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Führungskräfte Vaterlandslose Gesellen auf der Chefetage

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Kürzungsprogramm ab 2013

Großmann und Terium Quelle: dpa

Der 54-Jährige, der sich in den ersten Monaten seiner Unternehmenszugehörigkeit als bestbezahlter Praktikant des Unternehmens bezeichnete, zeigte rasch, dass er sich nicht als Nachlassverwalter seines Vorgängers Werner Wenning verstand, der sich in mehr als vier Jahrzehnten vom Lehrbub zum Vorstandsvorsitzenden hochgedient hatte und regelmäßig schulterklopfend durchs Unternehmen ging. Der smarte Holländer, der seine vergleichsweise distanzierte Art gern hinter einem humorigen Rudi-Carell-Deutsch verbirgt, hatte nur ein Ziel: Strukturen verschlanken und Luft schaffen für Investitionen in Wachstumsmärkte. Dafür schreckte er auch vor unpopulären Maßnahmen nicht zurück.

Von Leverkusen nach Shanghai

Kaum sechs Wochen im Amt, verkündete er ein rigides Kürzungsprogramm, mit dem er ab 2013 jährlich 800 Millionen Euro sparen will: Weniger Geld in die Verwaltung durch Abbau von 4500 Arbeitsplätzen weltweit, davon 1700 in Deutschland, dafür mehr Spielraum für Innovationen. Dekkers kündigte die Verlagerung der Rechnungslegung nach Osteuropa an, beerdigte die Traditionsmarke Schering, verlegte den Sitz des Hartkunststoffgeschäfts von Leverkusen nach Shanghai und die Zentrale der Sparte Hausarztmedikamente nach Peking – weil er sich vom Geschäft mit zivilisationskranken Chinesen starkes Wachstum verspricht. Bis 2020 soll hier der weltweit zweitgrößte Markt für verschreibungspflichtige Medikamente entstehen. Bis 2015 will Dekkers den Gesamtumsatz in Asien um 60 Prozent auf elf Milliarden Dollar steigern, die Zahl der Mitarbeiter in der Region von derzeit 23 700 auf 30 000 erhöhen. Und in Japan soll der Umsatz bis 2015 um 20 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro zulegen – auch, weil sich dort der Staat um Deregulierung bemühe.

Das Rad neu erfinden

In Deutschland muss sich Dekkers dagegen mit renitenten Bürgern und Richtern herumärgern, eine bereits fertig gebaute und genehmigte Kohlenmonoxid-Pipeline bei Dormagen nachträglich auf Erdbebensicherheit prüfen lassen. Dekkers Fazit: „Die Rahmenbedingungen für neue Investitionen in Deutschland machen mich nachdenklich.“

Überlegungen, die sich auch Dekkers Landsmann Peter Terium machen dürfte. Der 48-Jährige ist designierter CEO des Energiegiganten RWE, der sich ob der offiziellen Abkehr von der Atomenergie durch die Bundesregierung und der Hinwendung zu erneuerbaren Energiequellen gerade neu erfinden muss. Auch mithilfe eines Mannes an der Spitze, der bewusst geholt wurde als Gegenentwurf zu seinem Vorgänger Jürgen Großmann.

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