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Frauenquote Vorzeige-Managerinnen auf dem Absprung

Seite 2/5

Steiler Absturz

Angelika Dammann Quelle: Deniz Saylan für WirtschaftsWoche

Schneller Aufstieg, steiler Absturz: So wie Christine Scheel ging es in der jüngsten Vergangenheit auffallend vielen Spitzenmanagerinnen. Kaum war die meist öffentlichkeitswirksam inszenierte Inthronisation in einen Top-Job vermeldet, waren die gerade noch hochgelobten Frauen ihren Posten schon wieder los.

Dabei schien die Ära der starken Frauen just anzubrechen: Zum einen, weil EU-Kommission und Bundesregierung heftig mit einer Frauenquote drohten. Aber auch, weil sich in Wissenschaft und Wirtschaft peu à peu die Einsicht durchsetzt, dass gemischte Teams erfolgreicher sind als eine Horde weißer alter Männer, stieg der Anteil der Unternehmen mit mindestens einer Frau im Vorstand laut DIW von 2009 auf 2010 um 30 Prozent auf 11,3 Prozent. Mit Simone Menne machte die Lufthansa vor wenigen Tagen eine Frau zur Finanzchefin. Der Zug, frohlockte etwa Personalberater Heiner Thorborg, Gründer des Frauennetzwerks Generation CEO, sei nicht mehr aufzuhalten.

Doch die scheinbare Himmelfahrt mit Karacho durch die Glasdecke ist schon gebremst – manche der neu ernannten Chefinnen sind schon wieder im Karrierekeller gelandet. Das zeigt schon ein nüchterner Blick auf die Zahlen: Öffentlich wird zwar schon um die berufliche Zukunft von Männern gebangt, tatsächlich aber ist der Frauenanteil im mittleren und oberen Management in den vergangenen drei Jahren nahezu gleich geblieben, so eine Studie des Hoppenstedt-Verlags. Und laut DIW ist in den 200 größten Unternehmen Deutschlands die Zahl der Frauen in Top-Positionen 2011 gar leicht zurückgegangen (siehe Grafik). Hatten doch zahlreiche Hochgelobte und Hochgehievte inzwischen die Kehrseite der Macht kennengelernt. Und sich teilweise so schnell von ihrem Spitzenjob verabschiedet, wie sie ihn ergattert hatten.

Anteil der 200 größten Unternehmen in Deutschland mit Frauen im Vorstand Quelle: DIW

Unter Beobachtung

Angelika Dammann warf im Sommer 2011 das Handtuch, nach gerade mal einem Jahr als Personalvorstand beim Softwarekonzern SAP. Anastassia Lauterbach, mit großem Tamtam bei der Telekom als konzernweite Produktchefin installiert, wurde wenige Monate später wieder abserviert. Im Sommer 2011 quittierte Puma-Vize Melody Harris-Jensbach den Dienst, als ihr – nach tadelloser Arbeit – ein 20 Jahre jüngerer Mann vor die Nase gesetzt wurde. Zuletzt verließen Metro-Personalchefin Claudia Schlossberger und Carla Kriwet, beim Medizintechnikunternehmen Dräger für Vertrieb und Marketing zuständig, ihre Posten. Kriwets Aus kam nach nicht mal zwölf Monaten.

Warum aber ist der Nagellack so rasch wieder ab in Deutschlands frisch renovierten Vorstandsetagen? Stürzen die Frauen über die Fallstricke der Old-Boys-Netzwerke? Haben sie den rauen Wind an der Spitze unterschätzt und geben schneller auf als ihre männlichen Konkurrenten? Oder scheitern da Quotenfrauen an ihrer mangelnden Kompetenz?

An der Qualifikation liege es nicht, sagt Christiane Sauer, Headhunterin bei Korn/Ferry. „Der Wind da oben ist kalt, da zählt nur noch Leistung – auch für Frauen.“

Doch während viele gestrauchelte Männer ohne großes Getöse ihren Platz räumen, stehen gescheiterte oder angezählte Frauen viel stärker unter Beobachtung – erst recht, seitdem die neue Quotendebatte hochkocht: Gerade mal sieben Vorstandsposten besetzten sie 2011 in den Dax-30-Unternehmen. „Wenn dann eine wackelt, fällt das natürlich viel mehr auf“, sagt Catrin Hinkel, Geschäftsführerin des Beratungsunternehmens Accenture.

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