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Erfolg im digitalen Zeitalter Hierarchische Unternehmen haben ausgedient

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Partizipation

Dies ist die Geschichte von Amanda Palmer, einer Musikerin, von der Manager viel lernen können. Zum Beispiel, dass sich die Machtverhältnisse zwischen Angestelltem und Chef durch das Internet drastisch verändern. Und dass demjenigen, der das zu spät begreift, die besten Leute weglaufen. Mindestens. Wenn die ehemaligen Mitarbeiter nicht gleich zu Konkurrenten werden – wie Amanda Palmer. An einem Freitagabend bereitete sich Palmer auf eine kleine Reise vor, packte ihren Koffer, spülte Geschirr. Und twitterte zwischendurch: „Ich wende mich an alle Freitagabend-Loser: Wo seid ihr? Meldet euch!“ Nach einiger Zeit kamen ein paar Hundert Fans zusammen. Am Ende hatten sie, nur über Twitter kommunizierend, das T-Shirt-Motto „Sei ein Freitagabend-Loser mit mir“ entworfen. Amanda Palmers Web-Designer bastelte auf die Schnelle eine Web-Seite inklusive T-Shirt-Online-Shop. Zwei Stunden hatte die ganze Sache bis dahin gedauert. Im weiteren Verlauf des Abends verkauften sich 200 Shirts zu je 25 Dollar. Als Amanda am kommenden Tag in ihrem Blog über die Aktion schrieb, gingen noch mal über 200 T-Shirts über die virtuelle Ladentheke. „Verdienst auf Twitter in zwei Stunden: 10.000 Dollar“, so Palmers Resümee der spontanen Aktion. „Verdienst mit meinem aufwendig von Ben Folds und einer großen Plattenfirma produzierten Soloalbum: null Dollar.“

Irgendwas lief falsch. Im Internet ließ sich in wenigen Stunden unkompliziert Geld verdienen. Ein Album dagegen, das aufwendig produziert und zigtausend Mal verkauft worden war, bezeichnete Amanda Palmers Plattenfirma einmal als Misserfolg. Hätte sie es selbst produziert und via Internet 25.000 Mal zu je zehn Dollar verkauft, wäre das dagegen ein sehr schöner Erfolg gewesen. Als dann ein Streit mit der Plattenfirma das Fass zum Überlaufen brachte, fiel es ihr leicht, ihren ehemaligen Partnern aus der Unterhaltungsindustrie den Rücken zu kehren: Sie wollte ein Video produzieren, in dem sie teilweise nackt zu sehen sein würde. Ihr Label sperrte sich gegen die Idee mit dem Hinweis, Amandas Figur eigne sich dafür nicht.

In Arbeit
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Als 2012 die Songs für ein neues Album fertig waren, wandte sich Amanda Palmer an die Öffentlichkeit – wieder via Twitter. Sie brauche 100.000 Dollar für die neue CD. Außerdem produzierte sie ein Video mit dem Claim „Das ist die Zukunft der Musik“ und präsentierte das Projekt auf der Finanzierungsplattform Kickstarter. Der Deal: Alle, die ihr vorher Geld geben, bekommen hinterher eine CD, viele zusätzlich Konzerttickets. Sich und ihren Fans gab sie drei Wochen Zeit, um die 100.000 zusammenzubringen. Das Ergebnis: Statt 100.000 sammelte Amanda 1,2 Millionen Dollar ein, und das nicht etwa in drei Wochen, sondern in nur wenigen Tagen.

Die Geschichte verdeutlicht den Wert und den Nutzen des Teilens, des Abgebens. Die Fans haben Amanda Palmer kennengelernt, etwas erlebt, gemeinsam Spaß gehabt. Das ist ein Aspekt des permanenten Austauschs und des Teilens von Ressourcen, der durch das Internet normal geworden ist.

Und was bedeutet das für Manager? Ganz einfach: Wenn ich – wie die Verantwortlichen von Amandas ehemaliger Plattenfirma – den Besten in meinem Unternehmen nicht genug biete, suchen sie sich Wege, ihre Arbeit ohne mich zu machen. Und sie finden diese zunehmend – dank des Internets.

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