Frauen in Führungspositionen Ostdeutsche Städte liegen vorn

Exklusiv
Der Anteil von Frauen, die öffentliche Unternehmen wie Stadtwerke oder Landesbanken leiten, hat sich zwischen 2015 und 2018 leicht erhöht: von knapp 16 auf 18 Prozent. Quelle: imago

Der Anteil von Frauen in Führungspositionen öffentlicher Betriebe ist laut einer Studie leicht gestiegen. Doch die Autoren kritisieren: Er sei häufig noch unter den Zielen, die die Politik für Unternehmen ausgegeben hat.

Der Anteil von Frauen, die öffentliche Unternehmen wie Stadtwerke, Museen und Krankenhäuser führen, hat sich zwischen 2015 und 2018 von knapp 16 Prozent leicht auf 18 Prozent erhöht. Das geht aus Zahlen hervor, die Wissenschaftler der Zeppelin Universität Friedrichshafen erhoben haben. Für die Studie haben Ulf Papenfuß, Christian Schmidt und Florian Keppeler die kommunalen Unternehmen der Stadtstaaten und von Bremerhaven, der Landeshauptstädte, sowie der je vier größten Städte der Bundesländer untersucht, insgesamt gut 1500 Betriebe.

In 184 dieser Unternehmen führt eine Frau alleine die Geschäfte. Damit hat jeder fünfte städtische Betrieb mit nur einer Person an der Spitze eine Chefin. Gut drei Prozent aller Doppelspitzen sind ausschließlich weiblich besetzt, in neun Unternehmen steht eine Frau dem Führungsgremium mit einem Mann oder weiteren Kollegen vor. Zwar sei die Repräsentation von Frauen in Top-Managementorganen damit in öffentlichen vielfach höher als in börsennotierten Unternehmen, schreiben die Autoren. Sie liege aber häufig „noch deutlicher unter politisch formulierten Zielen“.

Einen überdurchschnittlich hohen Anteil von Frauen in Top-Jobs haben die Wissenschaftler mit fast 32 Prozent in Berlin, mit 24 Prozent in Bremen und Bremerhaven und mit gut 19 Prozent in Hamburg ausgemacht. Daneben beschäftigen ostdeutsche Städte im Vergleich mehr Frauen in den obersten Führungsgremien ihrer Unternehmen, beispielsweise Gera (fast 38 Prozent), Gotha (etwa 36 Prozent) und Erfurt (knapp 27 Prozent). In Süddeutschland erreichen lediglich Karlsruhe und Freiburg höhere Quoten als der Durchschnitt, dort ist jede vierte beziehungsweise mehr als jede fünfte Spitzenkraft eine Frau.

Große Unterschiede gibt es auch zwischen Branchen. Die wenigsten Leitungsstellen, nur knapp sechs Prozent, besetzen Frauen in Stadtwerken. Das sind sieben von 119 Geschäftsführer- oder Vorstandspositionen. Kaum höher fällt der Anteil in der Abfallwirtschaft (fast acht Prozent) und der Energieversorgung aus (knapp zehn Prozent). In Betrieben mit Tätigkeitsschwerpunkt Bildung und Wissenschaft sind dagegen ein gutes Viertel der obersten Führungsleute Frauen, im Bereich Gesundheit und Soziales ist es fast ein Drittel. Gemessen an der Bilanzsumme, so die Erkenntnis der Wissenschaftler, weisen kleinere Unternehmen im Vergleich zu größeren einen höheren Frauenanteil auf: fast 23 gegenüber knapp 16 Prozent. Das spiegelt Untersuchungen privater Firmen wider: Während Frauen in diesen, bezogen auf alle privatwirtschaftlichen Unternehmen, fast 29 Prozent der Führungspositionen besetzen, waren Ende 2017 nur etwa 13 Prozent der Dax-Vorstände weiblich.

Sie lesen eine Vorabmeldung aus der aktuellen WirtschaftsWoche. Mit dem WiWo-Digitalpass erhalten Sie die Ausgabe bereits am Donnerstagabend in der App oder als eMagazin. Alle Abo-Varianten finden Sie auf unserer Info-Seite.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%