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Frauen in Führungspositionen "Ich führe kooperativ, nicht männlich oder weiblich"

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Vanessa Conin-Ohnsorge: Klare Ansagen, hart in der Sache


Ich musste Härte beim Geschäftsführerwechsel in unserem Familienbetrieb zeigen. Die Unternehmensnachfolge gegenüber Familienmitgliedern durchzusetzen, erforderte Rückgrat. Da halfen nur klare Ansagen: „Ich habe das Zepter in der Hand, sonst gehe ich.“ Es war nicht leicht, die Businessrolle trotz privater Verbundenheit konsequent zu leben. Das widerstrebt durchaus dem weiblichen Harmoniebedürfnis, aber es war wichtig, die Positionen zu klären. Heute stellt niemand mehr in Frage, dass ich die Geschäftsführerin der IDV GmbH bin.

In meinen Aussagen gegenüber Mitarbeitern bin ich klar und durchaus hart in der Sache.

Vanessa Conin-Ohnsorge ist Geschäftsführerin der IDV GmbH - einem auf Vertriebs- und Außendienstinformationen für die pharmazeutische Industrie spezialisierten Unternehmen. Quelle: Presse

Ich sage Dinge einmal und nicht drei Mal. Härte im Sinne von Konsequenz und Klarheit ist angebracht, wenn Prozesse oder Projekte sich entgegen der Unternehmensvorgaben entwickeln.

Oder wenn bei Mitarbeitern mit Motivation nichts mehr zu erreichen ist. Oder wenn sich Entwicklungen abzeichnen, die entweder auf Kosten anderer Mitarbeiter oder zu Lasten des Unternehmens gehen. Diese Härte braucht es als Führungskraft bei Gelegenheit auch gegenüber sich selbst – nämlich dann, wenn Sympathie droht die Rationalität zu überrumpeln oder das Harmoniebedürfnis die Rationalität einschränkt.


Die Männer machen es uns vor: Netzwerken hilft weiter

Unser Führungsstil ist weder typisch männlich noch typisch weiblich, sondern vor allem kooperativ. Bei aller Zielorientierung sind wir berechenbar und hoffentlich faire Partner. Wir decken Potenzial auf und fördern es. Wir wollen Mitarbeiter motivieren, kreativ zu sein, ihre Leistungsfähigkeit zu steigern und selbstständig zu arbeiten. Wenn persönliche Zufriedenheit und die Erfüllung unternehmerischer Ziele Hand in Hand gehen, dann ist für uns Führung erfolgreich. Das gelingt unseres Erachtens nur, wenn wir Vertrauen in die Mitarbeiter haben und sie in uns.

Um aber in diese Position zu gelangen, braucht es schon zu Beginn der Karriere nicht nur Klarheit und Konsequenz, sondern auch Offenheit gegenüber anderen. Jede beruflich orientierte Kontaktpflege, jedes Zusammentreffen mit Kollegen, Mitbewerbern oder möglichen Mentoren ist eine Gutschrift auf dem Karrierekonto. Während Männer ihre Kontakte aus dem Studium oder Wehrdienst teilweise weit in den Job hinein fortführen, haben Frauen im beruflichen Netzwerken noch Nachholbedarf.

Dabei sind gerade weibliche Businessbündnisse nicht nur ein wichtiger Kontaktpool, sondern auch Impulsgeber und Kraftquelle. So kennen wir uns z.B. durch das Netzwerk Healthcare Frauen e.V., das führende Managerinnen im deutschsprachigen Gesundheitswesen verbindet. Es hilft uns, sich über Probleme auszutauschen, auf Verständnis zu stoßen und von erprobten Lösungsstrategien anderer zu profitieren. Hier lässt sich viel für den eigenen Führungsalltag generieren – vom Praxistipp bis zum Geschäftsabschluss. Es wird Zeit, dass Frauen sich weniger als Konkurrentinnen auf dem Weg nach oben betrachten, sondern als Kolleginnen mit gemeinsamem Ziel: Mehr Frauen ins Management.

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