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Frauenförderung "Wir dürfen Männer nicht ausgrenzen"

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Es hat geklappt mit der Karriere

Wieso hat es nicht funktioniert?

Die haben mich als Frau und Informatikerin wie eine Trophäe herumgereicht – ich habe da nicht hingepasst. Also wechselte ich zur Software AG, die galt damals als der Star am Softwarehimmel, war viel größer als SAP. Das Arbeiten war auf einmal sehr entspannt.

Warum?

Weil ich mich, ohne Angst ums nächste Gehalt, voll um die Arbeit kümmern konnte, eingebettet in eine anthroposophische Unternehmenskultur: sechseckige Schreibtische, vegetarische Kantine, Tennisanlage und eine Gärtnerei, in der Behinderte arbeiteten. Zehn Prozent des Gewinns gingen an Waldorfschulen. Wir haben nur mit Kunden gearbeitet, die zu uns passten. Das hat in der Branche für Irritationen gesorgt – aber die klare Haltung abseits des Mainstreams hat mich eben gereizt. Wir waren damals trotzdem Deutschlands erfolgreichste IT-Firma, die mir die Chance gegeben hat, mich weiterzuentwickeln, bis zur Abteilungsleiterin und der Verantwortung für mehrere Geschäftsstellen.

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Also hat es doch geklappt mit der Karriere.

Aber nicht um der Karriere willen. Grenzen sind für mich Ansporn: Wer mir sagt, das schaffst du nicht, drückt einen roten Knopf – dem versuche ich das Gegenteil zu beweisen. Das macht zwar angreifbar. Aber wer erfolgreich Verantwortung übernimmt und an Grenzen geht, dem traut man mehr zu.

Frauenförderung…

...war damals ein Fremdwort in der IT-Branche. Ich war in meinen Unternehmen lange die einzige weibliche Führungskraft, hatte nur Männer im Team. Ab und zu gab’s flapsige Bemerkungen, die habe ich nicht groß an mich rangelassen – letztlich entschied die Qualität der Arbeit, nicht die Frage des Geschlechts. Dieser Stil hat mich sehr geprägt.

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Offenbar so sehr, dass Sie kurz nach der Geburt Ihres Sohnes 1996 wieder arbeiten gingen, während Ihr Mann zu Hause blieb.

Ich habe nach drei Monaten wieder angefangen zu arbeiten, allerdings reduziert. Dann kam ein Angebot von einem US-Unternehmen. Wir haben eine Woche diskutiert und dann pragmatisch entschieden: Weil ich schon damals mehr verdiente und die besseren Karriereaussichten hatte, bin ich gewechselt. Mein Mann hat erst Erziehungsurlaub genommen, dann den Job ganz an den Nagel gehängt, um sich um unseren Sohn zu kümmern. Und er hat seinen Porsche gegen einen Ford Fiesta eingetauscht, weil da der Kinderwagen reingepasst hat.

Für Ihren neuen Arbeitgeber, das US-Softwareunternehmen Cambridge Technology Partners, haben Sie den Markteintritt in Deutschland organisiert und zuletzt die Position des Vice President für Zentral- und Nordeuropa bekleidet. Warum sind Sie 2002 zum badischen Mittelständler GFT gewechselt?

GFT-CEO Ulrich Dietz hatte über die Jahre immer wieder angeklopft. Und als Cambridge vom Konkurrenten Novell übernommen wurde, war ich bereit für etwas Neues. Und obwohl die GFT-Zentrale damals noch im Schwarzwald saß, konnte ich als Vorstand in Frankfurt bleiben, bei der Familie – auch diese frühe Idee von Work-Life-Balance hat mich überzeugt.

In Arbeit
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Was müssen Bewerber mitbringen, damit Sie sie einstellen?

Sie sollten selbstbewusst und risikotolerant sein und Unsicherheit akzeptieren können – wer sich gern hinter starren Regeln versteckt und nur verwalten möchte, ist hier falsch. Andererseits muss jemand auch in der Lage sein, sich im rechten Moment zurückzunehmen – denn Erfolg hängt bei uns wesentlich von der Fähigkeit ab, mit anderen Teams zusammenzuarbeiten. Kurzfristig orientierte Rambos haben bei uns keine Chance. Wer diese Eigenschaften mitbringt, kann bei uns früh Verantwortung in einem internationalen Umfeld übernehmen.

Wie erkennen Sie, ob jemand ins Team passt?

Zum einen über meine Lieblingsfrage: „Was war das Verrückteste, das Sie im vergangenen Jahr gemacht haben?“ Egal, wie die Antwort ausfällt: Allein die Reaktion verrät mir immer etwas über den Kandidaten – wie ehrlich ist er, wie spontan, wie stimmig antwortet er? Und die Mischung muss stimmen – ich brauche Mitarbeiter, die das Glas halb leer sehen genauso wie die Daueroptimisten. Klar geraten die mal aneinander. Aber wenn es nie knallt, haben Sie keinen Erfolg.

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