Erfindergeist Die beste Idee meines Lebens

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Der Christbaumständer

Klaus Krenner Quelle: PR

Wieder grübelt Teuber nach Feierabend: Welche Rohstoffe brauchten Menschen damals zum Überleben? Und wie soll das Spielfeld aussehen? In seinem Bastelzimmer sägt er kleine Häuschen aus Holz, bemalt Karton und schneidet ihn in sechseckige Plättchen, aus denen das Spielfeld entsteht. Es gewinnt, wer auf einer fiktiven Insel am schnellsten Siedlungen und Straßen errichtet.

Teuber bietet das Spiel großen Verlagen an, zwei lehnen ab – ein millionenschwerer Fehler. Beim dritten Anlauf klappt es: Kosmos veröffentlicht das Spiel 1995 unter dem Namen Siedler von Catan, es wird rasch ein Kassenschlager, bis heute haben sich Basisspiel plus Erweiterungen etwa 18 Millionen Mal verkauft.

1999 gibt Teuber sein Dentallabor auf und macht sein Hobby zum Beruf. Heute ist er in Deutschland einer der wenigen Spieleautoren, die von ihren Ideen gut leben können.

Nie wieder Streit um den Weihnachtsbaum

Mit der einen Hand hält er die Tanne, mit der anderen dreht er drei Schrauben im Christbaumständer fest, die den Stamm fixieren sollen: Alles andere als bequem ist das, als Klaus Krinner am Nachmittag des Heiligen Abends 1988 unter den Ästen seines Weihnachtsbaums hängt. Er braucht mehrere Versuche, bis die Tanne fest und gerade im Ständer steckt. „Des is a Glump“, denkt der Landwirt aus Niederbayern. Auf gut Deutsch: Der Ständer ist eine Fehlkonstruktion.

Statt nur zu jammern – wie fast alle, die Jahr für Jahr vor dem gleichen Problem knien –, sucht Krinner einen Ausweg: Im September 1989, nach neun Monaten Grübelei, schießt ihm die Lösung in den Kopf, die er sofort aufzeichnet: Vier Greifer sollen den Stamm halten. Sie sind über eine Drahtschlinge verbunden, die mit einer Ratsche fest um den Baumstamm gezogen wird. Damit, ist Krinner überzeugt, steht selbst ein schief gewachsener Baum kerzengerade.

"Camel Up" ist Spiel des Jahres 2014
2014:
Verpackung des Speil des Jahres 2013: Hanabi Quelle: Presse
Spiel des Jahres 2012: „Kingdom Builder“ Quelle: dpa
Spiel des Jahres 2011: „Qwirkle“ Quelle: dpa
Spiel des Jahres 2010: „Dixit“ Quelle: dpa
Spiel des Jahres 2009: „Dominion“ Quelle: dpa
Spiel des Jahres 2008: „Keltis“ Quelle: Pressebild

Innerhalb von vier Stunden baut einer seiner Arbeiter auf dem Hof einen Prototypen auf Basis von Krinners Skizze: ein Stück Blech als Boden, ein abgeschnittenes Rohr, ein Drahtseil, eine Ratsche vom Zurrgurt und vier Greifer. „Damit es niemand sieht“, packt Krinner seinen Blechschatz in ein Tuch ein und fährt noch am selben Tag zum Patentanwalt.

Die ersten 100 Christbaumständer lässt Krinner 1989 in Polen produzieren, schon im Jahr darauf vertreibt er 25 000 Stück.

„Das ging nur so schnell, weil ich beim Vertrieb alles falsch gemacht habe, was man falsch machen kann“, sagt der heute 75-Jährige. Ohne Voranmeldung besucht er damals die Zentrale eines großen Handelsunternehmens in Düsseldorf. „Mit einer ordentlichen Anmeldung hätte ich doch nie einen Termin bekommen“, sagt Krinner. „Die Leute müssen meinen Christbaumständer sehen – dann überzeugt er sie, da jeder das Problem kennt.“ Krinner behält recht: Der Handelskonzern bestellt 5000 Stück.

Mittlerweile wurden die weihnachtlichen Stammhalter von Krinner millionenfach verkauft. Alleine 2013 waren es etwa 800 000 Stück – von der grünen Standardvariante ab 22,95 Euro bis hin zur Luxusversion mit 9800 Swarovskisteinen für etwa 10 000 Euro.

Eine Goldgrube, von der auch andere profitieren wollen: Ein mehrjähriger Rechtsstreit um das Patent endet vor dem Bundesgerichtshof zu Krinners Gunsten, Kaufofferten lehnt er konsequent ab. „Mein Christbaumständer wahrt in Tausenden Familien jedes Jahr den Weihnachtsfrieden“, sagt Krinner. „Diese Aufgabe kann ich doch niemand anderem überlassen.“

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