Führung Kompetenz wächst nicht mit der Erfahrung

Haben die Personalabteilungen bisher alles falsch gemacht? Der Wirtschaftspsychologe Uwe Kanning behauptet, dass Führungserfahrung nichts bringt, und will mit einer Studie den gesunden Menschenverstand widerlegen.

Was erfolgreiche Chefs täglich tun
1. Sie sind zugänglich Viele Führungskräfte wirken auf ihre Kollegen einschüchternd. Wer erfolgreich sein will, sorgt dafür, dass dem nicht so ist. Vielmehr sorgen sie dafür, dass in Meetings und Einzelgesprächen eine angenehme Gesprächsatmosphäre herrscht, in der sich auch die graue Maus im Büro traut, den Mund aufzumachen, um ihre Meinung zu sagen. Also: besser nicht zu sehr den Boss raushängen lassen, sondern lieber Sicherheit geben, dass Kritik nicht nur erlaubt, sondern sogar erwünscht ist. Quelle: Fotolia
2. Sie treffen Entscheidungen Ja Mensch, denken sich jetzt vermutlich viele, mache ich auch – auf dem Weg zur Arbeit, am Rechner, in der Kantine. Erfolgreiche Chefs sind im Treffen von Entscheidungen wahre Experten. Dabei konzentrieren sie sich immer darauf, dass alle Entscheidungen, die getroffen werden, dazu führen, dass ein Prozess voranschreitet, etwas möglich wird, etwas am Ende herauskommt. Entscheidungen mit Folgen sozusagen. Quelle: Fotolia
3. Sie definieren ZieleErfolgreiche Führungskräfte sind hervorragende Kommunikatoren in eigener Sache. Und natürlich vor allem dann, wenn es ihnen etwas nützt. Also erzählen sie, wann immer es geht, welche Ziele das Unternehmen verfolgt, welche Werte es vertritt, damit die Vision korrekt verinnerlicht ist und umgesetzt werden kann. Und jeder im Team immer wieder erinnert, wird, welche Aufgabe er in diesem System zu erfüllen hat. Quelle: Fotolia
4. Sie übernehmen VerantwortungErfolgreiche Führungskräfte halten ihren Mitarbeitern den Rücken frei. Sie boxen Entscheidungen durch, damit ihre Kollegen mit ihrer Arbeit weiterkommen und sich nicht im Kleinklein des strategischen Taktierens verlieren müssen. Sie schaffen ein Umfeld, in dem sie sich auf ihre Mitarbeiter und ihre Mitarbeiter sich auf sie verlassen können. Quelle: Fotolia
5. Sie sind BeispielfunktionKlingt wieder banal, aber auch über Banalitäten kann es sich lohnen, noch einmal nachzudenken. Nur wenige Führungskräfte sind dabei nämlich konsequent. Das fängt bei der Pünktlichkeit an und hört bei dem Verhalten in Meetings auf. Erfolgreiche Führungskräfte wissen, dass sie unter ständiger Beobachtung stehen und decken intuitiv diejenigen auf, die nur auf einen klitzekleinen Fehler warten. Quelle: Fotolia
6. Sie geben FeedbackJeder Angestellte möchte, dass seine Führungskraft weiß, welchen großartigen Beitrag er jeden Tag für das Unternehmen leistet. Erfolgreiche Führungskräfte wissen daher, wie wichtig es ist, Feedback zu geben. Sie schenken auch einmal kleinen Details Aufmerksamkeit und legen Wert auf vertrauensvolle Beziehungen zu ihren Mitarbeitern. Quelle: Fotolia
7. Sie nutzen das Potenzial des Teams perfektErfolgreiche Führungskräfte wissen genau um die Talente in ihrem Team. Sie sind Experten darin, auch noch so versteckte Fähigkeiten ihrer Kollegen zu erkennen und heraus zu kitzeln. Wie auf dem Fußballfeld ist es nicht sonderlich sinnvoll, einen Stürmer als Verteidiger einzusetzen und umgekehrt. Erfolgreiche Führungskräfte erkennen das und setzen ihre Kollegen ihren Fähigkeiten entsprechend ein. Quelle: Fotolia
8. Sie hinterfragen sichNatürlich würden sie es sich niemals von außen anmerken lassen. Erfolgreiche Führungskräfte haben einen ungeheuren Wissensdurst und sind ständig auf der Suche nach der perfekten Idee/Strategie. Und das betrifft auch ihre eigenen Entscheidungen und ihr Auftreten. Quelle: Fotolia
9. Sie pflegen BeziehungenErfolgreiche Führungskräfte greifen meist auf ein großes Netzwerk zurück. Dieses kann ihnen in vielerlei Hinsicht: bei der Suche nach den geeignetsten Personen für ihr Team, bei der besten Strategie, bei der Suche nach neuen Herausforderungen. Quelle: Fotolia
10. Sie übernehmen unbequeme AufgabenWer weiterkommen will, muss die Aufgaben übernehmen, die keiner haben will. Erfolgreiche Führungskräfte drücken sich nicht, sondern verstehen diese Aufgaben als zu erledigende Herausforderungen. Dabei genießen sie jeden einzelnen Schritt, vorwärts zu kommen. Quelle: Fotolia

In Stellenanzeigen für Führungspositionen wird meist auch Führungserfahrung verlangt. Manager sind offenbar überzeugt, dass man Führung durch Führen lernt. Die Wirtschaftspsychologen Uwe Peter Kanning und Philipp Fricke kommen nach ihren Untersuchungen in der Fachzeitschrift "Personalführung" zum gegenteiligen Ergebnis.

Die Grundlage der Untersuchung der Psychologen war ein Assessment-Center (AC) eines Unternehmens mit 814 Personen, 66 Prozent der Teilnehmer besaßen bereits Führungserfahrung. Mit der internen Leistungsschau bot ihnen das Unternehmen die Chance, sich für andere leitende Positionen zu empfehlen. Der Test bestand laut Kanning aus den üblichen Elementen: zwei Rollenspiele, eine Gruppendiskussion, eine Planungsaufgabe, eine Präsentation. Die Führungsfähigkeit der Teilnehmer wurde nach neun Kategorien eingeschätzt: Entscheidungsfähigkeit, Selbstreflexion, Kommunikationsfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Kooperationsfähigkeit, Führungsfähigkeit, Organisationsfähigkeit, Problemlösefähigkeit, Überzeugungsfähigkeit.

Dann suchten die Psychologen nach einer Korrelation, also einem Zusammenhang dieser Fähigkeiten mit vier anderen Eigenschaften der Probanden: die bisherige Führungserfahrung, die Anzahl der Untergebenen, das Lebensalter und das Geschlecht.

Erfahrung, Alter, Teamgröße – alles unwichtig?

Die Ergebnisse, so Kanning, widerlegten allesamt die naheliegenden Annahmen: Führungserfahrung spielte keine Rolle. Diejenigen, die bereits Mitarbeiter führten, zeigten keine bessere Führungsleistung im AC als diejenigen ohne bisherige Führungserfahrung. Und zwar in allen neun Bereichen. Im Bereich der Führungsfähigkeit schnitten die Führungsanfänger sogar deutlich besser ab als alteingesessene Führungskräfte.

Auch die Zahl der geführten Mitarbeiter sei irrelevant, schreiben die Psychologen. Die Führungskräfte mit großem Team im realen Beruf führten im Assessment Center nicht besser als diejenigen mit wenigen Untergebenen.

Das Alter stand sogar in negativer Korrelation zur Führungsfähigkeit: Je älter eine Person war, desto schlechter war ihre Führungsleistung im Versuch. Allerdings beeinflusste das Alter die Leistung insgesamt nur gering. Es erklärte maximal fünf Prozent der Leistung in einem der neun Bereiche.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%