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Ex-Wirecard-Vorstand Marsalek ist nicht der einzige Topmanager auf der Flucht

In den vergangenen Jahren gab es eine Reihe von Managern, die untertauchten, als Skandale publik wurden. Oft waren Größenwahn, Geldgier und Betrug im Spiel. Quelle: imago images

Versteckt im Instrumentenkoffer, verschanzt in Neuseeland, ein Sprung aus dem Gerichtssaal – wer in der Finanzszene auf der Flucht vor dem Gesetz ist, greift zu abstrusen Mitteln.

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Der Bilanzskandal hat jedes Restvertrauen in Wirecard zerstört. Als gegen den ehemaligen Wirecard-Chef Markus Braun Haftbefehl erlassen wurde, ist sein Vertrauter Jan Marsalek längst auf der Flucht. Nach Daten der Einwanderungsbehörde sei er am 23.06. auf der philippinischen Insel Cebu eingereist und von dort weiter nach China geflohen, erklärte der Justizminister Menardo Guevarra. Doch auf keiner Überwachungskamera ist er zu finden. Der Verdacht: Einwanderungspapiere sollen gefälscht worden sein. Würde er gefasst, drohen ihm mehrere Jahre Haft.

Als Chief Operating Officer (COO) war Marsalek für das angeblich wachstumsstarke Asiengeschäft zuständig. Trotzdem mied er Pressekonferenzen und öffentliche Statements. Manager-Kollegen erschien der 40-jährige Österreicher schon länger verdächtig. Er habe das Notebook geschlossen, wenn jemand den Raum betrat, und ließ sich offenbar auch sonst nicht gerne in die Karten gucken.

Während Markus Braun der Untersuchungshaft durch eine Kautionszahlung von 5 Millionen Euro erst einmal entging, zog Marsalek seinen angeblichen Beschluss, nach München zu kommen und sich befragen zu lassen, zurück.

Damit ist er nicht allein. In den vergangenen Jahren gab es eine Reihe von Managern, die untertauchten, als Skandale publik wurde. Oft im Spiel: Größenwahn, Geldgier und Betrug. Eine Auswahl:

Florian Homm: Der Horrortrip des Milliardenmanagers

Als ehemaliger Hedgefonds-Manager und Börsenspekulant kennt sich Florian Homm mit der Verwaltung großer Geldbeträge aus. Er brachte Unternehmen mit wirtschaftlichen Problemen an die Börse, rettete Borussia Dortmund aus der finanziellen Krise und forderte im Gegenzug, allein für die Finanzen des Vereins verantwortlich zu sein. Mit dem Hedgefonds Absolute Capital Management (ACM) verwaltete er in den Nullerjahren mehrere Milliarden Dollar Kundenvermögen. Später wurde offenbar, dass viele Investments weniger wert waren als von ihm behauptet. Als ACM in der Finanzkrise 2007 unter Druck geriet, tauchte Homm unter. Die USA schrieben ihn zur Fahndung aus, er soll mit Hilfe seiner Fonds die Kurse wertloser Pennystocks hochgejubelt haben.

Die Details seiner Flucht liegen im Nebel, es gab viele Gerüchte und Spekulationen. Der Harvard-Absolvent setzte sich vermutlich erst nach Panama ab, reiste dann durch Südamerika, Afrika und Europa und ließ sich angeblich durch ehemalige Mossad-Agenten schützen. Nach wie vor hielt er Kontakt zu Geschäftsleuten aus der Münchener Rotlichtszene, Bankern aus der Schweiz und Deutschland sowie Treuhändern aus Liechtenstein. Geprellte Investoren setzen ein Kopfgeld von 1,5 Millionen Euro auf ihn aus. In Italien wurde er gefasst und verhaftet, jedoch nicht an die USA ausgeliefert. Später zeigt er sich geläutert, schreibt Bücher und gibt auf YouTube Karrieretipps.

Carlos Ghosn: Flucht aus Japan

Die Flucht des ehemaligen Top-Managers Carlos Ghosn könnte abstruser kaum sein. In einem schwarzen Instrumentenkoffer soll der ehemalige Chef des Verwaltungsrats des japanischen Autobauers Nissan mithilfe von zwei Amerikanern, darunter einem ehemaligen US-Elitekämpfer, aus dem Tokioter Hausarrest geschmuggelt worden seien. Anderen Medienberichten zufolge soll er sein Haus allein verlassen und mehrere Personenkontrollen am Flughafen überwunden haben, ehe er per Privatjet nach Beirut geflohen sei.

Ghosn wird vorgeworfen, Einkommen in Höhe von 50 Millionen Dollar verschleiert und Firmengelder von Nissan an Händlerbetriebe ins Ausland weitergeleitet zu haben. Er sanierte den Konzern, als er kurz vor dem Bankrott stand, und wurde als Schöpfer der weltweit größten Automobil-Allianz aus Nissan, Renault und Mitsubishi umjubelt. Während er geschäftlich als Kostenkiller galt, pflegte der gebürtige Brasilianer privat einen durchaus üppigen Lebensstil. So ehelichte er seine zweite Frau Carole im Schloss Versailles – mit Kostümen im Stil Marie Antoinettes.

Ob der Preis, den Ghosn für seine Flucht zu zahlen bereit war, den Lebensstil des 66-Jährigen beeinflusst, wird sich zeigen. Die 12,4 Millionen Euro, die er in Japan als Kaution hinterlegen musste, behält der Staat jedenfalls ein.

Kim Dotcom: Verschanzt in Neuseeland

Der deutsche Internetunternehmer Kim Dotcom wohnt in seiner Wahlheimat Neuseeland und wehrt sich gegen die Auslieferung an die USA. Ihm werden Urheberrechtsverletzungen und Geldwäsche in großem Stil vorgeworfen. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm mehrere Jahrzehnte Haft.

Der als Kim Schmitz geborene Dotcom machte in den Achtzigerjahren erstmals in der Hacker-Szene auf sich aufmerksam. Mit seiner Beteiligungsgesellschaft Kimvestor bewahrte er den Online-Händler Letsbuyit vor dem Konkurs und kassierte bei dessen Börsengang ab. Doch schon damals mehrten sich die Zweifel an der Seriosität seiner Geschäftspraktiken. Vorwürfe wurden laut, nach denen Kimvestor Aktien angeboten haben soll, die nicht im Handelsregister verzeichnet waren.

Ebenso unseriös waren die Geschäfte der Datentauschbörse Megaupload. Nutzer konnten dort Dateien, zum Beispiel Videos oder Musik, hochladen und verteilen. Schnell betrieb das Unternehmen eine der beliebtesten Internetseiten weltweit und machte Dotcom zum Multimillionär – bis das neuseeländische Gericht ihn wegen Betrugs verurteilte. Seitdem versucht er, seine Auslieferung an die USA zu verhindern.

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