Fachkräftemangel Wer am Recruiting spart, zahlt drauf

Mittelständische Unternehmen pfeifen bei der Mitarbeitersuche auf Software. Recruiting funktioniert bei ihnen aus Kostengründen mit Excel und Mailinglisten. Das ist nicht nur umständlich, sondern vor allem teuer.

So gewinnen Unternehmen junge Talente
Mitarbeiter fertigen in einer Polsterei in Weidhausen (Bayern) Sitzmöbel. Quelle: dpa
ÜbernahmegarantieEine ähnliche geringe Attraktivität für junge Menschen dürften auf den ersten Blick auch scheinbar altmodische Branchen haben, die einen heftigen Strukturwandel hinter sich haben - beispielsweise die Porzellanbranche. Die Übernahmequote dort sei sehr hoch, wirbt Christoph René Holler, Geschäftsführer des Bundesverbandes Keramische Industrie, um Nachwuchs. „Die Fachkräfte werden gebraucht. Es hat sich herumgesprochen, dass man in der Regel übernommen wird.“ Bislang gelinge es noch, die meisten Ausbildungsplätze zu besetzen, „aber es wird immer schwieriger“, räumt er ein. Deshalb habe man bei den Tarifabschlüssen den Nachwuchs besonders berücksichtigt. Eine Sprecherin des traditionsreichen Porzellanherstellers Rosenthal in Selb sagt: „Durch eine gute Zusammenarbeit mit Schulen und der Agentur für Arbeit gelingt es uns trotz des demografischen Wandels und seiner Auswirkungen in den meisten Fällen, gut geeignete Kandidaten zu finden.“ Alle zum 1. September angebotenen Lehrstellen habe man besetzen können. Quelle: AP
Model Clelia zeigt "Putzpantoffeln" des Herstellers Present Time Quelle: dpa/dpaweb
Segeltörn
Hochseilgarten Quelle: dpa
Innovation Challenge Quelle: Fotolia
Krimi Quelle: Fotolia
Geocaching
Robinson Club Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms

Mittelständler haben oft Probleme bei der Suche nach Fachkräften: Die Region zu unsexy, das Image nicht das eines Global Players oder schlicht, weil sie keiner kennt. Diese Probleme sind bekannt und viele Unternehmen versuchen, Bewerber auf kreative Weise anzulocken. Ist ihnen das gelungen, werden die Recruiting-Erfolge in eine Excel-Liste eingetragen. Einladungen zu Bewerbungsgesprächen schreibt der Praktikant. Das zeigt eine Umfrage von Absolventen der Uni Pforzheim in Zusammenarbeit mit der E-Recruitingplattform softgarden.

Demnach nutzt nicht einmal ein Drittel der kleinen und mittleren Unternehmen E-Recruiting-Systeme, bei den Arbeitgebern mit weniger als 100 Mitarbeitern waren es nur 18 Prozent. Der Grund: Händische Verfahren seien günstiger.

Dass softgarden ein gewisses Interesse daran hat, dass möglichst jeder auf E-Recruiting setzt, ist nachvollziehbar. Aber: Wer davon ausgeht, beim Recruiting an Software - von welchem Anbieter ist unerheblich - sparen zu können, der hat sich verrechnet. Zumindest langfristig. Denn irgendjemand muss die eingereichten Bewerbungen digitalisieren, die Listen pflegen, Stellenanzeigen schreiben, veröffentlichen, die Bewerberkorrespondenz führen und Zu- und Absagen schreiben und verschicken. Das kostet Zeit.

Do's & Don'ts im Recruiting

"Aus Kundengesprächen mit Verantwortlichen wissen wir: Die händische Bearbeitung von Bewerbungen nimmt bei 100 Bewerbungen im Monat im Vergleich zur benötigten Manpower bei Einsatz einer professionellen Recrutinglösung schnell zusätzlich eine halbe Vollzeitstelle eines Personalers in Anspruch", berichtet Dominik Faber, Gründer und Geschäftsführer von softgarden.

Davon abgesehen sind sich Personaler und Bewerbungsexperten einig, dass das sogenannte "active sourcing", also die aktive Talentsuche, die Zukunft ist. Wer das manuell machen will, muss alle Entwicklungsschritte seiner Mitarbeiter in seine Excel-Tabelle übertragen, alle jemals eingegangenen Bewerbungen dort verwalten - vielleicht eignet sich der im letzten Jahr abgelehnte Kandidat ja für die neue Stelle - und am besten noch alle Xing-Profile mit den Stellenbeschreibungen abgleichen. Allein dafür müsste man eine ganze Abteilung schaffen.

In Arbeit
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Deshalb sollten sich auch Mittelständler die Frage stellen, ob sie einen beträchtlichen Teil der Arbeitszeit ihrer Personaler dafür aufwenden wollen, Arbeiten zu erledigen, die ein Algorithmus in Sekunden schafft.

Außerdem kommt es bei Bewerbern nicht gut an, übersehen oder vergessen zu werden - was bei der Excel-Methode durchaus vorkommen kann. Auch die manuell getippte Antwort lässt gern auf sich warten - so sie denn überhaupt kommt. Entsprechend empfinden viele Kandidaten solche Arbeitgeber als unhöflich oder unprofessionell. Mit entsprechenden Auswirkungen auf den Bewerberschlüssel.

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