Fernsehsendung Das ZDF schickt den "Firmenretter"

Was RTL mit "Raus aus den Schulden" vormachte, macht das ZDF mit dem "Firmenretter" nach. Unternehmensberater Raimund Milz führt Sozialpädagogik für Kleinunternehmer vor.

"Jürgen, die Leute, die deinen Laden retten wollen, sind hier", ruft Hannelore hinter der Kasse. Jürgen ist Inhaber eines völlig vertrödelten Trödelmarkts in Duisburg und die Leute sind "Der Firmenretter" und das Filmteam, das ihn im Auftrag des ZDF begleitet.

ZDFInfo hat sich bei Peter Zwegat und "Raus aus den Schulden" die Idee für eine neue Doku abgekupfert. Sein Zwegat heißt Raimund Milz und ist ein früherer Geschäftsführer, der sich mit der Unternehmensberatung Business-Navigatoren selbständig gemacht hat. Die Klientel - zumindest vor der Kamera - ist ähnlich hilfsbedürftig. Während Zwegat Menschen aus der Privatinsolvenz heraushilft, versucht Milz ihre mitleiderregenden Firmen zu retten. Die Methoden sind dieselben. Das geht los mit der Zwegat'schen Aufstelltafel, an der die traurigen Kennziffern des Ladens vorgeführt werden. Jürgen ist ein Händler, der nicht weiß, was er anzubieten hat. Lektion eins erteilt Milz schon nach wenigen Minuten: "Wenn der Kunde nach was bestimmtem fragt, muss ich wissen, ob und wo ich es habe." Für Jürgen scheint das eine ganz neue Erkenntnis zu sein. Seine Hoffnung auf verborgene Schätze inmitten des Gerümpels wird enttäuscht. Ein eigens einbestellter Antiquitätenhändler will nichts kaufen.

Mit den für solche Elendsreportagen typischen pädagogischen Methoden geht es dann los. Milz fordert Jürgen und seine drei Mitarbeiterinnen auf, Vorschläge zu machen, wie der Laden besser sortiert und verschönert werden könnte. Und siehe da, in den 400-Euro-Job-Angestellten schlummert Engagement und unternehmerische Kreativität. Was man von Eigentümer Jürgen nicht gerade behaupten kann. Er kommandiert lieber herum und verkündet stolz in die Kamera, wie toll das sei, Befehle zu erteilen. "Aus dramaturgischen Gründen Firmen oder Personen vorzuführen, liegt mir fern", sagt Milz laut Pressemitteilung. Aber natürlich wird jener Jürgen doch vorgeführt.

Die schlechtesten Chefs der Welt
Brian Dunn: Die Liste der schlechtesten CEOs des Jahres, die der Management-Professor Sydney Finkelstein jedes Jahr erstellt, wird von Bestbuy-Chef Brian Dunn angeführt. Der zurückgetretene CEO des größten US-Elektronikhändles hat nicht nur Fehlentscheidungen in Milliardenhöhe verursacht, sondern stolperte auch noch über eine Affäre mit einer wesentlich jüngeren Mitarbeiterin. Quelle: dapd
Aubrey McClendon: D er schillernde Vorstandschef des US-Gasgiganten Chesapeake Energy (CHK), der auch am Profibasketball-Team von Oklahoma City beteiligt ist, hat offenbar Mühe, seine eigenen und die Finanzen seines Unternehmens auseinander zu halten. Laut einem Reuters-Bericht hat McClendon über drei Jahre lang Kredite von 1,1 Milliarden Dollar aufgenommen und seine Anteile an Chesapeake-Ölquellen als Sicherheit hinterlegt – ohne dass Aktionäre darüber informiert waren. Das Geld soll er dann genutzt haben, um in den Genuss potenziell lukrativer Sondervergütungen zu kommen. Laut Ranking hat der Milliardär, der eine Sammlung teurer französischer Weine besitzt, außerdem Firmenjets für Privatreisen mit Freunden und Familie genutzt und das Basketball-Team mit Firmengeldern unterstützt. McClendon hat einen Interessenkonflikt immer zurückgewiesen – inzwischen ermittelt die US-Börsenaufsicht. Quelle: REUTERS
Andrea Jung: Die Kosmetik-Königin und jetzt Ex-Avon-Chefin sollte ihren Konzern wieder auf die Erfolgsspur bringen. Doch die Topmanagerin, die einst als Überfliegerin gefeiert wurde, lehnte ein Milliarden schweres Übernahmeangebot ab, das ihrer Firma gut getan hätte – der Preis sei zu niedrig. Quelle: REUTERS
Mark Pincus: Der Zynga-Chef muss mit ansehen, wie der Börsenwert seines kriselnden Spielekonzerns ins Bodenlose stürzt – weil manche Onlinespiele des „Farmville“-Erfinders an Beliebtheit einbüßen, haben die Aktien des fünf Jahre alten Unternehmens in einem Jahr 75 Prozent an Wert verloren. Die Verzweiflung des 46-jährigen CEOs ist riesig, denn er muss jetzt mit einem radikalen Kurswechsel den Niedergang seiner Firma stoppen. Zu allem Unglück verliert Pincus nun auch noch seine Spitzenmanager an seinen engsten Partner: Zuletzt wechselte Finanzchef David Wehner zu Facebook. Quelle: dapd
Rodrigo de Rato: Gegen den ehemalige Chef der spanischen Krisenbank Bankia wird derzeit wegen Preismanipulationen, Bilanzfälschung und Betrug ermittelt. Der Gewinn des Gelhauses, der 2011 unter dem Ex-IWF-Chef mit 309 Millionen Euro angegeben wurde, soll in Wahrheit ein Verlust von rund 3 Milliarden Euro gewesen sein. Quelle: dpa
Mark Zuckerberg: Der Facebook-Chef, der sein Studium an der Elite-Uni Harvard abbrach, hat es nicht in das Ranking der schlechtesten Bosse des Jahres geschafft – allerdings nur ganz knapp, sagt Experte Finkelstein. Weil der Börsengang floppte, schrumpfte Zuckerbergs Vermögen laut Forbes von 17,5 auf 9,4 Milliarden Dollar zusammen (7,2 Mrd. Euro). Quelle: REUTERS
Andrew Mason: Den Einzug knapp verpasst hat auch der Gutscheinportal-Gründer Andrew Mason, der es mit seiner Idee zu Groupon in kürzester Zeit zum Multimillionär gemacht hat. Doch bei dem Schnäppchen-Anbieter läuft es derzeit gar nicht rund, die Geschäftszahlen waren zuletzt enttäuschend. Sogar der Posten von Mason ist gefährdet. Die Aktie verlor seit dem Börsengang vor einem Jahr rund 80 Prozent ihres Werts. Schon seit einiger Zeit hegen die Anleger Zweifel, ob das Geschäftsmodell überhaupt auf Dauer funktioniert. Groupon lebt von einer Kommission auf die Gutscheine. Die Versuche, das Geschäft über die Rabattcoupons hinaus auszuweiten, waren bisher nur mäßig erfolgreich. Quelle: REUTERS

Nach "einigen Wochen" kommt Milz noch mal in den "Schwarzmarkt" zurück und erkundigt sich, wie es so läuft. Jürgen gibt sich optimistisch, aber ob er wirklich gerettet ist, weiß auch Milz nicht zu sagen. Das Chaos, so kann man jedenfalls deutlich sehen, hat sich wieder seinen Stammplatz in Jürgens Laden zurückerobert.

Der "Firmenretter" zeigt einen Blick auf Unternehmertum in seiner rudimentären Form, wo jeder verdiente Euro bitter nötig ist. Das Problem von unternehmerischem Risiko und Haftung stellt sich nicht. Die Alternative zum unternehmerischen Erfolg ist hier nicht die dicke Abfindung sondern Hartz IV. Auch wenn die Zweifel an der tatsächlichen Rettbarkeit von Jürgens Laden groß bleiben, die Botschaft der Sendung ist jedenfalls willkommen: Packt an!

Die erste Folge des Firmenretters ist am 28.12. um 9.45 Uhr zu sehen, die beiden weitere Folgen gleich anschließend um 10.30 Uhr und am nächsten Tag um 10.45 Uhr.

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