Frauenquote Schwesigs letzter Aufruf

Ab dem 1.1. gilt die Frauenquote. Einige Unternehmen warten jedoch offenbar darauf, dass ihnen das Christkind noch eine Quotenfrau bringt. Die Familienministerin findet das gar nicht komisch.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) Quelle: dpa

In zehn Tagen müssen die Dax-Konzerne ein Drittel ihrer Stühle in den Aufsichtsräten mit Frauen besetzen. Doch das wird nicht überall funktionieren. Zwar fehlten im Juli nur noch 20 Aufseherinnen, um die Quote zu erreichen, doch seit dem ist bei den betroffenen Dax-Konzernen offenbar nichts weiter passiert. Zurzeit beträgt der Frauenanteil in den betroffenen Unternehmen laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung im Schnitt 22 Prozent. Eine entsprechende Berechnung der Beratungsgesellschaft Kienbaum geht von 21 Prozent aus.

Kurz vor Inkrafttreten der Frauenquote hat Familienministerin Manuela Schwesig deshalb nochmals an die sturen Jungs aus der Wirtschaft appelliert. "Ich erwarte von den Unternehmen, dass sie es ernst meinen mit der von ihnen selbst so häufig gepriesenen Vielfalt in den Führungsetagen." Die Manager müssten alles tun, um ihre Ziele auch zu erreichen. Die Frage ist nur, woher bis zum 1.1. die fehlenden Aufsichtsratsdamen kommen sollen.

Einzelne Unternehmen müssen drei bis vier Frauen aus dem Hut zaubern

So fängt das neue Jahr bei 20 börsennotierten, voll mitbestimmten Familienunternehmen gleich gut an: Um die Quote zu erfüllen, müssen sie bei den kommenden Besetzungsverfahren insgesamt 33 weibliche Aufsichtsräte berufen. Das ergab eine aktuelle Analyse von Kienbaum. "Teilweise müssen drei bis vier Frauen gleichzeitig berufen werden", sagt Monika Berane, Partnerin bei Kienbaum und als Personalberaterin spezialisiert auf die Besetzung von Führungspositionen mit Frauen.

So hoch ist der Frauenanteil in den Dax-Konzernen

Nur sechs der 20 von der Quote betroffenen Familienunternehmen erfüllen diese bereits. Der Konsumgüterhersteller Henkel ist mit einem Frauenanteil von knapp 44 Prozent absoluter Spitzenreiter.

Es gibt jedoch auch familiengeführte Unternehmen die größeren Bedarf an zukünftigen Aufsichtsrätinnen aufweisen. Das Medizintechnik- und Gesundheitsunternehmen Fresenius und die Beteiligungsgesellschaft Porsche Automobil Holding beispielsweise haben derzeit noch keine Frau im Aufsichtsrat.

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Dass sich bei diesen Unternehmen bis zum 1.1. beziehungsweise bis zum ersten Arbeitstag etwas ändert, ist ziemlich unwahrscheinlich. In diesem Fall müssen frei werdende Plätze im Aufsichtsrat leer bleiben. Spannend wird es aber eigentlich erst, wenn es an die verpflichtende Besetzung der Chefposten mit Frauen geht, der sich die Deutschen Unternehmen verweigern, wie eine Umfrage der WirtschaftsWoche ergeben hat.

Demnach will ein Großteil den Anteil an Frauen in den oberen drei Führungsebenen nur halten, einige wollen ihn reduzieren. Mehr Frauen in die obersten Etagen holen will dagegen niemand. Stellt sich nur die Frage, ob die Chefsessel dann auch in Zukunft leer bleiben müssen, bis das Christkind eine Chefin mitbringt.

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