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Fachkräftemangel So finden Sie den perfekten Mitarbeiter

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Kultur kann man nicht erzwingen

Unternehmenskultur erkennen und formen - an dieser Stelle helfen Andreas Zimmermann und seine Mitarbeiter. Changepoint Advisory ist eine Unternehmensberatung, die damit wirbt, Unternehmenskultur zu analysieren und zu verbessern. Ihre Kunden sind Mittelstandsfirmen vornehmlich aus den Bereichen Automotive, Logistik und Pharma.

Zimmermann weist auf einen entscheidenden Punkt hin: Unternehmenskultur darf nicht aufgezwungen werden. "Immer mehr Unternehmen verstehen, dass man Unternehmenskultur nicht gezielt für die Mitarbeitergewinnung gestalten kann“, erklärt der Berater.

Mit dem Vortäuschen falscher Tatsachen komme man daher nicht weiter. „Wenn man sein Unternehmen für Mitarbeiter interessanter machen möchte, muss man sich der Verbesserung der Unternehmenskultur ganz ehrlich stellen.“

Hier kommt Zimmermann ins Spiel. Mit Hilfe von Mitarbeiterbefragungen erstellen er und seine Leute Reports für das Management, aus denen Workshops entstehen - und mit ihnen Prozesse, die die Probleme der Unternehmenskultur zu Tage bringen. „So können die Mitarbeiter ihrer Organisation aufzeigen, was sie brauchen, um die Kultur zu verbessern“, erklärt Zimmermann. „Unsere Erfahrung ist, dass echtes Zuhören und konsequente Verbesserungen sehr schnell zu sichtbaren Ergebnissen führen.“

Eine gute und gesunde Unternehmenskultur spricht sich herum. Portale wie kununu.de oder glassdoor.com bündeln Meinungen über Arbeitgeber. Das macht es Jobinteressenten leichter, schon vor der Bewerbung herauszufinden, ob sie sich bei der suchenden Firma wohl fühlen könnten.

Für die Personaler auf der anderen Seite des Schreibtisches ist das schon schwieriger: Bewerber-Bewertungsportale gibt es nicht, Profile in sozialen Netzwerken sind längst glatt gebügelt oder hinter Spitznamen versteckt. Kurzum: Ihnen bleibt wirklich nur der Recruitingprozess, um zu entscheiden, ob ein Mitarbeiter passt oder nicht.

Vergessen Sie den Sympathiefaktor

Dabei kann das Bauchgefühl helfen. Doch der "Nasenfaktor" allein sollte nicht entscheiden, empfiehlt Beraterin Maren Lehky. Vielmehr sollte der Bewerbungsprozess aus professionellen Interviews und solchen Verfahren bestehen, "die einen Einblick in die Werte und Verhaltensweisen, die soziale DNS eines Bewerbers geben.“ Sinnvoll hierfür seien klassischerweise viele Fragen, aber auch Fallbeispiele, Rollenspiele oder Arbeitseinsätze zur Probe. In Australien rufen Personaler sogar bei ehemaligen Arbeitgebern an, um sich über den Bewerber zu informieren. In den USA ist es üblich, interessante Bewerber mit Mails Sonntagfrüh um neun auf ihre Tauglichkeit zu testen.

Das alles kann Nerven und vor allem viel Zeit kosten - eine Investition, die sich Lehky zufolge lohnt. Vor der Anschaffung teurer Maschinen investiere man schließlich auch in Messebesuche, Expertengutachten oder Wirtschaftlichkeitsrechnungen. Warum nicht also auch im Personalbereich ein bisschen mehr Zeit investieren, als das Schalten einer Anzeige und 45 Minuten Vorstellungsgespräch? Hier müsse ein Umdenken stattfinden.

"Meine Vermutung darüber, warum dieses Ungleichgewicht herrscht, ist, dass es genau das 'Menschelnde', Schwammige ist", schreibt Lehky in ihrem Buch "Der Mitarbeiter, der zu mir passt". "Es ist ein unsicheres Terrain, in dem keine abwägenden Plus-Minus-Listen oder Wirtschaftlichkeitsanalysen existieren. Dabei gibt es sie sehr wohl."

Und wie findet man sie nun, die richtigen Mitarbeiter? Experten raten zur permanenten Suche. Statt in der Not unter Druck zu geraten, halten gute Personaler stets die Augen offen. Der US-amerikanische Management-Experte Jim Collins geht sogar einen Schritt weiter. Er konstatiert: Die besten Führungspersönlichkeiten stellen die guten Mitarbeiter ein, bevor sie sie brauchen. Denn: Wirklich gute Mitarbeiter finden immer einen Weg, sich bezahlt zu machen. Übrigens: Auch der Kleidungsstil eines Bewerbers kann verraten, ob er oder sie zum Unternehmen passt. Wichtig ist nur, dass aus der Unternehmenskultur keine Kastenbrillen-Sneaker-Monokultur wird.

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