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Friends & Family
Beziehungen zwischen ähnlichen Partnern halten länger. Aber lässt sich das auch auf Wirtschaft und Politik übertragen? Quelle: imago images

Wie harmonisch sollte eine Doppelspitze sein?

Gleichgesinnte oder Antipoden? Wie die perfekte Doppelspitze besetzt sein sollte, hängt vor allem von ihren Aufgaben ab.

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Darauf muss man erst einmal kommen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz wurde kürzlich kritisiert, weil er sich für die Kandidatur um den SPD-Parteivorsitz eine Partnerin aussuchte, die ihm angeblich zu ähnlich sei. „Scholz findet Scholzin“ schrieb eine Wochenzeitung, obwohl die Co-Kandidatin des Ministers, die Brandenburger Landtagsabgeordnete Klara Geywitz, weiblich, ostdeutsch und fast 20 Jahre jünger ist. Aber auch wenn Scholz sich keinen Zwilling auserwählt hat: Die Frage, wie viel Unterschiedlichkeit zwischen den Partnern einer Doppelspitze sinnvoll ist, wird immer wichtiger. Schließlich gibt es sie immer häufiger, nicht nur in der Politik, sondern auch in Unternehmen.

Die Antwort ist nicht so einfach, wie es zunächst scheint. Denn auch Forscher, die ständig die Vorteile von Diversität preisen – größere Kreativität und geringere Fehleranfälligkeit stehen dabei ganz vorn –, bestreiten ja nicht, dass auch Homogenität in Führungsgremien manchmal sinnvoll ist. Wenn alle Beteiligten den gleichen Herrenschneider nutzen, ähnliche Hobbys pflegen und über ähnliche Witze lachen, ist das zunächst einmal: bequem und effizient. In Stresssituationen, in denen schnell Entscheidungen gefällt werden müssen, kann es ein großer Vorteil sein, wenn die Kosten der kollektiven Willensbildung aus habituellen Gründen niedrig sind. Nur ist auch erwiesen, dass die Fehlerquote durch so viel Einigkeit steigt: Wer sich schnell und informell verständigen kann, hat Vorteile – entfernt sich aber mitunter im Einklang von den Vorstellungen der Kunden, der Mitarbeiter oder sogar von der Realität.

Soziologen, die sich mit Ehen und anderen Partnerschaften beschäftigen, geben zu der Frage ein klares Votum ab: So groß die Anziehung zwischen Antipoden mitunter sein mag – stabiler sind Beziehungen von Partnern, die sich ähneln.

Dass einige legendäre Unternehmen auf Tandems aus zwei sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten gegründet wurden, widerspricht diesem Befund keinesfalls: Bill Gates und Paul Allen beispielsweise schufen gemeinsam in einer Garage Microsoft, gerade weil solch eine Aufgabe nur mit effizienter Arbeitsteilung zu meistern ist – zwischen Technikern und Kaufleuten, zwischen Kreativen und Controllern. Das ändert sich mit der Zeit. Dann ist Gelegenheit, genau zu prüfen, was die Doppelspitze bewirken soll: Sensibilität für unterschiedliche Zielgruppen? Zeitersparnis für die Spitzenleute? Gegenseitige Kontrolle?

Ähnlich ist es in der Politik. Teams mit gegensätzlichen Partnern, wie sie etwa die Sozialdemokraten Gerhard Schröder und Oskar Lafontaine verkörperten, ziehen kurzfristig ein breites Wählerspektrum an. Später scheitern sie dann oft an internen Widersprüchen. Das Modell „Scholz sucht Scholzin“ wäre demnach kurzfristig schwächer und weniger kreativ als andere Paarungen, aber eher in der Lage, Krisen unter Zeitdruck zu meistern. Das muss kein Fehler sein – vor allem an der Spitze einer seit Jahren kriselnden Organisation wie der SPD.

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