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Frauenquote Vorzeige-Managerinnen auf dem Absprung

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Das Schubladendenken

Wo Frauen in deutschen Konzernen stehen
European Commissioner for Justice, Fundamental Rights and Citizenship Viviane Reding Quelle: dapd
Die Beine von Deutsche Bank-Mitarbeiterinnen, aufgenommen auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Festhalle in Frankfurt am Main Quelle: dapd
Frau an einem Fax-Gerät Quelle: Fotolia
Männer und Frauen verschiedenen Alters Quelle: Fotolia
zwei Frauen und zwei Männer in einem Meeting Quelle: Fotolia
Business-Meeting Quelle: Fotolia
Frau schaut in den Himmel Quelle: Fotolia

Ähnliches fürchtet der Experte auch für die neuen deutschen Top-Frauen. Werden in den Gremien aus Opportunismus nur Alibifrauen installiert, ist die Gefahr weiterer krachender Abgänge hoch. „Im Zuge der Quotendebatte öffnet jetzt mancher Manager kurz mal sein Schubladendenken und lässt eine Frau ihre Runde drehen. Scheitert sie dann, fühlt er sich bestätigt und schiebt die Schublade im Kopf wieder zu.“

Bloß nicht Anecken

Die Frauen in den Vorstandsetagen agieren deshalb wie unter einem Brennglas, immer belauert von ihren männlichen Kollegen – ein gruppendynamisches Phänomen. Menschen neigen dazu, Fremdes erst einmal abzulehnen, wenn sie sich als Teil einer homogenen Gruppe fühlen. Bleiben Frauen Einzelkämpferinnen in zweiter Reihe, beeinflusst dieser Status auch ihre Arbeit: Sie wollen nichts falsch machen und beweisen, dass sie die männlichen Spielregeln beherrschen. Denn wer sich ohnehin als Exot fühlt, will nicht noch zusätzlich durch ungewöhnlichen Führungsstil oder überraschende Vorschläge anecken.

Innovatives und kreatives Arbeiten bleibt so oft auf der Strecke, erklärt Weibler: „Frauen in leitenden Positionen verhalten sich häufig konservativer, als sie eigentlich sind, weil sie glauben, nur so akzeptiert zu werden.“

Tatsächlich wird zum Beispiel Anastassia Lauterbach, Kurzzeit-Wunderwaffe der Deutschen Telekom, ein extrem machohaftes Auftreten nachgesagt. Die Managerin sei „an Selbstbesoffenheit, Arroganz und Überheblichkeit nicht mehr zu toppen“ gewesen, ätzen Konzernkollegen. An ihren Qualitäten als Managerin dagegen zweifelten selbst ihre Kritiker nicht – gehen musste sie trotzdem, nach knapp einem Jahr.

Schlechter Stil – daran scheitern auch Männer. Doch Frauen streichen früher die Segel. „Frauen sind da konsequenter, Männer stoischer“, sagt Monika Schulz-Strelow, Präsidentin des Vereins Frauen in die Aufsichtsräte. Der Quotenlobbyistin fehlt mitunter der Kampfgeist unter den Kolleginnen. Ja, Männer machen es Frauen, die nach oben wollen, schwer: Sie bunkern, boykottieren, belächeln. Wahr ist aber auch: Viele Frauen geben den Kampf viel zu früh auf. Oder treten ihn erst gar nicht an.

Frauen ohne Ehrgeiz

Das belegen Studien eindrucksvoll: Nur jede fünfte berufstätige Frau will ihre Karriere laut einer Umfrage von Accenture vorantreiben – bei den Männern ist es jeder zweite. Satte 70 Prozent aller weiblichen Kräfte sind zudem zufrieden mit ihrer Position auf der Karriereleiter. „Offensichtlich haben sich viele Frauen damit eingerichtet, dass es für sie im Job häufig nicht weitergeht“, sagt Accenture-Frau Hinkel. Die Schuld für ihre mangelnden Aufstiegschancen suchen sie vor allem bei sich selbst. 28 Prozent sagen, ihnen fehlten die nötigen Fertigkeiten und das Wissen für den nächsten Karriereschritt. Nur sieben Prozent aller Männer lieferten diese Bankrotterklärung ab.

Tatsache ist: Per Studienfach sind Frauen nachweislich schlechter qualifiziert für die Jobs in den Top-Etagen. "Unter den Absolventen der karriereorientierten Fächer Wirtschafts-, Natur- und Ingenieurwissenschaften waren 2007 gut 30 % Frauen.", so Managementexpertin Sonja Bischoff. In besonders nachgefragten Fächern wie Informatik, Maschinenbau oder Elektrotechnik sehen die Zahlen noch düsterer aus. „Wie sollen Unternehmen dieser Branchen da Führungsposten mit ausreichend qualifizierten Frauen besetzen?“ 60 Prozent aller Posten in den Vorständen und Aufsichtsräten sind allerdings mit Juristen oder Wirtschaftswissenschaftlern besetzt, fand der Juristinnenbund heraus, Studiengängen also, in denen der Frauenanteil hoch ist. An die Spitzen klettern aber auch diese Frauen nicht.

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