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Flottenmanagement „Fahrverbote treffen die Firmen enorm“

Der Vorsitzende der Geschäftsführung von Arval, Marcus Schulz, über die Verunsicherung deutscher Unternehmen aufgrund des Diesel-Skandals. Quelle: Presse

Marcus Schulz ist Vorsitzender der Geschäftsführung von Arval, dem größten herstellerunabhängigen Full Service Leasing-Anbieter in Deutschland im Flottenbereich. Im Interview spricht er über die Verunsicherung deutscher Firmen aufgrund des Diesel-Skandals, neue Antriebsmöglichkeiten - und erklärt, warum der Passat noch lange nicht tot ist.

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Herr Schulz, gerade wurden neue Fahrverbote in Köln und Bonn verhängt. Wie sehr beeinflussen die Verbotszonen dort und in anderen Städten deutsche Unternehmen?
Marcus Schulz: Die Fahrverbote treffen die Firmen enorm, sie schränken die Firmen in ihrer Mobilität stark ein. Zur aktuellen Diskussion: Köln verbannt Euro4- ab April nächsten Jahres und Euro5-Diesel ab September 2019 aus der Umweltzone. Damit ist die Innenstadt für diese Dieselfahrer dicht.

Sie beraten die Flottenchefs der größten deutschen Unternehmen, wie ist die Stimmung bei Ihren Kunden?
Viele sind sehr genervt. Einige Kunden sogar so sehr, dass sie komplett vom Diesel als Antrieb wegwollen. Andere Firmen wechseln mit der Flotte auf alternative Hersteller, weil sie von einigen deutschen Anbietern enttäuscht sind.

Ist der Grund dafür nur der Frust über die Diesel-Diskussion und die Angst vor Fahrverboten?
Nein. Es liegt auch am starken Anstieg der Lieferfristen bei Neufahrzeugen durch die Umstellung auf den neuen Abgas-Messzyklus WLTP: Von durchschnittlich zwölf auf mittlerweile 18 Wochen dauert die Verschiebung im Schnitt. Teilweise wurde die Auslieferung von Autos sogar „auf unbestimmte Zeit“ verschoben. Das haben manche Hersteller einfach verschlafen.

Da viele Unternehmen ihre Dienstwagen leasen, wechseln sie oft ihre Autos aus und haben ganz alte Diesel-Antriebe kaum in Betrieb. Warum ist der Groll dennoch so groß?
Bei Euro5-Dieseln sprechen wir von wenige Jahre alten Fahrzeugen, die durchaus noch in den Flotten genutzt werden. Zwischen Dieselskandal und Fahrverbots-Chaos bedeutet das für die Besitzer natürlich massive finanzielle Einbußen. Hinzu kommt, dass einige Kunden jetzt früher ihr Fahrzeug tauschen möchten, als es die Leasing-Rotation eigentlich vorsieht. Hintergrund ist auch, dass viele so die Umweltprämie bekommen wollen. Auch deshalb sitzen viele jetzt auf glühenden Kohlen und verlangen von Politik und Herstellern Antworten.

Was halten Sie von den Prämien, die von einzelnen Herstellern für den Ankauf von Diesel-Autos versprochen werden?
Zunächst wurden Prämien auch für Firmenkunden zugesichert, teilweise mehr als 3000 Euro. Vergangene Woche fragte ich bei einem großen Hersteller nach, wie wir das praktisch abwickeln wollen und bekam als Antwort, dass Großkunden nun doch davon ausgeschlossen seien. Alles, was Herr Scheuer sich ausdenkt, wird von den Herstellern kurz darauf wieder einkassiert. Die Politik versucht zu ordnen - doch im Moment geht es einfach kreuz und quer. Denn jeder Hersteller legt die Entwürfe nach eigenem Gusto aus.

Über den Tellerrand der Unternehmen hinaus: Welche Autos mögen die Deutschen - und was verändert sich da gerade?
In Deutschland werden unverändert deutsche Marken bevorzugt. Das hat mit dem Image und der Qualität der Produkte zu tun. Ein weiterer Faktor ist, dass die Effizienz des Dieselantriebes sehr hoch ist – ein Diesel war lange ein Garant für ein gutes Auto. Doch dieses Vertrauen beginnt zu kippen, weil jetzt viel zu Bruch gegangen ist und sich viele fragen, sowohl privat als auch beruflich: Wie lange geht das Theater denn noch? Die Verunsicherung ist enorm.

Der Passat ist das beliebteste Dienstauto der Deutschen, auch hier gab es Rückgänge bei den Bestellungen. Ist das ein Symbol für den schleichenden Verlust des Vertrauens in die Branche?
So sehr ich mich über die Hersteller ärgere, aber ganz so weit sind wir noch nicht: Ja, es gab eine Delle nach unten bei den Bestellungen aufgrund der WLTP-Nachrüstung, aber das erholt sich gerade schon wieder. Der Passat bleibt nach wie vor ein beliebtes Fahrzeug.

Welche echten Alternativen sehen Sie aktuell zum Diesel?
Ich sehe vor allem eine Variante immer stärker werden: Hybrid-Antriebe, die einen Elektro- und einen Benzin-Antrieb kombinieren. Die Hybrid-Autos haben den Vorteil, dass sie als Kunde keine Reichweiten-Angst haben müssen, weil sie nicht liegenbleiben können. Wenn der Elektroakku leer ist, fahren sie mit Benzin weiter. Doch erstens sind diese Fahrzeuge aktuell vergleichsweise teuer und die Lade-Infrastruktur für den Elektro-Antrieb noch wenig verbreitet. Die Reichweiten von Hybrid-Fahrzeugen werden zunehmen, die Batteriekapazität steigen und die Lade-Infrastruktur wird weiter ausgebaut: Dann wird der Elektro-Antrieb eine echte Alternative für die Firmen sein.

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