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Essay Gefangene der Macht

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Gefangene der Macht

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Philipp Hildebrand Quelle: dapd
Dominique Strauss-Kahn Quelle: dpa
Louis van Gaal Quelle: dpa
Karl-Theodor zu Guttenberg Quelle: dpa
Wendelin Wiedeking Quelle: dpa

Auf einer dieser Exkursionen in die Wirklichkeit wird er zum Krüppel geschossen; das Messer, das wenige Monate vorher nur um Millimeter die Halsschlagader von Oskar Lafontaine verfehlte, war im Blumenstrauß einer Verehrerin versteckt. Die schlimmsten Folgen des Terrorismus sind die stählernen Sicherheitskäfige, in denen Top-Politiker zu Gefangenen ihrer Macht werden und nur noch einer ausgesuchten Schein-Öffentlichkeit begegnen – bis sie abgewählt und ersetzt werden.

Nicht durch Klügere. Sondern durch Noch-Sehende mit der temporären Überlegenheit des noch ungetrübten Blicks. Daher ist die Demokratie, die der Selbsttäuschung periodisch ein jähes Ende setzt, der Diktatur überlegen, deren vorerst letzte Reinstformen in Kuba (halsstarriger Greis) und Nordkorea (juveniller Trottel) zu studieren sind.

Auch in Unternehmen knetet der Hofstaat Zahlen so lange, bis sie den Erwartungen des Chefs entsprechen. Vorstandschefs sind meist kluge, neugierige, unkomplizierte und unprätentiöse Persönlichkeiten – Eigenschaften, die dem Hofstaat gefährlich werden und die er zu verändern sucht. Nichts ist so gefährlich wie Neugierde aus dem Vorstandsbüro oder direkte Kontakte mit der operativen Ebene.

Die wichtigsten Regeln wider den Machtmissbrauch

Schmeichelei der Buckelnden

Nichts hassen Apparate, egal, ob in Politik oder Unternehmen, so sehr wie Veränderungen – wächst doch die Bedeutung der Apparate mit der Komplexität und der Abgehobenheit des Chefs, die sie selbst erzeugen und kultivieren. Irgendwann erliegt selbst der bescheidenste Boss ihrer Schmeichelei und fühlt sich so allmächtig, wie es die Buckelnden um ihn herum glauben machen.

Auch im Zeitalter der globalen Ökonomie gilt daher des alten Fürsten Machiavelli Rezept – Grausamkeiten sofort, später ist zu spät. Deshalb konnte Jürgen Schrempp den verlustmaximierenden „integrierten Technologiekonzern“ zum erfolgreichsten Autobauer zurückschneiden und die Büro-Holding in einem Putsch entmachten – und scheiterte daran, dass er zu lange an Chrysler festhielt.

Pippi-Langstrumpf-Welt

Ex-Bahn-Chef und Air-Berlin-CEO Hartmut Mehdorn ist ein brillanter Kopf und zupackender Typ. Sein Küchenkabinett aber von serviler Mittelmäßigkeit, das sein sympathisch-undiplomatisches Poltern verstärkt – um ihn gegen die Wand knallen zu lassen. Im 40. Stockwerk seines Posttowers in Bonn mit freiem Blick auf den Kölner Dom mag sich Klaus Zumwinkel unersetzbar gefühlt haben im Triumph seiner Erfolge – und wurde von einer neidischen Politik in einem Höllensturz ohne Beispiel abserviert.

In Arbeit
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Hätte er es wissen können? In abhörsicheren Konferenzsälen überhört man leicht das Knirschen im Gebälk und glaubt zu gern den Präsentationen, die eine realitätsferne Pippi-Langstrumpf-Welt zeigen.

Harun al-Raschid hätte den Überbringer einer solchen Power-Point-Show vermutlich geköpft.

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