Frauenquote Der Placebo-Effekt

EU-Kommissarin Viviane Reding will ein Gesetz zur Frauenquote vorlegen. Damit wird sie in Europa nicht durchkommen.

Die mächtigsten Frauen Deutschlands
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Die Dame ist Überzeugungstäterin. Und ihr ganz persönliches Credo lautet: Die Frauenquote für die Unternehmen muss kommen. Nicht flexibel, nicht selbstverordnet, sondern per staatlichem Dekret. EU-Justizministerin Viviane Reding arbeitet an einem Gesetz für eine Frauenquote, das hat sie heute bestätigt. Im Oktober will sie dazu einen Richtlinienvorschlag vorlegen. Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen soll bis 2020 auf 40 Prozent erhöht werden.

Schon seit Monaten wirbt Reding für ihren Vorschlag. Freiwilligen Vereinbarungen mit der Wirtschaft will sie nicht trauen. Dass sie sich Quotengesetze in allen EU-Mitgliedstaaten wünscht, war nie ein Geheimnis. Dass sie ausgerechnet jetzt eine Richtlinie schreiben will, hat einen Grund. In den vergangenen Wochen hatte Reding die Wirtschaft um Vorschläge gebeten, wie der Frauenanteil in den Kontrollgremien gesteigert werden könne. Inzwischen hat sie 500 Beiträge erhalten. „Die meisten aus Deutschland“, wie es in der Kommission heißt. Jetzt sind die Reding-Mitarbeiter dabei, die Folgen der geplanten Vorschrift abzuschätzen.

Diese Fehler verbauen Frauen die Karriere
1.  Frauen lassen sich von Stellenanzeigen einschüchternKeine Frage, Bewerber sollten Stellenanzeigen sorgfältig durchlesen. Aber zu viel Sorgfalt schadet eher. Ein Problem, das vor allem Frauen betrifft. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Online-Stellenbörse Jobware. 151 Männer und 79 Frauen lasen darin 150 Stellenanzeigen. Währenddessen wurden ihre Augenbewegungen aufgezeichnet, hinterher bewerteten die Studienleiter ihre Aussagen. Das Ergebnis: Frauen klickten im Schnitt nicht nur auf mehr Jobprofile, die sie auch länger durchlasen. Mehr noch: Sie ließen sich wesentlich stärker von vermeintlich männlichen Stellentiteln und Qualifikationen beeindrucken – und wollten sich gar nicht erst bewerben. Ein Indiz dafür, dass sich Frauen von manchen Anforderungen immer noch zu stark beeindrucken lassen. Ein Problem, das schon früh beginnt... Quelle: Fotolia
2. Schon Mädchen scheuen WettbewerbMatthias Sutter und Daniela Rützler von der Universität Innsbruck untersuchten in einer Studie das Verhalten von mehr als 1000 Kindern im Alter zwischen 3 und 18 Jahren. Sie sollten verschiedene Tests lösen, etwa Wettläufe oder Matheaufgaben. Als Belohnung erhielten sie kleine Geldbeträge. Im Verlauf des Spiels konnten die Kinder dann gegen Gleichaltrige antreten und dabei mehr verdienen. Bei den Jungen entschieden sich 40 Prozent für den Wettkampf unter Gleichaltrigen. Von den Mädchen wollten das nur 19 Prozent wagen. Quelle: Fotolia
3. Frauen unterschätzen ihre LeistungErnesto Reuben von der Columbia Business School gewann für sein Experiment ( .pdf) 134 Studenten. Alle hatten zwei Jahre zuvor verschiedene Aufgaben absolviert, jetzt sollten sie ihre damalige Leistung bewerten. Das Ergebnis: Die Männer überschätzen ihre tatsächliche Leistung um rund 30 Prozent überschätzt, die Frauen hingegen um weniger als 15 Prozent. Im zweiten Schritt teilte Reuben die Teilnehmer in Gruppen. Sie sollten einen Vertreter wählen, der für die Gruppe Geld gewinnen konnte. Das Ergebnis: Weil sie zu ehrlich waren, schafften es weibliche Teilnehmer drei Mal seltener als Männer, die Rolle des Anführers zu übernehmen. Quelle: Fotolia
4. Frauen lassen sich von Klischees beeinflussenMarina Pavlova vom Universitätsklinikum Tübingen reichte für ihre Studie im Jahr 2010 83 Medizinstudenten den Abschnitt eines Intelligenztests. Dabei sollten sie eine Reihe von Bildern in die richtige Reihenfolge zu bringen. Doch vorab gaukelte Pavlova der einen Hälfte der Teilnehmer vor, dass Frauen bei dieser Aufgabe generell besser abschneiden. Die andere Hälfte erfuhr, dass Männer darin bessere Ergebnisse erzielen. Ergebnis: Die Frauen ließen sich von negativen Aussagen viel stärker beeinflussen als Männer. Deren Leistung litt kaum unter der Vorab-Information. Quelle: Fotolia
5. Frauen sind schneller zufriedenDer Soziologe Stefan Liebig von der Universität Bielefeld analysierte für seine Studie ( .pdf) Daten des Sozio-oekonomischen Panels. In dieser Langzeitstudie machen 10.000 Deutsche regelmäßig Angaben zu Ihrem Beruf und Privatleben. Liebig wollte wissen, ob sie ihr aktuelles Einkommen als gerecht empfanden - und falls nein, welches Nettogehalt angemessen wäre. Wenig überraschend: Etwa jeder dritte Befragte fand sein Einkommen ungerecht. Doch das Einkommen, das Frauen als gerecht empfanden, lag noch unter dem tatsächlichen Gehalt von Männern. Egal ob Akademikerin oder Reinigungskräfte: Frauen hatten finanzielle geringere Ansprüche. Quelle: Fotolia
6. Frauen scheuen Jobs mit WettbewerbAndreas Leibbrandt und John List schalten für ihre Untersuchung Stellenanzeigen in neun US-Städten – in zwei verschiedenen Versionen. Die eine Ausschreibung suggerierte, dass das Gehalt nicht verhandelbar sei. Die andere behauptete, dass das Gehalt Verhandlungssache sei. Fazit: Bei letzterer Stelle bewarben sich wesentlich mehr Männer. Offenbar meiden viele Frauen Jobs mit starkem Konkurrenzdenken. Quelle: Fotolia
Ein Mann hält einen Zettel mit der Aufschrift "Job gefällig?" in der Hand Quelle: dpa
6. Chefinnen unerwünschtNicht nur Männer wollen keine Frauen als Chef, sogar die weiblichen Arbeitnehmer sind von Frauen in Führungspositionen wenig überzeugt. Nur drei Prozent wollen eine Chefin. Neunmal so viele finden es besser einen Mann als Chef zu haben. Das ergab eine repräsentative Umfrage der Meinungsforscher von Forsa.     Quelle: Fotolia
 Eine Frau steht mit zwei Paar Schuhen vor ihrem Kleiderschrank Quelle: dpa
10. Frauen streben seltener nach FührungspositionenEin Team von Organisationspsychologen um Jörg Felfe von der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg untersuchte für eine Langzeitstudie ( .pdf) „Führungsmotivation im Geschlechtervergleich“. Kurios: Zwar hatten die Frauen häufig wesentlich mehr Potenzial als die Männer. Doch das hieß noch lange nicht, dass sie nach einer steilen Karriere strebten. Ganz im Gegenteil: Laut Felfe haben sie haben mehr Bedenken als Männer, in einer Führungsposition zu versagen und befürchten, Arbeit und Familien nicht vereinbaren zu können. Deshalb fahren sie „auf der Karriereautobahn mit angezogener Handbremse“. Quelle: Fotolia
11. Frauen kommunizieren Ihre Schwächen, nicht ihre StärkenFrauen kommunizieren anders als Männer. Nämlich sprechen sie rund 20-mal häufiger über ihre vermeintlichen Unzulänglichkeiten als über ihre Stärken und Erfolge, wie Studien zeigen. So verkaufen sie sich unter Wert. Denn im Berufsleben ist "ich kann das nicht" keine Botschaft, die einen weiter bringt. Quelle: Fotolia

Durchsetzung unwahrscheinlich

Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass Reding sich in der EU mit ihren Vorstellungen durchsetzen kann. Das EU-Parlament mag noch einfach zu überzeugen sein. In den Mitgliedstaaten bräuchte Reding allerdings eine qualifizierte Mehrheit - und das dürfte schwierig werden.

Von Bundeskanzlerin Angela Merkel weiß man, dass sie starre Quoten ablehnt – weil sie diese weder dem Wirtschaftsflügel ihrer Partei noch den Koalitionskollegen von der FDP zumuten will.

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Mit der CSU hat sie sich daher darauf geeinigt, in Deutschland keine starre, sondern eine Flexi-Quote einzuführen, wie sie Frauenministerin Kristina Schröder propagiert. Die Unternehmen müssen sich demnach selbst eine Vorgabe für den Frauenanteil in Führungspositionen setzen. Sie müssen dann veröffentlichen, ob sie dieses Ziel erreicht haben. Mehr ist in der Bundesregierung zur Erleichterung der Wirtschaft nicht durchsetzbar.

Erfolge ohne starre Quote

So wird Redings Vorstoß wohl erst einmal eine Drohung bleiben. Allerdings können auch politische Placebos einiges in Bewegung setzen. Das kennt man aus der deutschen Quotendebatte: Nach einer Studie der Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoopers ist der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der Dax-Konzerne jetzt leicht gestiegen. Inzwischen sind 18,2 Prozent der Mandate mit einer Frau besetzt. Anfang 2011 dümpelte dieser Anteil noch um die 13,4 Prozent herum. Geht also doch. Auch ohne starre Quote.

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