Frauen im Management Weibliche Aufsichtsräte sind selten

Frauen haben selten den Vorsitz in deutschen Aufsichtsräten inne. Entsprechend schlechter ist ihre Vergütung im Durchschnitt. Am höchsten ist der Frauenanteil in den nordischen Ländern.

Frauen in Führungsetagen
Platz 28: DeutschlandMit gerade einmal 20 Prozent Frauenanteil in Führungspositionen bildet Deutschland fast das Schlusslicht. Einen geringeren Frauenanteil haben mit 19 Prozent nur die Niederlande. Quelle: dpa
Platz 26: ItalienNicht wesentlich höher liegt der Frauenanteil mit 22 Prozent in Italien. Quelle: dpa
Platz 23: SchweizIn den 130 untersuchten Schweizer Unternehmen lag der Anteil an weiblichen Führungskräften bei 25 Prozent. Nur unwesentlich höher... Quelle: AP
Platz 22: Türkei...fällt mit 26 Prozent der Frauenanteil in der Türkei aus. Quelle: dpa
Platz 16: FrankreichFrankreich und Spanien liegen mit einem Frauenanteil von 28 Prozent in Führungspositionen gleichauf.
Platz 14: Schweden Erwartungsgemäß liegt Schweden auf einem der höheren Plätze des Rankings. 28 Prozent der Führungspositionen sind hier von Frauen besetzt. Quelle: AP
Platz 10: GriechenlandGriechenland und Irland belegen von allen westeuropäischen Ländern die höchsten Plätze. Ganze 33 Prozent der Managementpositionen sind hier von weiblichen Führungskräften besetzt. Quelle: dpa
Platz 8: RumänienMit 34 Prozent Frauenanteil ist in Rumänien jede dritte Führungsposition von einer Frau besetzt. Noch höhere Plätze belegen allerdings die anderen ehemaligen Ostblock-Staaten... Quelle: dpa
Platz 3: RusslandMit 40 Prozent Frauenanteil an Führungspositionen belegt Russland den dritten Platz des Rankings. Ähnlich hoch ist mit 37 Prozent der Anteil in Kasachstan. Die hohen Platzierungen der ehemaligen Ostblock-Staaten lassen sich durch die Sowjet-Zeiten erklären, in denen die Frauen ermutigt wurden, gleichgestellte Rollen in Wirtschaft und Politik einzunehmen. Quelle: Reuters
Platz 1: LitauenSpitzenreiter des Rankings ist mit einem Frauenanteil in Führungspositionen von 44 Prozent Litauen. Quelle: Reuters

Frauen in Aufsichtsräten verdienen in Deutschland 15 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, hat die Personalberatung Hay Group festgestellt. Das liegt, so William Eggers, Vergütungsexperte der Hay Group, aber nicht daran, dass sie unmittelbar wegen ihres Geschlechts schlechter bezahlt würden. Der wahre Grund sei: "Das Lohngefälle resultiert aus der Tendenz, weiterhin die strategisch wichtigen und zusätzlich vergüteten Positionen in den Ausschüssen mit Männern zu besetzen."

Mehr Geld gibt es zudem für den Vorsitz und den stellvertretender Vorsitz von Gremium. Und da kommen Frauen in Deutschland kaum vor. Die prominenteste Position, den Aufsichtsratsvorsitz, hat in den deutschen Aufsichtsräten nur eine einzige Frau: In den Aufsichtsräten der DAX30-Unternehmen sitzt mit Simone Bagel-Trah nur eine einzige Frau auf dem Chefsessel - und zwar bei Henkel. Wobei Bagel-Trah wohlgemerkt zur Henkel-Familie gehört, also ohnehin Mitbesitzerin des Konzerns ist. Immerhin ist bei der Deutschen Post eine Dame die Vize-Chefin im Aufsichtsrat: Andrea Kocsis.

Unterdurchschnittlicher Frauenanteil

Ähnlich hoch wie in Deutschland sind die Vergütungs-Unterschiede in der Schweiz und in Belgien - etwa 15 Prozent. Die höchste Differenz besteht laut Hay Group in Italien, die geringste in Finnland und Norwegen mit sechs Prozent weniger für die Damen. In Norwegen verdienen die Frauen sogar zwei Prozent mehr als die Männer in den Aufsichtsräten.

Insgesamt sind nur 13 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder in Deutschland weiblich. Und dieser Anteil ist im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich. Im Schnitt haben Europas Aufsichtsräte 17 Prozent Frauen. Auch das belegt die Studie der internationalen Unternehmensberatung Hay Group, die die Aufsichtsratsbesetzung auf Basis der Geschäftsberichte für das Jahr 2011 untersucht hat. In der Studie wurden die Daten von 390 Unternehmen aus zwölf europäischen Ländern berücksichtigt.

Den höchsten Frauenanteil in Aufsichtsräten weisen die skandinavischen Länder auf. In Norwegen sind es 38 Prozent, in Schweden und Finnland je 28 Prozent. Der Grund ist eine Gesetzesvorgabe. "Denn Norwegen hat im Jahr 2003 eine Frauenquote von 40 Prozent eingeführt", sagt Eggers, Senior Vice President bei Hay Group. Bei den Schweden und Finnen genügte dann der öffentliche Druck, damit der Anteil von Frauen in den vergangenen Jahren gestiegen sei. Entgegen der Befürchtungen mancher norwegischer Top-Manager wurden die Unternehmen durch mehr Frauen in den Aufsichtsräten auch nicht in die Pleite getrieben.

Aufsichtsrat ist kein Fulltime-Job

Ganz abgesehen davon, dass ein Aufsichtsratsposten kein Fulltime-Job ist, sondern selbst bei ausführlichster Bearbeitung maximal auf drei Monate im Jahr kommt.

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Da aber ohnehin nur die Kontrollgremien bislang von einer EU-Frauenquote betroffen wären, sind die geplanten Regelungen für Ute Jasper, Partnerin der Kanzlei Heuking Kühn nur ein "Schaufenstergesetz". EU-Kommissarin Vivian Reding selbst hat einmal gesagt: "Damit die unternehmerische Freiheit gewahrt bleibt, möchte ich nicht in das operative Management von Unternehmen eingreifen, sondern mich auf das Kontrollgremium Aufsichtsrat konzentrieren."

Jasper – sie gehört zu den 100 Top-Frauen der deutschen Wirtschaft (Handelsblatt vom 16.6. 2010) – urteilt: "Eine Beschränkung auf Aufsichtsräte macht die Quotenregelung zu einem Schaufenstergesetz: Es suggeriert Reformwillen, bewirkt in der Praxis aber keine Änderungen." Denn tatsächlich sei kaum eine Frau betroffen. Und Aufsichtsrätin ist kein Hauptberuf – dafür findet man auch ohne Quotenregelung genug weibliche Kandidaten.

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