf Passagen ihres Texts tupften. „Das geht besser“, dachte sich Schwanhäußer und nahm ein paar der Konstrukte mit ins heimische Nürnberg.

Ein Jahr später kam der Stabilo Boss auf den Markt. Wieso Boss? „Wir verkaufen keine gelben Linien, sondern Zeitersparnis“, sagt Schwanhäußer. Und das nütze vor allem Menschen, die viel Post und wenig Zeit haben – kurz Bosse. Um die von dem Marker zu überzeugen, verschickte Schwanhäußer seine Stifte an 800 Manager und Minister. Der Handel zeigte sich zunächst skeptisch – auch, weil der Marker sehr teuer war. Dass sich das bald änderte, wundert ihn bis heute nicht: „Ein Boss“, sagt er, „will doch jeder gern sein.“

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